Die anvisierte Erdölförderung in großem Stil dürfte erhebliche positive Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum sowie Ugandas haushaltspolitische und außenwirtschaftliche Position haben. Die Folgen des Klimawandels, Kürzungen staatlicher Hilfsgelder und regionale Instabilität bilden dagegen Abwärtsrisiken.
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2006 kam es im ugandischen Öl- und Gassektor zu bedeutsamen Entwicklungen, als bei Erkundungsarbeiten im Becken des Albertsees mehrere Ölfelder gefunden wurden, darunter Mputa, Kingfisher und Tilenga. Nach einer Auswertung werden die ugandischen Rohölreserven auf 6,5 Mrd Barrel geschätzt, wovon 2,2 Mrd Barrel als förderbar gelten. Nach Angaben des Internationalem Währungsfonds verfügt Uganda damit nach Nigeria, Angola und dem Südsudan über die viertgrößten Erdölreserven Subsahara-Afrikas. Die Erschließung dieser Reserven schreitet im Rahmen der Projekte Kingfisher und Tilenga voran. Der Förderbeginn ist für Ende 2025 geplant, wobei Verzögerungen möglich sind.
Uganda hat die Covid-19-Pandemie gut überstanden – und das Wirtschaftswachstum dürfte robust bleiben. Die mittelfristigen Aussichten des Landes werden vom Start der Erdölförderung Ende 2025 unterstützt. Uganda würde sich zwar nicht zu einem großen Ölexporteur entwickeln. Die Ölförderung dürfte aber dennoch das Wachstum stärken sowie die haushaltspolitische und außenwirtschaftliche Position verbessern.
Moderates externes und allgemeines Überschuldungsrisiko
Der IWF stuft das externe und allgemeine Überschuldungsrisiko Ugandas als moderat ein. Die öffentliche Verschuldung des Landes lag im vergangenen Jahr bei etwa 54% des Bruttoinlandsprodukts. Das Verhältnis der öffentlichen Verschuldung zu den Staatseinnahmen lag 2024 bei über 350%, da die Staatseinnahmen relativ gering waren. Der Anteil der auf Lokalwährung lautenden Inlandsverschuldung ist in jüngerer Zeit gestiegen. Diese Entwicklung hat unterschiedliche Auswirkungen: Während die Inlandsverschuldung kostspieliger als die Auslandsverschuldung ist und damit die öffentlichen Zinszahlungen auf Haushaltseinnahmen, die auf rund 25% der Staatseinnahmen geschätzt werden, in die Höhe treibt, schützt sie die Regierung vor einem Währungsrisiko. Künftig dürfte sich die Haushaltslage, insb. aufgrund des Beginns der Erdölförderung, verbessern. Folglich wird damit gerechnet, dass die Haushaltsbilanz einen Überschuss aufweisen und die Staatsverschuldung zurückgehen wird.
Das ugandische Leistungsbilanzdefizit bleibt weiterhin erhöht. Die Leistungsbilanzeinnahmen des Landes nehmen zu, was auf steigende Kaffeeexporte und hohe Goldpreise sowie auf eine Erholung der Rücküberweisungen und Tourismuseinnahmen zurückzuführen ist. Diese Faktoren sind jedoch nicht ausreichend, um die Zunahme von Importgütern auszugleichen, die vorwiegend durch Erdölprojekte zu erklären ist. Dabei ist allerdings zu erwähnen, dass Importe weitestgehend durch ausländische Direktinvestitionen und nicht über Auslandsschulden finanziert werden, was das Liquiditäts- und Solvenzrisiko ein Stück weit verringert.
Wie unten stehende Grafik zeigt, wird außerdem mit einer deutlichen Verbesserung der Leistungsbilanz gerechnet, sobald Uganda den Erdölexport aufnimmt und von einem Rückgang der Investitionen in die Ölinfrastruktur profitiert.

Das Defizit der ugandischen Leistungsbilanz (in % des BIP) dürfte sich weiter verringern. © Internationaler Währungsfonds, Credendo
Zentralbank reagiert auf Leitzinserhöhung
Mit dem Geschäftsumfeldrisiko bewertet Credendo makroökonomische Faktoren wie z.B. das Wirtschaftswachstum, das die Zahlungsfähigkeit sämtlicher Schuldner in einem Land beeinflussen kann. Nach einem starken Anstieg der Inflation reagierte die ugandische Zentralbank umgehend mit einer Leitzinserhöhung. Im ersten Halbjahr 2023 ging die Inflation merklich zurück und hat sich seitdem bei rund 4% stabilisiert. Die Zinsen sind jedoch weiter erhöht, was zu hohen Fremdkapitalkosten führt, die das Geschäftsumfeldrisiko beeinträchtigen.
Der Uganda-Schilling hat im vergangenen Jahr gegenüber dem US-Dollar an Wert gewonnen und nähert sich seinem stärksten Wechselkurs seit März 2023 an. Der Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar war in den vergangenen Jahren überwiegend stabil und zeigte nur geringe Schwankungen nach oben oder unten.
