Mit seinen großen Kupfervorkommen und guten klimatischen Bedingungen ist Sambia eine der größten und am stärksten ­wachsenden Wirtschaften im südlichen Afrika. Auch wenn einiges davon abhängt, wie die Regierung die Herausforderungen nach der Wahl im August 2016 angeht, lohnt es sich, das Land jetzt schon in den Blick zu nehmen. Wir sprachen mit Johannes Kurt von der neu gegründeten Zweigstelle Sambia der AHK für das südliche Afrika.

Interview mit Johannes Kurt, Leiter der Zweigstelle Sambia der AHK für das südliche Afrika

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Unternehmen, die sich für den afrikanischen Markt interessieren, denken oftmals zuerst an Südafrika oder Kenia. Warum?

Der Fokus auf diese Länder liegt nahe: Es sind große Märkte mit einer diversifizierten Wirtschaft sowie einer ausgebauten Infrastruktur und guten Zugangsmöglichkeiten. Sie eignen sich sehr gut als regionale Hubs. Wer beispielsweise in Südafrika ein Unternehmen aufbaut, kann mit dieser Unternehmensform im ganzen südlichen Afrika aktiv werden oder eine Niederlassung in einem weiteren Land eröffnen.

Die AHK für das südliche Afrika hat in Kooperation mit dem ExperTS-Programm eine Zweigstelle in Lusaka, Sambia, eröffnet. Was macht Sambia so attraktiv?

Die Entscheidung für Sambia fiel aufgrund der guten Wirtschaftsentwicklung und der insgesamt positiven Entwicklung des Landes. Die Wirtschaft Sambias profitiert vor allem von den großen Kupfervorkommen und ist vom Bergbau getrieben. Das prognostizierte Wachstum liegt bei 5%. Dadurch und durch eine zunehmende Diversifizierung zeichnen sich zahlreiche Chancen in anderen Branchen ab. Es gibt eine größer werdende und konsumfreudige Mittelschicht, und auch wirtschaftlich gesehen passiert gerade viel. Wir möchten das große Interesse, das deutsche und internationale Unternehmen diesem Land entgegenbringen, gerne bündeln und heben.

In welchen Branchen können deutsche Unternehmen besonders gut punkten?

Die Landwirtschaft ist aufgrund der guten geographischen Bedingungen und des Klimas ein spannender Sektor. Die Regierung hat im ganzen Land kommerzielle Farmblocks geschaffen – hier gibt es auch Chancen für deutsche Unternehmen, die Land pachten oder sich mit einer lokalen Firma zusammentun wollen. Gleichzeitig werden damit auch landwirtschaftliche Maschinen, Verpackungstechnologien und Geschäftsmodelle der Nahrungsmittelverarbeitung interessant. Wir sprechen hier von der Produktion von einfachsten Produkten, die bisher noch importiert werden müssen, wie beispielsweise Tomatensoße oder Saft.

Ein zweiter großer Bereich sind Leistungen und Technologien zur Verbesserung der Infrastruktur. Dies gilt für den Energiesektor und hier vor allem für die erneuerbaren Energien ebenso wie für den Bereich der Wasserver- und -entsorgung oder auch den Bausektor. Im Bereich Energie hängt derzeit noch viel an der Wasserkraft, langfristig soll mehr Solarenergie gewonnen werden, und Modelle für netzferne Regionen oder auch die Selbstversorgung in Städten sind gefragt.

Welche deutschen Unternehmen sind schon vor Ort? Gibt es bereits ein Netzwerk?

Es sind rund 35 deutsche Unternehmen in Sambia aktiv. Dazu gehören Amatheon Agri, BASF oder das Frankfurter Ingenieurbüro Gauff Consultants. Viele davon tauschen sich seit einigen Jahren im German Business Circle aus – die AHK für das südliche Afrika ist hier Gründungsmitglied und seit der Büroeröffnung in Sambia natürlich aktiv dabei. In Zukunft werden wir zudem eine Vielzahl von Veranstaltungen zu einzelnen Branchen sowie Delegationsreisen für deutsche und sambische Unternehmen anbieten.

Auch in der staatlichen bilateralen Zusammenarbeit klappt es sehr gut. Ein Investitionsschutz- und ein Doppelbesteuerungsabkommen vereinfachen und sichern die Geschäfte zwischen Sambia und Deutschland. Zur Eröffnung unserer Zweigstelle betonte der Vizeminister des sambischen Industrie- und Handelsministeriums, dass „deutsche Unternehmen eine bedeutende Rolle für Sambias wirtschaftliche Entwicklung spielen könnten“.

