Große Unternehmen wie der europäische Baukonzern Strabag haben es vorgemacht, jetzt wollen auch andere Unternehmen von diesem Trend profitieren. Neben dem „klassischen“ Finanzierungsprodukt des bilateralen Kredits können Unternehmen mittlerweile aus einem größeren Angebot an Finanzierungsmöglichkeiten schöpfen. Insbesondere syndizierte Avalkredite sind für eine Vielzahl von Unternehmen aus Branchen mit typischerweise hohem Bedarf an Avalkrediten von Interesse.

Von Klaus-Walter Müller, Head of Trade Deal Solutions Team Deutschland, Deutsche Bank AG

Im Oktober 2010 beauftragte die Strabag SE die Neuauflage eines syndizierten Avalkredits in Höhe von 2 Mrd Euro bei einem Konsortium internationaler Banken unter der Führung der Deutsche Bank AG und der Raiffeisen Bank International AG. Diese Transaktion stieß unter anderem aufgrund ihres Volumens sowie des großen Interesses der eingeladenen Banken, welches an der deutlichen Überzeichnung des Kredits abzulesen war, im Finanzmarkt auf eine äußerst positive Resonanz. Nicht zuletzt hierdurch wurden auch andere Unternehmen auf diese Art der Finanzierung aufmerksam.

Bei einem syndizierten Kredit koordiniert die vom Kreditnehmer für diese Aufgabe mandatierte Bank bzw. Gruppe von Banken („Arrangeur(e)“) den gesamten Transaktionsprozess (Strukturierung der Transaktion, Erstellung der Kreditdokumentation, Syndizierung an weitere Kreditgeber) für den und gemeinsam mit dem Kreditnehmer. Im Unterschied zu einer Serie bilateraler Kreditverträge ist bei einem syndizierten Kredit nur ein einziger Kreditvertrag erforderlich, der von allen teilnehmenden Banken gemeinsam mit dem Kreditnehmer unterzeichnet wird.

Dies hat für den Kreditnehmer den Vorteil, dass die Aufnahme einer Vielzahl einzelner Kredite bei verschiedenen Kreditinstituten mit ggf. unterschiedlichen Kreditbedingungen und entsprechendem Überwachungsaufwand vermieden werden kann. Aus Sicht der kreditgebenden Finanzinstitutionen liegt der Vorteil eines syndizierten Kredits insbesondere auch darin, dass eine Gleichbehandlung aller teilnehmenden Kreditgeber sowohl in Bezug auf die Konditionsgestaltung als auch mit Blick auf die kreditmateriellen Vereinbarungen sichergestellt ist.

Außerdem bietet ein syndizierter Kredit grundsätzlich eine hohe Flexibilität in der Vertragsausgestaltung (z.B. Zinsperioden, Währungen oder Rückzahlungen). Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Stabilität. Bei einem Nebeneinander mehrerer bilateraler Kredite kann die Kreditkündigung einer Bank zu einem unkontrollierbaren „Schneeballeffekt“ mit erheblichen Risiken für den Kreditnehmer führen. Zur Kündigung eines syndizierten Kredits hingegen sind üblicherweise bestimmte Mehrheitsverhältnisse innerhalb des Syndikats erforderlich. Neben einer höheren Visibilität im Kapitalmarkt werden syndizierte Kredite u.a. aufgrund der geschilderten Stabilität dieser Art der Finanzierung insbesondere auch von den Ratingagenturen als positives Element der Finanzierungsstruktur eines Unternehmens angesehen.

Neben einer reinen syndizierten Avalfazilität kann eine Avallinie innerhalb eines syndizierten Kredits auch als eine eigenständige Tranche oder ein Sub-Limit einer revolvierenden (Cash)Fazilität strukturiert werden. Aufgrund entsprechender vertraglicher Mechanismen ist es grundsätzlich möglich, Strukturen zu finden, welche eine unterschiedliche Laufzeit der Avalfazilität sowie der darunter ausgereichten Avale ermöglichen. Die unter der Linie begebenen Avale bzw. Garantien lassen sich grundsätzlich in sog. „Commercial“ und „Financial Guarantees“ einteilen, welche sich aufgrund ihres unterschiedlichen Risikoprofils u.a. regelmäßig in der entsprechenden Preisgestaltung unterscheiden.

