2015 dürfte ein schwieriges Jahr für Osteuropa werden. Die Prognosen für das reale Wachstum der Region – einschließlich Türkei – fallen negativ aus. Dazu tragen u. a. die starken wirtschaftlichen Einbußen in der Ukraine und in Russland bei. Auch die Länder der Euro-Zone weisen voraussichtlich ein nur schwaches Wachstum aus. Das aktuelle Zahlungsmoralbarometer von Atradius zeigt ­insbesondere in der Türkei ein angespanntes Zahlungsverhalten.

Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa,
Atradius Kreditversicherung

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Bei der Betrachtung der Zahlungsmoral in den aktuell für die Studie untersuchten fünf Ländern Ungarn, Polen, Slowakei, Tschechische Republik und Türkei zeigt sich eine sehr geringe Belastung der ungarischen Unternehmen durch ausstehende Forderungen und eine große Bedeutung des Lieferantenkredits. 76,6% der Verkäufe in das Ausland und 67,3% der Inlandsverkäufe waren mit einem Kredit verbunden. Die Zahlungsverzögerungen im Inland betrafen nur 27,3% der Forderungen, und im Ausland waren es sogar nur 19,4%.

Türkische Firmen in Schwierigkeiten

Anders sieht es in der Türkei aus, wo 50,3% der inländischen und 30,5% der ausländischen Verkäufe auf Kredit erfolgten. Dabei wurden 55,2% der inländischen Forderungen und 49,8% der Forderungen gegenüber dem Ausland nicht fristgerecht bezahlt – und dies bei einem Zahlungsziel von durchschnittlich 47 Tagen im Inlandsgeschäft. Der Anteil der uneinbringlichen Forderungen osteuropäischer Firmen ist 2014 weiter gesunken und lag im Durchschnitt nur noch bei 1,1% der gesamten Außenstände. Erneut lag die Türkei mit 2,0% der Forderungen über dem Durchschnitt, gefolgt von der Tschechischen Republik mit 1,4%. Als Hauptgründe für die Zahlungsausfälle ihrer Kunden nannten die meisten Befragten – vor allem in der Slowakischen Republik und in Ungarn – Konkurs oder Schließung (56,6%). In der Türkei waren vergebliche Einzugsversuche mit 53,8% entscheidend – weit über dem regionalen Durchschnitt von 38,4%. Auch bei den Zahlungszielen liegt die Türkei mit 42 Tagen an der Spitze im Studienvergleich. Unsere Risikoexperten in Istanbul bestätigen diese Entwicklung. Seit drei Jahren verlangsamt sich das Wirtschaftswachstum stetig. Die Türkische Lira hat an Wert verloren. Zudem beobachten unsere Experten eine steigende Nachfrage nach Krediten, sowohl bei den privatwirtschaftlichen Unternehmen als auch bei den privaten Haushalten. Die Gesamtverschuldung steigt. Eine Trendwende ist derzeit nicht in Sicht.

Lieferungen auf Kredit nehmen ab

In der aktuellen Atradius-Befragung zeigt sich eine zunehmende Zurückhaltung der Unternehmen gegenüber Lieferungen auf Kredit – insbesondere an ausländische Kunden. Im Laufe von zwei Jahren verringerte sich der Anteil der Verkäufe auf Kredit am Gesamtumsatz im Inland um 10,5 Prozentpunkte auf 42,9%. Im Auslandsgeschäft fiel der Anteil um 13,4 Prozentpunkte auf 38,4%. Damit liegen die osteuropäischen Länder annähernd auf dem Niveau Westeuropas, wo die Unsicherheit bereits seit Jahren die Kreditvergabe hemmt. Lieferungen auf Kredit sind in Ungarn üblicher als in den Nachbarländern. Die Zahlungsziele lagen in der aktuellen Befragung im Durchschnitt bei 30 Tagen, allerdings wurde diese Frist bei 41,2% der ausstehenden Forderungssumme im Inland nicht eingehalten. Die Forderungen gegenüber ausländischen Kunden waren nur zu 34,2% betroffen.
Ausführliche Informationen zur Zahlungsmoral in Osteuropa sind verfügbar auf www.atradius.de.

Kontakt: thomas.langen[at]atradius.com

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