Auch einige institutionelle Faktoren sind für das Geschäftsumfeldrisiko relevant und finden bei der Beurteilung Berücksichtigung. Besonders die wahrgenommene Korruption stellt nach wie vor ein Problem dar; gemäß den Governance-Indikatoren der Weltbank belegt Uganda bei der Korruptionsbekämpfung Platz 170 von 205. Unter Berücksichtigung all dieser Elemente wird das Geschäftsumfeldrisiko Ugandas momentan in Kategorie E/G eingestuft.
Möglicher verzögerter Förderbeginn und andere Abwärtsrisiken
Weil die Aufnahme der Ölförderarbeiten für verschiedene Aspekte der wirtschaftlichen Lage eine hohe Bedeutung hat, stellen Projektverzögerungen, je nach Ausmaß, ein eindeutiges Abwärtsrisiko dar. Die beiden Teile des Projekts, denen besondere Aufmerksamkeit gilt, sind die geplante Ölraffinerie in Hoima sowie die East African Crude Oil Pipeline (EACOP). Über die EACOP soll Rohöl von den Ölfeldern im ugandischen Albertsee zum Hafen Tanga in Tansania transportiert werden, weswegen die Entwicklung der Pipeline auch von der Lage in Tansania abhängig ist. Gegen die EACOP hat sich jedoch beträchtlicher Widerstand von Umweltorganisationen und Finanzinstituten formiert, da sie Auswirkungen auf lokale Gemeinschaften, Fauna und Klimawandel befürchten. Ungeachtet dieser Hürden schreitet das Projekt voran und die Fertigstellung ist für 2026 geplant.
Darüber hinaus sollten noch einige andere Abwärtsrisiken und negative Faktoren berücksichtigt werden. Eines dieser Risiken ergibt sich aus den starken Ölpreisschwankungen. Ein anderes Risiko für Uganda ist der sog. Rohstofffluch. Dieser bezieht sich auf die Tatsache, dass Länder mit einem großen Reichtum an Rohstoffen (wie z.B. Öl) im Vergleich zu Ländern mit kleineren Rohstoffvorkommen oft schwächeres Wirtschaftswachstum, niedrigere Demokratiewerte und schlechtere Entwicklungsergebnisse aufweisen.
Das Anti-Homosexualitätsgesetz und seine Folgen
Ein weiterer Faktor sind das Anti-Homosexualitätsgesetz und seine Folgen. Nach diesem Gesetz können einvernehmliche gleichgeschlechtliche Handlungen mit Strafen bis hin zu lebenslangem Freiheitsentzug geahndet werden und „schwere Homosexualität“ steht unter Todesstrafe. Das Gesetz wurde 2023 unterzeichnet und veranlasste die Weltbank im August desselben Jahres, alle neuen öffentlichen Finanzprojekte in Uganda auszusetzen. Andere internationale Partner wie die Democratic Governance Facility (DGF) haben ebenfalls ihre Unterstützung zurückgezogen.
Außerdem wurde Uganda im Januar 2024 von den USA aus dem Handelsprogramm African Growth and Opportunity Act (AGOA) ausgeschlossen, was allerdings nur begrenzte Auswirkungen für den Export hatte, da lediglich ein geringer Teil der ugandischen Exporte für den US-Markt bestimmt ist. Die jüngsten Kürzungen des USAID-Budgets werden auch für Uganda nicht folgenlos bleiben und besonders das Gesundheitswesen treffen, in dem bereits 2.000 medizinische Fachkräfte entlassen wurden.
Anfällig für Klimaschocks
Angesichts der Abhängigkeit von der Landwirtschaft stellen Klimaschocks ein weiteres Risiko dar. Häufige Überschwemmungen und Dürren in Kombination mit hoher Armut verschärfen diese Anfälligkeit. Letztlich stellt die Instabilität im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRK) Uganda vor sicherheitspolitische und humanitäre Herausforderungen. Die Position des Landes ist ambivalent: Seit 2021 leistet es in der DRK offiziell Unterstützung gegen islamistische Kämpfer und hat die Zahl seiner Soldaten bei einer kürzlichen Truppenaufstockung auf etwa 5.000 erhöht. Gleichzeitig bezichtigen die UN Uganda der Unterstützung von M23-Rebellen, was von Kampala geleugnet wird.
Die Aussichten sind positiv
Ugandas mittel- bis langfristiges politisches Risiko, das die Zahlungsfähigkeit eines Landes widerspiegelt, ist derzeit in Kategorie 6/7 eingestuft. Angesichts der erwarteten Verbesserung der makroökonomischen Lage, die der Beginn der Ölförderung herbeiführen dürfte, sind die Aussichten positiv. Allerdings herrscht noch etwas Ungewissheit rund um den genauen Zeitplan für den Förderbeginn und manche Quellen erachten Ende 2026 als wahrscheinlicher als Ende 2025. Ugandas kurzfristiges politisches Risiko, das die Liquidität eines Landes widerspiegelt, ist derzeit in Kategorie 5/7 eingestuft.
Hinweis: Ausführliche Länderberichte finden Sie auf der Seite www.credendo.com
j.schnorrenberger[at]credendo.com







