Die Reformagenda „Vision 2030“ eröffnet internationalen Unternehmen vielfältige Geschäftsansätze.                                                                                                                                                                                                                                                                                            

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Mit über 33 Millionen Einwohnern ist Saudi-Arabien das bevölkerungsreichste Land auf der Arabischen Halbinsel. Die Bevölkerung verteilt sich auf ein Staatsgebiet von 2,15 Mio qkm, jedoch leben 86% der Einwohner in den größten Städten des Landes: Riad, Dschidda, Mekka, Medina, Damman, Hofuf und Ta’if. Die Bevölkerung war 2016 im Durchschnitt 27,2 Jahre alt, 50% der Saudis waren damit unter 35 Jahre alt – zusammen mit dem raschen Bevölkerungswachstum ein großer demografischer Vorteil.

Politik und Gesellschaft religiös geprägt

Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie und kennt keine Trennung zwischen Staat und Religion. Seit der saudischen Staatsgründung 1932 herrschten sieben Könige über das Reich, alle aus dem Hause der Al Saud. Zwei der heiligsten Stätten des Islam liegen auf saudischem Staatsgebiet – in Mekka und Medina –, wodurch jedes Jahr Millionen Pilger ins Land strömen. Der Einfluss der Geistlichkeit (Mufti) ist groß, die westlich orientierte Lebensweise von Teilen der Bevölkerung befördert gegensätzliche Tendenzen in der Gesellschaft des Landes. Saudi-Arabien gehört der „Bewegung der blockfreien Staaten“ an und nimmt als einziges arabisches Land an den Treffen der G20 teil. Gegenwärtig wird ein Machtwechsel im Königshaus vorbereitet: Es wird erwartet, dass der alternde König Salman bin Abdulaziz Al Saud demnächst die Macht an seinen Sohn, Kronprinz Mohammed bin Salman bin Abdulaziz Al Saud, übergeben wird. Dieser ist der Verfasser der Reformagenda „Vision 2030“.

Umgang mit Covid-19

Während der Corona-Pandemie ist eine flächendeckende Impfkampagne das Hauptanliegen der Regierung. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2021 mindestens 70% der Bevölkerung geimpft zu haben. Bis Mitte November 2021 wurden bereits 47 Millionen Impfdosen verabreicht, 64% der Bevölkerung waren zu diesem Zeitpunkt vollständig geimpft. Zwar haben die Covid-19-Infektionen in vielen Ländern im Herbst wieder zugenommen, in Saudi-Arabien ist das Infektionsgeschehen seit August jedoch deutlich zurückgegangen. Nachdem die Pandemie im Land im Griff zu sein scheint und sich die Ölpreise auf einem höheren Niveau bewegen, nimmt auch die Wirtschaft wieder Fahrt auf und neue Projekte werden angegangen.

Stärkste arabische Volkswirtschaft

Saudi-Arabien ist die stärkste Volkswirtschaft im arabischen Raum. Wegen seiner Bodenschätze und seiner Ölindustrie ist das Königreich eines der wohlhabendsten Länder der Welt. Mit rund 9,3 Mio Barrel pro Tag (2020) rangiert es unter den Ölproduzenten weltweit an dritter Stelle; es besitzt die zweitgrößten nachgewiesenen Ölreserven. Dank eines BIP von rund 700 Mrd USD (2020) bei einem geschätzten BIP-Wachstum von 2,2% für 2021 kann das Land es sich leisten, seine Bevölkerung mit großzügigen Sozialleistungen zu versorgen, und sichert so politische Stabilität im Innern. Auf den die Wirtschaft dominierenden Erdölexport folgt der Tourismus mit rund 3 Millionen Pilgern jährlich als stärkster Sektor. Grunderzeugnisse der Petrochemie sowie Dünger, Zement, Stahl und Textilien sind wichtige Exportprodukte. Die Landwirtschaft und andere produzierende Sektoren spielen eine untergeordnete Rolle. Seit Anfang 2015, als sinkende Ölpreise den Staatshaushalt erstmals unter Druck brachten, hat Riad die Diversifikation der Wirtschaft verstärkt in den Mittelpunkt gestellt.

„Vision 2030“ soll das Land in die Moderne führen

Mit der Reformagenda „Vision 2030“ will Kronprinz Mohammed bin Salman sein Land in die Moderne führen. Im Wesentlichen bedeutet das, die Abhängigkeit vom Öl zu beenden, die Importe zu reduzieren, die inländische Produktion anzukurbeln und die Wirtschaft insgesamt auf eine breitere Basis zu stellen. Laut Prognosen soll der Anteil des Erdöls an den Exporten von 71% im Jahr 2021 auf 63% im Jahr 2026 sinken. Der Erdölanteil am BIP soll von 20% im Jahr 2020 auf 15,4% im Jahr 2026 sinken.

