Die Vielfalt der Dokumente im Außenhandel erfordert eine aufwendige Kommunikation aller Beteiligten. Spezialisierte Plattformen wollen digitale Standards und Geschwindigkeit in diese Welt bringen. Die bisherigen Player nehmen die neuen Lösungen zunehmend an.

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Seit jeher müssen Akteure aus den verschiedensten Wirtschaftszweigen im grenzüberschreitenden Handel zusammenarbeiten. Zu einer erfolgreichen Lieferung von beispielsweise Textilien aus den Lagerräumen in Bangladesch in die Geschäfte der Frankfurter Innenstadt tragen neben Lieferanten und den Endabnehmern auch Banken, Logistikunternehmen, Reedereien und Zollämter mit ihrer jeweiligen Expertise bei.

Ein solches wirtschaftliches Ökosystem bringt oft hochkomplexe und langwierige Prozesse mit sich, da jede involvierte Partei die Transaktionsdaten unterschiedlich und gemäß der Regel ihres jeweiligen Wirtschaftszweiges verarbeitet. Für eine reibungslose Zusammenarbeit ist dies nicht zielführend. Daher ist die Entwicklung von innovativen Lösungen erforderlich. Die Digitalisierung von wirtschaftlichen Ökosystemen bietet sich an, um die Abwicklung des Außenhandels übersichtlicher und einfacher zu gestalten.

Digitalisierung im Bankensektor

Im Bankensektor findet berechtigterweise schon seit Langem ein Umdenken statt. Mittlerweile bieten alle Banken mindestens einen digitalen Dienst an. Beim Angebot mehrerer digitaler Dienste werden Plattformen genutzt, um diese Dienste zusammenzuführen und somit die Kundenerfahrung so angenehm wie möglich zu gestalten.

Im Onlinebanking für den Retailsektor z.B. kann der Kunde mittlerweile mittels einer einzigen Plattform auf mehrere Konten bei verschiedenen Banken zugreifen. Im Hinblick auf Finanzierungsangebote werden Kreditplattformen entwickelt und auch in der Abwicklung des Zahlungsverkehrs gibt es Fortschritte, insbesondere in Bezug auf den Datenaustausch für eingehende und ausgehende Zahlungen.

In Trade Finance haben die „Major Players“ der Industrie das disruptive Potenzial digitaler Angebote erkannt. Leider konnte sich bislang keine Lösung am Markt etablieren, denn größtenteils handelt es sich um Insellösungen, die primär von Banken entwickelt werden. Andere wichtige Akteure der Wertschöpfungskette, wie beispielsweise die Logistiker und/oder Spediteure, werden nur nachrangig bei der Entwicklung der Lösung berücksichtigt.

Im Rahmen der Abwicklung von Akkreditiven beispielsweise treten Banken kaum mit dem Mitarbeiter der Logistikabteilung eines Unternehmens in Kontakt. Umgekehrt hat der Logistiker des Unternehmens von der Verfrachtung bis zur Zustellung von Waren nur wenige bis keine Berührungspunkte mit der Bank. Die Ansprechpartner des Logistikers im täglichen Geschäft sind Reedereien, Speditionen, Zollbehörden und weitere. Die Fragen des Zahlungsverkehrs, also der Begleichung der Rechnung, überlässt er der Finanzabteilung seines Unternehmens.

Alle Fäden werden unternehmensintern zwar zusammengeführt, aber jeder einzelne Schritt hat seine eigene Verbindung in die Außenwelt. Dies bedarf dann der Spezialisierung und geht oftmals mit Unterschieden in den Formaten zwischen den einzelnen Prozessschritten einher. Immer wieder müssen dafür die gleichen Daten in verschiedenen Formaten aufbereitet und mit verschiedenen Techniken bzw. über unterschiedliche Kanäle den involvierten Parteien zur Verfügung gestellt werden (siehe Abbildung).

Viele Unternehmen werden sich die Frage stellen, warum es nicht mehr integrierte Plattformen gibt, in denen verschiedene Dienstleistungen zu einem Auftrag gebündelt abgewickelt werden können. Insbesondere im Außenwirtschaftsverkehr wird immer wieder geklagt, dass der Prozess zur Abwicklung eines Exportauftrags durch seine verschiedenen Beteiligten sehr umfangreich und komplex sei. Vor einigen Jahren gab es die Idee, die Blockchain zur Lösung des Problems einzusetzen. Doch inzwischen ist auch hier Ernüchterung eingetreten: Die Strukturen sind zu komplex und divers, um die verschiedenen Beteiligten auf ein Format zu heben.

