Die Entscheidung, die strengen neuen Importkontrollen für Waren aus Europa zu verzögern, ändert nichts an den Fakten: Unternehmen müssen sich immer noch auf diese nächste Phase des Brexits vorbereiten.

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Nach der Entscheidung der britischen Regierung, die Einführung neuer Zollkontrollen für Importe aus der EU zu verschieben, atmen Unternehmen kollektiv auf. Viele Unternehmen haben sich gerade erst mit den neuen EU-Import- und -Exportregeln, einschließlich der komplexen Ursprungsregeln, vertraut gemacht, die auf den Austritt aus dem EU-Binnenmarkt im Januar folgten. Die Unternehmen hatten sich mit der Einführung neuer gesundheitspolizeilicher und pflanzenschutzrechtlicher (SPS) Kontrollen bei der Einfuhr von tierischen und pflanzlichen Produkten, einschließlich sogenannter Hochrisikolebensmittel wie Wurstwaren, auf weitere Brexit-Bürokratie eingestellt. Diese Importkontrollen, die ab April in Kraft treten sollten, werden um mehrere Monate verschoben, um den Unternehmen mehr Zeit zu geben, sich auf die Zunahme des Papierkrams einzustellen.

Zeit für Vorbereitung nutzen

Das bedeutet aber nicht, dass sich Unternehmen entspannen sollten. Sie sollten die zusätzliche Zeit nutzen, um sich vorzubereiten. Ab Oktober 2021 müssen Exporteure für jede Sendung, die nach Großbritannien geht, die korrekte Dokumentation – einschließlich Importformulare und Veterinärbescheinigungen – vorweisen können. Wenn sie das nicht tun oder die Formulare nicht korrekt ausgefüllt sind, könnte das zu kostspieligen Verzögerungen in den Häfen und leeren Supermarktregalen führen.

Britische Unternehmen müssen daher ihren kontinentaleuropäischen Partnern bei der Navigation durch diese neuen Kontrollen, Regeln und Systeme helfen. Deutsche, Franzosen und andere EU-Bürger sind möglicherweise nicht mit den britischen Verfahren vertraut, insbesondere wenn sich die Regeln und Systeme ändern.

Gesundheitsbescheinigung richtig auswählen

Unternehmen, die nach Großbritannien exportieren, benötigen für lebende Tiere und einige Produkte tierischen Ursprungs eine Gesundheitsbescheinigung. Der Lieferant muss die richtige Bescheinigung im eigenen Land einholen. Das Original der Bescheinigung – nicht eine Kopie – muss mit der Sendung mitgeführt werden, und der Abnehmer muss eine elektronische Kopie erhalten, die er in das „Import of Products, Animals, Food and Feed System“ (IPAFFS) hochladen kann. Dies ist das neue britische System für den Import von Tieren und Tierprodukten sowie von Lebensmitteln mit hohem Risiko wie z.B. solchen, die Pestizide oder Salmonellen enthalten.

Der britische Importeur nutzt das IPAFFS, um den Zoll über die Einfuhr dieser Produkte nach Großbritannien zu informieren. Die Meldung muss 24 Stunden vor der Ankunft der Sendung eingereicht werden, wenn diese aus einem EU-Land kommt. Mehr Informationen dazu finden Sie HIER.

Die Auswahl des richtigen Gesundheitszeugnisses, die Beauftragung eines Tierarztes zur Inspektion der Ware und das anschließende korrekte Ausfüllen des richtigen Exportgesundheitszeugnisses werden für viele kleinere Unternehmen Herausforderungen darstellen. Es gibt mehr als 100 Gesundheitszeugnisse zur Auswahl, eine verwirrende Anzahl. Eine Anleitung der britischen Regierung dazu finden Sie HIER.

Die Bescheinigungen müssen von einem amtlichen Tierarzt abgestempelt und mehrfach unterschrieben werden. Dieselbe Gesundheitsbescheinigung muss möglicherweise in allen Sprachen der Länder, durch die die Waren reisen, dupliziert werden, was noch mehr Stempel und Unterschriften bedeutet. Weitere Informationen zu Ausfuhrgesundheitsbescheinigungen finden Sie HIER.

Britische Exporteure von lebenden Tieren und Tierprodukten in die EU müssen sich im webbasierten „Trade Control and Expert System“ (Traces), dem EU-Äquivalent zu IPAFFS, registrieren. Britische Exporteure finden wichtige Informationen zum Erhalt von Gesundheitsbescheinigungen auch HIER.

Kostspielige Verzögerungen können vermieden werden, wenn alle Beteiligten auf beiden Seiten des Kanals, sowohl Importeure als auch Exporteure, die richtigen Zertifikate besorgen, sie korrekt ausfüllen und die Behörden rechtzeitig informieren. Unternehmen sollten die zusätzliche Atempause nutzen, um sich vorzubereiten.

Für weitere Informationen besuchen Sie https://www.customsmanager.org

arne.mielken@customsmanager.com

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