Bei der Umsetzung der „Vision 2030“ wird die National Investment Strategy (NIS) eine Schlüsselrolle spielen; die vorgesehenen Investitionen bewegen sich in gigantischen Dimensionen. Bereits im März 2021 kündigte der Kronprinz Investitionen in die nationale Wirtschaft in Höhe von 3,3 Bill USD als Teil eines 7,2 Bill USD schweren Gesamtbudgets bis 2030 an. Demnach wird das Investitionspaket aus 1,4 Bill USD bestehen, die aus Initiativen des sog. Shareek-Programms stammen, und 810 Mrd USD aus dem staatlichen Investitionsfonds.

Die weiteren 1,1 Bill USD sollen durch von der NIS geförderte Investitionen generiert werden, von denen rund 540 Mrd USD auf ausländische Direktinvestitionen entfallen. In diesem Rahmen wird auch eine stärkere Beteiligung des Privatsektors an der saudischen Volkswirtschaft gefördert. So ist ein Privatisierungsschub geplant, der Verkehrsinfrastrukturen wie Häfen und Flughäfen sowie staatliche Beteiligungen in den Sektoren Wohnungsbau, Telekommunikation und Industrie betrifft. Zudem werden mit konkreten Quoten Anreize geschaffen, um saudi-arabische Arbeitskräfte, die derzeit noch überproportional im staatlichen Sektor arbeiten, zu einem Wechsel in die Privatwirtschaft zu bewegen.

Zu den ambitionierten Einzelprojekten gehört z.B. die Privatisierung des Entsalzungs- und Kraftwerks „Ras Al-Khair“, seit 2017 die größte Anlage ihrer Art in der Welt. Generell ist ein Umbau des Energiesektors geplant. Saudi-Arabien deckt heute seinen Strombedarf fast ausschließlich mit Öl- und Gaskraftwerken, künftig soll die Stromerzeugung diversifiziert werden. Innerhalb von sechs Jahren sollen erneuerbare Energien, wie etwa die „Dumat Al Jandal Wind Farm“ mit 400 MW Leistung, 10% der Stromerzeugung decken.

Längerfristig setzt das Land auch auf Kernenergie, da zu den Bodenschätzen in Saudi-Arabien uranhaltiges Erz gehört. Daneben soll die Entwicklung des Tourismus vorangetrieben werden. Eines der größten Projekte ist das „Red Sea Project“ an der Westküste, das sich über eine Fläche von rund 10.000 sqmi (ca. 26.000 qkm) erstrecken wird. Die erste Phase des Projekts, zu dem einmal 13 Hotels gehören werden, soll bis Anfang 2023 abgeschlossen sein. Auch die Arbeiten an „Neom – The Land of Future“, einer futuristischen Megastadt im äußersten Nordwesten am Golf von Akaba und an der Küste des Roten Meeres, kommen voran. Die Pläne wurden 2017 in Riad erstmals vorgestellt. Für das Projekt sind Investitionen von insgesamt rund 500 Mrd USD vorgesehen. Die urbane Ansiedelung soll – inklusive der linienförmigen Bandstadt „The Line“ für 1 Million Einwohner – ein Gebiet von der Fläche Mecklenburg-Vorpommerns einnehmen und eine selbstständige Wirtschaftszone mit eigenem Rechts- und Steuersystem werden.

Auslandsinvestitionen gesucht

Saudi-Arabien möchte bis 2030 zu den Top-15-Volkswirtschaften weltweit gehören. Die Regierung hat angekündigt, dass ab Januar 2024 nur noch ausländische Unternehmen, die ihren regionalen Hauptsitz im Königreich haben, für Aufträge staatlicher Stellen infrage kommen. Einige internationale Unternehmen haben bereits signalisiert, Riad als regionalen Standort in Betracht zu ziehen.

ODDO BHF (und ihre Vorgängerorganisation) ist seit mehr als 15 Jahren in der Golfregion aktiv und unterstützt deutsche und europäische Unternehmen durch eigene Mitarbeiter am Golf und durch International-Banking-Experten in der Zentrale in Frankfurt am Main, die regelmäßig in die arabischen Staaten reisen. Die Bank hat insbesondere im Bereich Exportfinanzierung und Assetmanagement einen langen Track-Record. Daher ist ODDO BHF der erste Ansprechpartner für Unternehmen, die über die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen mit Partnern in Saudi-Arabien und der Golfregion an den vielfältigen Investitionsvorhaben teilhaben wollen.

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