Politische Spannungen
Neben diesen innenpolitischen Maßnahmen gab Putin auch ein ehrgeiziges Rüstungsprogramm bekannt. Es ist unklar, ob diese Botschaft an das inländische Publikum gerichtet war, ein Verhandlungsangebot an den Westen darstellte oder als Warnung zu lesen ist, dass Russland neue Waffen entwickeln wird, die zu einer gefährlichen Eskalation führen können. Die Reaktionen auf den Nervengiftanschlag in Salisbury, der Großbritannien und zahlreiche weitere Staaten zur Ausweisung russischer Diplomaten bewegt hat, unterstreichen das höchst angespannte Verhältnis zum Westen. In diesem Kontext hält das Risiko einer Verschärfung bestehender Sanktionen an.
Wirtschaftliche Erholung
2014 wurde die russische Wirtschaft vom Absturz des Ölpreises und der Verhängung internationaler Sanktionen schwer getroffen. Infolgedessen verlor der Russische Rubel stark an Wert, und die Wirtschaft geriet in eine Rezession. Nach zwei Jahren des Negativwachstums konnte sich das reale BIP 2017 wieder erholen und dürfte dieses Jahr um (geringe) 1,7% ansteigen. Die Leistungsbilanz dürfte weiterhin einen Überschuss aufweisen. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die Leistungsbilanz der meisten erdölexportierenden Länder infolge des Ölpreissturzes 2014 defizitär wurde, Russlands Leistungsbilanz zwischen 2014 und 2016 jedoch unverändert positiv blieb.
Solide Wirtschaftspolitik
Die öffentliche Finanzlage bleibt, trotz des doppelten externen Schocks 2014, weiterhin stabil. Die gesamtstaatliche Verschuldung lag 2017 bei unter 20% des BIP, und das Haushaltsdefizit ist begrenzt (weniger als 3% des BIP). Auch die Geldpolitik war in den vergangenen Jahren beeindruckend. Die Währungsreserven sind hoch und decken zehn Monatsimporte sowie mehr als das Sechsfache der kurzfristigen Auslandsverschuldung ab. Der Russische Rubel ist relativ stabil, während die Inflation im Februar 2018 mit 2,2% ausgesprochen niedrig war und noch unter dem von der Zentralbank festgelegten Ziel von 4% lag.
Sinkende Zinsen
Dank der niedrigen Inflation konnte die Zentralbank ihren Referenzzinssatz schrittweise auf zuletzt 7,25% p.a. reduzieren. Auch wenn die Inflation leicht ansteigen dürfte, kann künftig mit einem niedrigen Stand gerechnet werden. Die Zentralbank wird daher ihre Geldpolitik wohl weiter lockern. Der Kreditzins folgt der Entwicklung des Leitzinses der Zentralbank und liegt inzwischen unter 10% p.a. Dieser Abwärtstrend hat positive Auswirkungen auf das systemische Geschäftsrisiko. Auch die Darlehenstätigkeit wird voraussichtlich weiter ansteigen, da das Bankensystem trotz der jüngsten Rettung dreier großer Privatbanken und inhärenter Schwächen bei zahlreichen kleinen Banken stabil erscheint.
Moderate Risiken
Credendo hält an seiner Bewertung des politischen Risikos fest. Das kurzfristige politische Risiko, das die Liquidität eines Landes widerspiegelt, wird in Kategorie 3 eingestuft. Angesichts der guten Liquiditätslage geht dieses Risiko in erster Linie von geopolitischen Spannungen und damit zusammenhängenden Sanktionen aus. Das mittel- bis langfristige politische Risiko, das sich nach der Zahlungsfähigkeit eines Landes richtet, wird in die moderate Kategorie 4 eingestuft. Auch hier spielen geopolitische Spannungen und entsprechende Sanktionen eine große Rolle. Dabei berücksichtigt Credendo das relativ niedrige Finanzrisiko, die erhebliche Abhängigkeit von Öl und Gas als Quelle von Leistungsbilanz- und Staatseinnahmen sowie verhaltene mittel- bis langfristige Wachstumsaussichten, die von der negativen Bevölkerungsdynamik, niedriger Produktivität, mangelnden Strukturreformen und einem abschreckenden Investitionsklima gedämpft werden.
Ausführliche Länderberichte finden Sie auf der Internetseite www.credendo.com.