Ghana gilt als einer der Vorzeigestaaten Afrikas. Seit zwei Jahrzehnten ist das westafrikanische Land stabil demokratisch, es bietet Rechtssicherheit und eine verlässliche Geschäftskultur. Internationale Vereinbarungen schaffen gute Voraussetzungen für Außenhandelsbeziehungen. Die Erschließung großer Erdöl- und Erdgasvorkommen verhilft dem Land zu zusätzlicher Dynamik. ­Deutschen Unternehmen bietet das Land viele Chancen.

Von Ursula Hammeke, Senior Regional Manager ­Afrika, BHF-BANK AG

Der westafrikanische Staat Ghana zählt zu den dynamischsten Volkswirtschaften der Welt. Im vergangenen Jahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt des Landes um 13,6% – nach 7,7% im Jahr 2010 und 4,7% im Jahr 2009. Die Erschließung von Erdöl- und Erdgasvorkommen gibt dem Wachstum zusätzlichen Schwung. Die rund 24 Millionen Ghanaer, deren Heimat der Fläche nach in etwa so groß ist wie die einstige Kolonialmacht Großbritannien, leben seit 20 Jahren in stabil demokratischen Verhältnissen. Rund 80 verschiedene Ethnien sind in Ghana zu Hause, Englisch ist die alle verbindende Amtssprache. Die frühere Kolonie wurde 1957 als eines der ersten Länder in Afrika unabhängig. Angesichts der Freundlichkeit der Ghanaer und aufgrund der guten Sicherheitslage nennen viele Afrika-Kenner Ghana als ihr bevorzugtes Ziel für Geschäftsreisen auf dem afrikanischen Kontinent.

Dass die Voraussetzungen für Geschäftsbeziehungen mit Ghana insbesondere im afrikanischen Vergleich sehr gut sind, bestätigt auch der aktuelle „Doing-Business“-Bericht der Weltbank. Die Weltbank sieht Ghana unter den zehn Ländern mit den größten Reformerfolgen in der jüngeren Vergangenheit. Die Voraussetzungen für eine geschäftliche Zusammenarbeit werden als deutlich besser eingeschätzt als in den benachbarten Staaten Burkina Faso, Elfenbeinküste, Nigeria und Togo. Als zweites westafrikanisches Land erreichte Ghana im Jahr 2010 bei der Weltbank den Status „Middle-Income-Country“. Alle Indikatoren in der Weltbank-Berichterstattung weisen eine positive Entwicklung aus. Von der OECD wurde Ghana Ende 2011 auf einer Skala von 1 bis 7 − mit 1 als bestem und 7 als schlechtestem Wert − in die Risikokategorie 5 eingestuft. Mit Gabun, Nigeria und Kap Verde hat Ghana damit die günstigste Risikobewertung in Westafrika.

Angesichts all dessen überrascht es nicht, dass die Außenhandelsbeziehungen zwischen Deutschland und Ghana in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet wurden. Die deutschen Ausfuhren nach Ghana sind stark gestiegen. Ihr Gesamtvolumen erhöhte sich von 209 Mio EUR im Jahr 2010 auf 276 Mio EUR im Jahr 2011. Deutsche Unternehmen sind für Ghana die führenden Lieferanten von Fahrzeugen. Die Premiummarken der deutschen Automobilindustrie genießen im Land ein sehr hohes Ansehen. Darüber hinaus sind chemische Erzeugnisse sowie Maschinen, vor allem für den Bergbau, sehr gefragt. Nach wie vor hat die Förderung von Gold die größte wirtschaftliche Bedeutung für den Export des Landes, das von den Briten einst „Goldküste“ genannt wurde.

Aus Ghana importiert Deutschland vor allem Kakao. Das Land ist nach der Elfenbeinküste der zweitgrößte Kakaoproduzent der Welt. An zweiter Stelle der Importe stehen Edelhölzer wie Mahagoni. Um möglichst viel Wertschöpfung im Land zu halten, hat Ghana die Ausfuhr von unverarbeitetem Holz verboten. Mit der EU hat Ghana 2010 zudem ein Abkommen zum nachhaltigen Holzexport abgeschlossen, das sicherstellen soll, dass exportiertes Tropenholz legal eingeschlagen wurde. Auf Rang 3 unter den Einfuhren Deutschlands aus Ghana steht Aluminium.

Ghanas florierende Wirtschaft erhält durch die Erschließung umfangreicher Erdöl- und Erdgasvorkommen vor der Küste derzeit zusätzlichen Auftrieb. Die kommerzielle Förderung hat Ende 2010 begonnen. Im Jahr 2011 wurden pro Tag 60.000 bis 70.000 Barrel Öl gefördert. Die Fördermenge soll weiter gesteigert werden, so dass der Export von Öl und Gas in Zukunft eine große wirtschaftliche Bedeutung gewinnen wird und dem Land daraus hohe Einnahmen zufließen werden. Der starke Anstieg des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2011 ist bereits Folge des Einstiegs in die Förderung. Von den umfangreichen Ausrüstungsinvestitionen für die Erdöl- und Erdgasförderung haben allerdings vor allem die etablierten amerikanischen und britischen Anbieter profitiert. Im Bereich der Konsumgüter ist China der wichtigste Lieferant.