Worauf sollten sich Unternehmer einstellen, die in Sambia geschäftlich aktiv werden möchten?

Wie in vielen anderen afrikanischen Ländern auch braucht man Geduld. Zunächst gilt es, präsent zu sein, ein Netzwerk und das nötige Vertrauen aufzubauen. Wer hier Geschäfte machen möchte, muss vor Ort ein persönliches Kontaktnetzwerk zu Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft aufbauen. Mit Englisch als Amtssprache fällt das wahrscheinlich leichter als in anderen Ländern. Aber man muss sich darauf einstellen, dass ein Vertragsabschluss eine lange Vorbereitungszeit braucht. Das persönliche Netzwerk ist dabei am Ende wichtiger als ein technologisches Alleinstellungsmerkmal. Von daher ist es hilfreich, wenn man entweder schon Erfahrungen in anderen afrikanischen Ländern gemacht hat oder sich mit anderen Unternehmern dazu austauscht.

Wie schätzen Sie die wirtschaftspolitische Lage in Sambia ein? Gibt es besondere Risiken, die Unternehmen kennen sollten?

Derzeit befinden wir uns in einer spannenden Phase. Die chinesische Nachfrage nach Kupfer ist gesunken, und das wirkt sich auf die gesamte Wirtschaft aus. Die großen Bergbaukonzerne haben jedoch ein langfristiges Engagement in Sambia bestätigt und damit viel Vertrauen in die positive Entwicklung Sambias signalisiert. Dazu kommt die im August stattfindende Wahl, die wahrscheinlich knapp ausgehen wird. Wir hoffen sehr, dass die politische Lage stabil bleibt und die neue Regierung den bestehenden wirtschaftlichen Herausforderungen mit den angekündigten Programmen begegnet.

Abgesehen von den Risiken bzgl. der politischen Entwicklung, die wir abwarten müssen, überwiegen eindeutig die Chancen. Es gibt ein großes internationales Engagement in und Interesse an Sambia. Neben der KfW sind auch die Weltbank und die African Development Bank ebenso wie die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit unterschiedlichen Projekten und Programmen aktiv. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit besteht darin, Synergien zwischen solchen Programmen und dem unternehmerischen Engagement deutscher Firmen zu schaffen.

Was würden Sie einem Unternehmen empfehlen, das Geschäfte in Sambia aufbauen möchte?

Wie bereits gesagt, sollte man vor Ort sein und die lokalen Bedürfnisse verstehen – also nicht einfach ein Angebot aus Kenia kopieren, sondern hier aktiv werden und Kontakte knüpfen. Wenn Sie eine Idee für ein Projekt haben und eine Förderung anstreben, empfehle ich, die berufliche Bildung gleich mitzubedenken. Sie ist ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem deutsche Unternehmen verlässlich punkten können. Und sie sorgt für die nötige Nachhaltigkeit. Weitere wichtige Punkte sind das Mitberücksichtigen möglicher Finanzierungsmodelle für die Kunden hier vor Ort und das Einbringen eigener Finanzmittel. Und wer bereits eine Afrika-Strategie oder Instrumente in ähnlichen Ländern entwickelt hat, verringert das eigene Risiko.

Wenn Unternehmen Marktinformationen oder erste Kontakte vor Ort benötigen, können sie uns gerne kontaktieren. Wir unterstützen sie bei ihren ersten Schritten in Sambia und beraten sie zu Markteinstiegsstrategien, Förderprogrammen und aktuellen Ausschreibungen. Auch und vor allem wenn Unternehmen eine Idee, aber noch Zweifel haben, stehen wir ihnen zur Seite und stellen gegebenenfalls Kontakte zu den lokalen Branchen, Verbänden oder den politischen Institutionen her. Für den ersten Überblick sollten Interessierte einen Blick in den kürzlich erschienenen Marktführer Sambia werfen.

Kontakt: lusaka@germanchamber.co.za

Johannes Kurt ist über das Programm ExperTS in Sambia im Einsatz. Das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanzierte Programm fördert nachhaltiges Wirtschaften weltweit: In rund 30 Ländern beraten sogenannte integrierte Fachkräfte lokale und deutsche Unternehmen zu entwicklungspolitischen Themen. Das Programm wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH sowie den Auslandshandelskammern, den Delegationen der Deutschen Wirtschaft und bilateralen Wirtschaftsvereinigungen gemeinsam umgesetzt.

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