Die Idee bleibt dabei von hoher Strahlkraft, doch ist eine kurz- oder mittelfristige Realisierung für die breite Anwendung in diesem Feld sehr unwahrscheinlich. Gleichwohl gibt es vielerlei andere Potenziale, die entwickelt werden können, insbesondere um die Kundenerfahrung oder „Customer Experience“ bzw. „Customer Journey“ zu verbessern.

Digitale Lösungen in der Außenhandelsfinanzierung

Entlang der Wertschöpfungskette der Handelsfinanzierung stoßen Akteure sowie Banken auf viele „Pain Points“, die sich wie folgt zusammenfassen lassen:

  • schwierige Verfolgbarkeit der zugrundeliegenden Waren
  • komplexe Compliance-Verfahren
  • Kostenineffizienz
  • Verzögerungen
  • Betrugsgefahr

Gemäß einer Studie der Boston Consulting Group aus dem Jahr 2018 hätten innovative Technologien das Potenzial, „Pain Points“ im Handel auf drei Arten aufzuheben:

  • durch die Vereinfachung von papierbasierten Handelsprozessen
  • durch die Umstellung der Handelsabwicklung auf eine vollständig digitale Abwicklung
  • durch die Dezentralisierung des Datenaustauschs

In dieser Konstellation bedeutet das auch eine Verbesserung der Erfahrung eines Unternehmens bei der Abwicklung eines Exportauftrags durch eine integrierte Plattformlösung, die kollaborativ ist und damit ein Ökosystem aufbaut.

Im Beispiel des exportorientierten Unternehmens wäre eine Verbesserung der Kundenerfahrung möglich, indem entlang der Abwicklungsstrecke des Auftrags die jeweils erforderlichen Daten digital von einem externen Prozesspartner zum nächsten übertragen werden können.

So könnte die Anwaltskanzlei die wesentlichen zu verhandelnden Vertragsdaten einsehen, die dann nach Vertragsschluss auch den deutschen Zollbehörden selektiv zur Verfügung stünden, um die passenden Ausfuhrgenehmigungen erteilen zu können. Gleiches könnte für die Spedition und die Reederei angewandt werden oder für die Reederei und die Bank zwecks finanzwirtschaftlicher Abwicklung des Exportauftrags. Insbesondere wenn die Reederei über das Verladedokument im Rahmen eines Exportakkreditivs in die finanzwirtschaftliche Abwicklung eingebunden ist, ergeben sich eine Reihe von gemeinsamen Daten, die bereits bei der Erstellung des Exportakkreditivs genutzt und dem Besteller zugeleitet werden könnten.

Diesen Ansatz verfolgt derzeit die ODDO BHF Aktiengesellschaft, eine der führenden Außenhandelsbanken in Deutschland, mit der kürzlich erfolgten strategischen Beteiligung an der französischen BuyCo S.A.S, einem sogenannten ShipTec, das bereits 2017 eine kollaborative Logistikplattform erfolgreich in den Markt eingeführt hat und über einen renommierten Kundenstamm verfügt.

Hat BuyCo bislang in der ersten Entwicklungsstufe die Zusammenführung der verschiedenen Beteiligten in der Logistik von Containern, wie Speditionen und Reedereien, revolutioniert, so ist in der nun beginnenden Phase die Integration von Finanzdienstleistungen vorgesehen. Weitere Informationen finden Sie auf https://buyco.co/.

Fazit

Im Jahr 2019 belief sich der globale Handelswert der weltweit exportierten Waren auf rund 19 Bill USD (Quelle: Statista) und 90% der gehandelten Güter wurden über die Meere transportiert (Quelle: Vision Project, Witness Magazine „International Shipping“). Diese Werte spiegeln nicht nur die Entwicklungen im internationalen Handel, die Globalisierung, sondern auch den technologischen Fortschritt wider. Die Erschaffung eines digitalen Plattformökosystems, wie das des Unternehmens BuyCo, kann den internationalen Handel umfassend verändern. Unternehmen sollen mit einem Mausklick sowohl ein Angebot zur Zahlungsabsicherung und Finanzierung eines Exportgeschäfts als auch Informationen über die damit verbundenen logistischen Dienstleistungen erhalten können. Dann werden die Bankmitarbeiter der Zukunft auch die Logistiker kennenlernen – und beide haben gute Gründe für gemeinsame Gespräche.

florian.witt@oddo-bhf.com

franklin.petato@oddo-bhf.com

www.oddo-bhf.com

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