Bei der Strukturierung eines syndizierten Avalkredits kann sich der Kreditnehmer grundsätzlich zwischen zwei Basismodellen entscheiden: dem „Fronting-“ und dem „Multi-Issuer-Modell“.

Bei der Fronting-Variante begibt/begeben die Fronting-Bank(en) die Avale. Das von der Fronting-Bank dem Kreditnehmer zur Verfügung gestellte Avallimit basiert auf einer proratarischen Rückhaftung der an dem syndizierten Kredit teilnehmenden Finanzinstitute zugunsten der Fronting-Bank. Da die Fronting-Bank in dieser Konstruktion das Ausfallrisiko der ihr rückhaftenden Finanzierungspartner trägt, muss sie der Auswahl der Konsortialbanken vor Kreditvertragsschluss und der späteren Übertragung von Kreditbeteiligungen grundsätzlich zustimmen.

Bei der Multi-Issuer-Variante begeben alle Banken aus dem Konsortium Avale, was zur Folge hat, dass im Gegensatz zur Fronting-Variante bei den avalausstellenden Banken keine Kreditlimite für das Ausfallrisiko der anderen Konsortialpartner vorgehalten werden müssen. Das Einbringen bereits existierender Avale in eine neue syndizierte Fazilität ist im Fronting-Modell praktisch nur für die Fronting-Banken möglich, wobei alle beteiligten Kredit­geber anschließend ihren relativen Anteil am Risiko einbuchen. Beim Multi-Issuer-Modell hingegen ist es grundsätzlich
für alle teilnehmenden Kreditgeber möglich, bestehende Avale des jeweiligen Kreditgebers in den syndizierten Aval­kredit ­einzubringen. Auf der anderen Seite bietet die Fronting-Struktur einen Praktikabilitätsvorteil hinsichtlich der Ausstellung einzelner großer Avale. Beim Multi-Issuer-Modell ist dies üblicherweise aufgrund der Vielzahl der avalausstellenden Banken und des dadurch auf alle teilnehmenden Banken verteilten und somit hinsichtlich der ­individuellen Bank vergleichsweise kleineren Issuing-Limits etwas schwieriger. Auch hier lassen sich jedoch für solche Sondersituationen geeignete Lösungswege strukturieren.

Eine proratarische Verteilung des Risikos aus den unter dem syndizierten Kredit herausgelegten Avalen auf alle Kreditgeber ist beim Fronting-Modell in jedem Fall gewährleistet. Bei der Multi-Issuer-Variante verteilt der Avalagent die vom Kreditnehmer angefragten Einzelavale weitgehend gleichmäßig auf alle Kreditgeber. Aufgrund der Übernahme des Ausfallrisikos der rückhaftenden Konsorten durch die Fronting-Bank entstehen in der Fronting-Variante zusätzliche Kosten, welche der Kreditnehmer in Form der sog. Fronting-Fee zu tragen hat. Für Kreditnehmer mit wenigen Avalen, aber dafür großen Projekten bzw. komplexem Strukturierungsbedarf ist diese Lösung aber dennoch lohnenswert und interessant.

Die Preisgestaltung syndizierter Kredite ist sehr stark marktgetrieben und orientiert sich dabei u.a. an den jeweils aktuellen Refinanzierungskosten der Banken (dargestellt am iBoxx Banks in der Grafik auf Seite 18) sowie den in Abhängigkeit von der Bonität des Kreditnehmers als angemessen betrachteten Risikoaufschlägen (dargestellt am iTraxx). Im Rahmen einer holistischen Betrachtungsweise der Erträge aus einer Gesamtkundenverbindung spielt dabei auch das Volumen des Zusatzgeschäftes, welches ein Kreditnehmer seinen Finanzierungspartnern anbieten kann, bei der Konditionsgestaltung regelmäßig (wie auch bei bilateralen Krediten) eine entscheidende Rolle. Nach einem deutlichen Anstieg der Konditionen im Rahmen der Finanzmarktkrise in den Jahren 2007 bis 2009 sind die Konditionen seitdem wieder stark rückläufig gewesen und derzeit auf einem für Kreditnehmer sehr attraktiven Niveau.

