Nach einem Sommer voller Handelsabkommen und einem deutlichen Anstieg der US-Zölle zeigt sich die Weltwirtschaft überraschend widerstandsfähig. Coface hat daher die globale Wachstumsprognose für das Jahr 2025 nach oben korrigiert und das Länderrisiko von insgesamt fünf Ländern angepasst.
Beitrag in der Gesamtausgabe (PDF)
Der durchschnittliche Import-Zollsatz an den US-Grenzen liegt nun bei rund 18% – deutlich höher als die 2,5% unter Präsident Joe Biden, aber immerhin spürbar tiefer im Vergleich zum Höchststand von 36% direkt nach dem „Liberation Day“ am 2. April 2025. Unternehmen konnten sich vorbereiten, ihre Strategien entsprechend anpassen und die Auswirkungen abfedern. Die US-Wirtschaft wurde zudem durch starke Investitionen in Datencenter für Künstliche Intelligenz gestützt. Dennoch mehren sich erste Anzeichen einer Abschwächung bei Konjunktur, Beschäftigung und Inflation – ein Hinweis auf die allmähliche Übertragung der negativen Effekte der Zollpolitik auf die US-Gesamtwirtschaft.
Stabiles Wachstum, gedämpfte Inflation
Coface prognostiziert ein globales Wirtschaftswachstum von 2,6% für 2025 und 2,4% für das Jahr 2026. Die US-Wirtschaft zeigt sich vor allem dank einer starken Binnennachfrage vorerst noch robust. Die chinesische Wirtschaft hingegen dürfte weiter an Tempo verlieren, und die Euro-Zone kommt trotz eines leichten Aufschwungs in Deutschland kaum aus ihrer Schwächephase heraus. Die indische Wirtschaft verzeichnet zwar ein starkes Wachstum von 7,6% im ersten Halbjahr, wird diese Dynamik im kommenden Jahr jedoch nicht halten können (2026: +6,3%). Währenddessen haben sich die Aussichten für den gesamten afrikanischen Kontinent deutlich verbessert (+4,1% für 2025 und +4,2% für 2026).
Die Inflation bleibt weltweit niedrig – begünstigt durch die globale Konjunkturabschwächung und sinkende Rohstoffpreise, insb. bei Energie und Lebensmitteln. Die weitere Entwicklung der US-Inflation bleibt jedoch unsicher; sie könnte Ende 2025 bzw. Anfang 2026 bei rund 4% liegen. Die US-Notenbank Fed hat im September mit Zinssenkungen begonnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte ihren Zinssenkungszyklus vorerst abgeschlossen haben – es sei denn, die Konjunktur verschlechtert sich deutlich. Der Einlagenzins liegt aktuell bei 2%.
Mehr Insolvenzen – besonders in Europa und Asien
Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt global weiter an. In den Industrieländern lag der Index in der ersten Jahreshälfte 2025 um 4% höher als im Vorjahr. Besonders betroffen waren Europa (+11%) und die Industrieländer in Asien-Pazifik (+12%), während die Insolvenzzahlen in Nordamerika stabil blieben. Zwar könnten sinkende Zinsen und bessere Kreditbedingungen 2026 für Entlastung sorgen, doch die aktuelle Entwicklung zeigt, wie anfällig Unternehmen angesichts hoher Kosten und unsicherer Nachfrage sind.
Neuausrichtung der Golfstaaten nimmt Fahrt auf
Die Golfstaaten bleiben eine der dynamischsten Regionen weltweit. Die wirtschaftliche Diversifizierung schreitet zügig voran: Ende 2024 hat dort der Nicht-Ölsektor rund 70% des BIP ausgemacht. Für 2025 wird ein Wachstum von 3,8% erwartet, für 2026 sogar 4% – getragen von starker Binnennachfrage und staatlichen Initiativen wie „Saudi Vision 2030“ in Saudi-Arabien. Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien verzeichneten im vergangenen Jahr mit 46 bzw. 32 Mrd USD Rekordwerte bei ausländischen Direktinvestitionen. In Zeiten erhöhter handelspolitischer Unsicherheit und der Frage, wo Unternehmen noch produzieren können, haben sich beide Länder als verlässliche Partner mit sehr guten Produktionsbedingungen etabliert. Dennoch bleibt die Abhängigkeit von Öl bestehen – ein anhaltender Preisverfall könnte daher die öffentlichen Haushalte belasten und wichtige Großprojekte verzögern.
Länderrisiken: Für vier Länder geht es hoch …
Coface hat die Risikoeinschätzung für insgesamt fünf Länder aktualisiert. Das Länderrisiko beschreibt das allgemeine Umfeld eines Landes, um lokale Kreditrisiken zu bewerten und einordnen zu können. Saudi-Arabien (neu in A3) und die Vereinigten Arabischen Emirate (neu in A2) zählen zu den vier Ländern mit einer verbesserten Einstufung. Wie bereits erwähnt, konnten beide Golfstaaten ihre Rolle innerhalb globaler Wertschöpfungsketten weiter ausbauen. Die VAE punkten zusätzlich mit einer stabilen Währung, die an den US-Dollar gekoppelt ist und somit keine Währungsrisiken birgt.

Die aktuelle Länderrisikokarte von Coface (Stand: Oktober 2025). © Coface
Mit einem verbesserten Länderrisiko wurde auch Tschechien versehen, dessen Industrie sich in den zurückliegenden Quartalen zunehmend von der deutschen Industrieproduktion entkoppelt hat. In Verbindung mit einer steigenden Kaufkraft durch höhere Löhne führt dies zu einem robusten Wachstum – Tschechien wird mit A3 bewertet. Vietnam schafft den Sprung ins A-Segment und wird nun mit A4 bewertet. Die neue Einstufung spiegelt ein starkes Wirtschaftswachstum wider, das v.a. durch steigende Auslandsinvestitionen getragen wird. Trotz hoher US-Zölle von bis zu 40% (für Güter, die reexportiert werden) etabliert sich Vietnam zunehmend als verlässliche Alternative zu China in Bereichen des Handels und der Produktion.
… und für Kanada geht es runter
Die einzige Herabstufung des Länderrisikos betrifft Kanada, das seine A2-Bewertung verliert und jetzt in A3 eingestuft ist. Zwar ist Kanada Teil des nordamerikanischen Handelsabkommens USMCA (United States–Mexico–Canada Agreement), doch Zölle von 35% auf Produkte außerhalb des Abkommens belasten insb. das verarbeitende Gewerbe. Zusätzlich wirkt sich ein Boykott US-amerikanischer Produkte negativ auf den privaten Konsum aus.
Mehr Details und sämtliche Risikobewertungen auf einen Blick auf www.coface.de
christiane.von-berg[at]coface.com