Obwohl der Bergbau für die Wirtschaft Ghanas nach wie vor große Bedeutung hat und die Erdöl- und Erdgasförderung aktuell stark an Stellenwert gewinnt, ist das Land insgesamt noch immer weitgehend von Landwirtschaft und Fischerei geprägt. Mehr als die Hälfte der Menschen arbeitet in diesem Sektor. Ein großer Teil der Bauern betreibt Selbstversorgerwirtschaft, viele Ghanaer sind im Kleinhandel beschäftigt.

Im Weltmaßstab ist Ghana nach wie vor ein armes Land, dessen Industrie und dessen Dienstleistungssektor nur untergeordnete Bedeutung haben. Entsprechend gewaltig ist der Nachholbedarf zum Beispiel bei der Infrastruktur. Für deutsche Unternehmen etwa aus den Bereichen Energieerzeugung und Wasseraufbereitung dürften sich hier Chancen ergeben. Die Nachfrage wird nicht nur von immensen Investitionsbedürfnissen, sondern auch von den Konsumwünschen einer zahlenmäßig stark wachsenden Bevölkerung getrieben. Innerhalb der letzten 25 Jahre hat sich die Anzahl der Menschen in Ghana nahezu verdoppelt. Die Geburtenrate ist nach wie vor sehr hoch.

Laut Bundeswirtschaftsministerium sind derzeit etwa 75 deutsche Unternehmen direkt oder indirekt in Ghana präsent. Viele von ihnen sind im Ghanaisch-Deutschen Wirtschaftsverband GGEA (Ghanaian-German Economic Association) organisiert. Anfang 2011 wurde in Accra ein Delegiertenbüro der deutschen Wirtschaft eingerichtet. Das Büro ist seit kurzem in eine deutsche Außenhandelskammer umgewandelt worden. Die Außenhandelskammer steht unter der Leitung des sehr aktiven Delegierten Patrick Martens, der interessierte deutsche Firmen vor Ort berät und Gruppenreisen von Firmenvertretern organisiert und begleitet. In Deutschland ist der Afrikaverein eine sehr hilfreiche Anlaufstelle. Für Unternehmen, die sich vor Ort engagieren wollen, sind die zuweilen langsam arbeitende Bürokratie, der Mangel an Fachkräften sowie die unzulänglichen Verkehrs- und Kommunikationsverbindungen außerhalb der großen Städte Hemmnisse.

Die rechtlichen Voraussetzungen für Außenhandelsbeziehungen mit Ghana sind gut. Seit 1998 besteht zwischen Deutschland und Ghana ein Investitionsschutzabkommen, das es ermöglicht, deutsche Direktinvestitionen auch mit Garantien des Bundes abzusichern. Ein Doppelbesteuerungsabkommen trat 2007 in Kraft. Im gleichen Jahr haben die EU und Ghana ein vorläufiges Abkommen unterzeichnet, das Ghana den freien Zugang zu den EU-Märkten gewährt und den Europäern den Marktzugang in Ghana erleichtert.

Bei der Abwicklung von Handelsgeschäften spielen die Absicherung von Zahlungsrisiken beziehungsweise die Finanzierung der zugrundeliegenden Liefergeschäfte eine große Rolle. Für kurzfristige Handelsfinanzierungen bietet sich die klassische Akkreditivfinanzierung an. Bei der mittel- und langfristigen Finanzierung von Investitionsgütern übernimmt Hermes von Fall zu Fall die Deckung kleinerer Geschäfte. Voraussetzung ist, dass es sich um Besteller aus der privaten Wirtschaft handelt. Bei Bestellern aus dem öffentlichen Sektor übernimmt Hermes nur dann Deckungen, wenn diese privatwirtschaftlich organisiert sind und ohne Rückgriff auf öffentliche Mittel wirtschaften. Daneben bestehen Deckungsmöglichkeiten für Projektfinanzierungen und sonstige strukturierte Finanzierungen, gegebenenfalls auf Gegengeschäftsbasis.

Für den Geschäftserfolg in Ghana ist der Aufbau persönlicher Beziehungen von entscheidender Bedeutung. Man muss seine Partner kennen und ihr Vertrauen gewonnen haben, dann lassen sich Hindernisse überwinden und Finanzierungsstrukturen entwickeln, die einen Geschäftsabschluss bestmöglich begleiten.

Ghana bietet deutschen Unternehmen einen unter vielen Aspekten sehr interessanten Markt, der insbesondere im afrikanischen Vergleich gut zugänglich ist. Die dynamische Entwicklung bei der Erschließung der Erdöl- und Erdgasvorkommen wird für zusätzliche Attraktivität sorgen und die Chancen für die deutsch-ghanaischen Wirtschaftsbeziehungen noch vergrößern.

Kontakt: ursula.hammeke[at]bhf-bank.com

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