Bei syndizierten Avalkrediten ist derzeit im Markt eine Tendenz zum Multi-Issuer-Modell zu erkennen. Die Vorteile für den Kunden sind u.a.:

  • Visibilität aller Banken am Markt
  • direkter Kontakt zu den avalausstellenden Banken
  • keine separaten Fronting-Limite auf teilnehmende Banken notwendig
  • keine zusätzlichen Fronting-Fees
  • der Erfordernis zur Ausstellung großer Einzelavale kann im Multi-Issuer-Modell (z.B. durch Ad-hoc-Fronting-bzw. Joint-Signature-Verfahren) Rechnung getragen werden
  • Unterstützung der Administration durch den Avalagenten

Mit der Einführung verschärfter Kapital-anforderungen durch Basel III werden die Banken vor erhebliche Herausforderungen gestellt. Liquiditätsvorschriften zwingen die Banken in liquidere und damit weniger ertragsstarke Anlagen. Zudem verteuert die Beschränkung der Fristentransformation die eigene Finanzierung. Deutlich wird dies u.a. in dem Vorhalten von Eigenkapital: Das harte Kernkapital muss bis 2019 mindestens 7% ALLER risikogewichteten Aktiva betragen.

Insgesamt gilt: Banken müssen in Zukunft noch stärker auf risikogerechtes Pricing für Kredite achten. Wie und in welchem Maße hängt stark vom Wettbewerb bzw. den einzelnen Instituten selbst ab.

Die Folge dieser umfassenden Veränderungen ist eine stärkere Differenzierung u.a. im Avalbereich. Das bedeutet beispielsweise, dass Mischlinien preislich unattraktiver werden. Kreditnehmer sollten sich über ihre Bedürfnisse in Finanzierungsfragen im Klaren sein und Cash- und Avallinien separieren. Ebenfalls müssen Banken die Risiken aus Fronting-Modellen neu bewerten.

Textkasten: Praxisfall Strabag SE

Die Strabag SE ist einer der führenden europäischen Baukonzerne. Ausgehend von den Kernmärkten Österreich und Deutschland, ist der Konzern über zahlreiche Tochtergesellschaften in allen ost- und südosteuropäischen Ländern, in ausgewählten Märkten Westeuropas, auf der arabischen Halbinsel sowie in Kanada, Chile, China und Indien präsent.

Im Oktober 2010 gelang der Strabag SE die erfolgreiche Platzierung einer syndizierten Avallinie in Höhe von 2 Mrd Euro. Sie ersetzt frühzeitig die bisherige mit 1,5 Mrd Euro syndizierte Avallinie des Unternehmens aus dem Jahr 2005, welche im Dezember 2010 ihre Endfälligkeit erreicht hätte.

Das Bankensyndikat der Fazilität besteht aus insgesamt 17 internationalen Banken, angeführt von einer Gruppe aus sechs Bookrunnern inkl. der Deutsche Bank AG und der Raiffeisen Bank International AG, welche die Transaktion gemeinsam koordiniert haben.

Die Erfolgsfaktoren der Transaktion sind u.a. eine innovative Finanzierungsstruktur, bei der das Multi-Issuer-Konzept Anwendung findet. Außerdem bilden die auf die individuellen Bedürfnisse der Strabag zugeschnittene Struktur und Dokumentation die Grundlagen für die erfolgreiche Realisierung der strategischen Ziele der Strabag-Gruppe. Durch das Aufsetzen auf die bestehende Dokumentation aus dem Jahr 2005 konnte ein für alle Parteien effizienter Refinanzierungsprozess sichergestellt werden.

Kontakt: klaus-walter.mueller[at]db.com

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