Das südosteuropäische Land führt die Gemeinschaftswährung zum 1. Januar ein. Der Euro lässt eine höhere Attraktivität für Investoren, mehr Preisstabilität und ein gestärktes Wirtschaftswachstum erwarten. Mit dem Beitritt zur Euro-Zone erhalten Banken und Staat unbegrenzten Zugang zu EZB-Liquidität und verringern damit das Liquiditäts- und Solvenzrisiken deutlich.
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Im Juli 2025 hat der Rat der Europäischen Union die letzten erforderlichen Rechtsakte für Bulgariens Euro-Einführung zum 1. Januar 2026 beschlossen, nachdem alle Kriterien zum Euro-Beitritt – darunter die Konvergenzkriterien zu Wechselkursen, Staatsfinanzen, Preisstabilität, und langfristige Zinssätze – erfüllt worden waren. Auch weitere Aspekte wie Zahlungsbilanzentwicklung, Marktinte-gration und institutionelles Umfeld wurden als zufriedenstellend bewertet.
Das Land erfüllt alle Kriterien
Bulgarien hatte seine Währung, den Lew, bereits zu Beginn der Währungsunion im Jahr 1999 an den Euro gekoppelt, noch bevor es 2007 der Europäischen Union beitrat. Die Anforderung, die Währung für mindestens zwei Jahre an den Euro zu binden, war daher bereits erfüllt. Ebenso wie die Kriterien in Bezug auf die öffentlichen Finanzen. Bulgarien wies mit 24,1% seiner jährlichen Wirtschaftsleistung im Jahr 2024 nur eine geringe Verschuldung auf, die deutlich unter der in den wirtschaftlichen Kriterien für die Mitgliedschaft in der Euro-Zone festgelegten Schwelle von 60% liegt.
Zudem lag das öffentliche Defizit im vergangenen Jahr bei 3% des BIP, womit auch dieses Kriterium erfüllt war. Auch die Voraussetzung der Preisstabilität – die Inflation muss unter dem Referenzwert von 2,8% liegen oder nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei Euro-Mitglieder mit der niedrigsten Inflation – ist inzwischen erfüllt. Die Konvergenzberichte der Europäischen Kommission und der Europäischen Zentralbank bescheinigen, dass der langfristige Zinssatz Bulgariens im Referenzzeitraum mit 3,9% unter dem Referenzwert von 5,1% lag. Obwohl Bedenken hinsichtlich Korruption und Geldwäsche bestehen, stellten die EU-Kommission und die EZB fest, dass in diesen Bereichen Fortschritte erzielt worden seien.
Seit 1999 besteht eine Bindung des Lew an den Euro
Die relativ offene Wirtschaft Bulgariens und die seit 1999 bestehende Bindung des Lew an den Euro haben das Land eng an den Euro-Raum gekoppelt, was den angestrebten Beitritt zur Währungsunion förderte und zugleich vor externen Schocks schützte. Auch ein relativ flexibler und effizienter Arbeitsmarkt, niedrige Arbeitslosigkeit und die geringe Staatsverschuldung (die zweitniedrigste Verschuldungsquote relativ zum BIP in der EU) stärken die Widerstandskraft der bulgarischen Wirtschaft.
Allerdings wurde Bulgarien von den Auswirkungen des Ukraine-Kriegs deutlich getroffen – durch gestiegene Energiepreise, die geografische Nähe zum Konflikt und seine Beteiligung an der Lieferung von Verteidigungsgütern.
Schwache Institutionen und Regierungsführung, u.a. wahrgenommene Korruption, ineffiziente Verwaltung, häufige Regeländerungen und parteiische, öffentliche Auftragsvergaben trüben das Geschäftsklima anhaltend. Im Korruptionsindex CPI von Transparency International lag Bulgarien 2024 auf Rang 76 von 180 – der zweitniedrigste Wert unter allen EU-Staaten nach Ungarn.
Strukturelle Probleme wie Bevölkerungsrückgang
Hinzu kommen strukturelle Probleme wie Bevölkerungsrückgang, eine marode Infrastruktur und ein deutlicher Einkommensabstand zum Rest der EU. Politische Instabilität – seit dem Jahr 2021 gab es sieben Parlamentswahlen – erschwert die Umsetzung notwendiger Reformen. Die aktuelle Regierungskoalition, die erst seit Januar dieses Jahres im Amt ist, gilt als fragil und nachsichtig gegenüber Korruption und wird ihre Amtszeit möglicherweise nicht beenden.
Die Einführung des Euro in Bulgarien bringt dem Land einige Vorteile, darunter eine höhere Attraktivität für Investoren, mehr Preisstabilität und weiterhin niedrigere Zinssätze. Dies dürfte das erwartete Wachstum in diesem Jahr weiter stützen.
Politische Instabilität
Zusätzlich dürften eine niedrige Arbeitslosenquote und das Wachstum der inländischen Kreditvergabe den privaten Konsum weiter ankurbeln, während die Freigabe gesperrter EU-Mittel und der geplante Ausbau der Verteidigungsfähigkeit die Investitionen des öffentlichen Sektors steigen lassen. Das Exportwachstum dürfte sich aufgrund einer schwachen Auslandsnachfrage und einer erhöhten Unsicherheit in der globalen Handelspolitik verlangsamen, obwohl die Abhängigkeit vom US-Markt gering ist. Gleichzeitig treiben ein starker Konsum und hohe Verteidigungsausgaben die Importe voran, was das Leistungsbilanzdefizit vergrößert.
Die Mitgliedschaft in der Euro-Zone, durch die Bulgarien seine Geld- und Wechselkurspolitik an die EZB delegiert, ermöglicht es der EZB jedoch auch, im Falle einer Vertrauenskrise als Kreditgeber letzter Instanz für den bulgarischen Bankensektor zu agieren. Dadurch wird das Transferrisiko erheblich reduziert, und das von Credendo vergebene Rating für das politische Risiko Bulgariens – aktuell in Kategorie 2 von 7 für das mittel- bis langfristige politische Risiko – dürfte sich nach dem endgültigen Beitritt des Landes zur Euro-Zone verbessern.
Hinweis: Ausführliche Länderberichte finden Sie auf der Seite www.credendo.com
j.schnorrenberger[at]credendo.com







