Chinas Industrie machte in jüngster Zeit einen grundlegenden Wandel durch. Längst haben sich die Unternehmen der Volksrepublik von der Billigproduktion verabschiedet und bieten auf dem Weltmarkt Qualitätsprodukte und Hightech an. Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und Umweltverträglichkeit stehen im Vordergrund, dies beginnt bereits in der Produktion und Beschaffung. Daher ist es nur passend, dass sich der Industriestandort China auf der HANNOVER MESSE 2012 als Partnerland präsentiert.

Von Dr. Wolfram von Fritsch, Vorsitzender des Vorstands, Deutsche Messe AG

Der Ministerpräsident der Volksrepublik China, Wen Jiabao, eröffnet am 22. April 2012 gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die HANNOVER MESSE. Wen kommt mit einer großen Wirtschafts- und Politikerdelegation zur Messe. Als Veranstalter freuen wir uns außerordentlich über die Zusage von Wen Jiabao. Mit der HANNOVER MESSE nutzt China eine erstklassige Plattform, um den Wandel der Wirtschaft in die weltweite Öffentlichkeit zu tragen und neue Märkte zu erschließen. Schon jetzt hat die Entwicklung der chinesischen Volkswirtschaft dazu geführt, dass China in vielen Spitzentechnologien ein wichtiger Partner der westlichen Industrien geworden ist.

Auf dem zentralen chinesischen Partnerschaftsstand in Halle 6 stellen auf über 1.000 qm 13 große chinesische Industriekonzerne ihre Technologie vor. Ein Schwerpunkt ist die nachhaltige Energieversorgung, einige unserer größten Ausrüster für Stromversorgung präsentieren sich auf unserem Partnerschaftsstand. Außerdem sind mit den First Automotive Works (FAW) und der Shanghai Automo-tive Industry Corporation (SAIC) die beiden großen Automobilverbünde vertreten, welche alternative Antriebe und neue Produktionsverfahren zeigen.

Der Themenschwerpunkt Mobilität ist auf dem chinesischen Partnerschaftsstand, aber auch in weiteren Hallen zu finden. Der stellvertretende Generaldirektor der Industrieabteilung am chinesischen Ministerium für Industrie- und Informationstechnologie (MIIT), Wang Fuchang, erklärte erst vor kurzem, dass nach den neuen Regierungsplänen China umfassende Beiträge zur Forschung und Entwicklung von Kerntechnologien für umweltfreundliche Fahrzeuge aufwenden werde. In seinem Zehnjahresplan für Energieeinsparung und Entwicklung plant China bis 2020 Investitionen von mehr als 100 Mrd CNY (11,4 Mrd EUR) für die Produktion neuer Elektrofahrzeuge, Elektroantriebe und Batterien. China möchte damit zum weltweit größten Hersteller in diesem Segment aufsteigen.

Zu den in Hannover ausstellenden Unternehmen gehören große chinesische Konzerne wie die Energiekonzerne Baiyun Group, CHINT oder NADER, Automatisierer wie SASSIN, Shanghai Techtop oder Julong Motor. Mit dabei sind Hersteller von Elektrofahrzeugen wie SUZHOU LONGER. Außerdem stellen einige Hundert Zulieferer aus, die oft Tausende Beschäftigte haben und enorme Stückzahlen in immer besserer Qualität produzieren.

China hat mit über 1,3 Milliarden Einwohnern mehr als die doppelte Bevölkerungszahl wie die EU. Mit dem enormen Wirtschaftswachstum und der neuen Wirtschaftspolitik wird daher eine Wirtschaftsstrategie für die unterschiedlichen Landesteile immer wichtiger. Deshalb präsentieren sich im Rahmen einer Partnerlandsbeteiligung erstmals verschiedene Regionen.

Das südchinesische Shenzhen (Halle 25) ist das Weltzentrum für die Produktion von Hochleistungsbatterien und Zentrum für Elektromobilität. Die Stadt mit 13 Millionen Einwohnern, die direkt neben Hongkong liegt, verabschiedet sich von der Billigproduktion. Shenzhen ist der Sitz von vielen chinesischen Hightechunternehmen wie dem Telekommunikations- und IT-Konzern Huawei (Halle 15/F34), der jetzt mit eigenen Marken auf den Weltmarkt möchte.

Ein weiterer Sonderstand kommt aus Chongqing (Halle 26), der mit 32 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Stadt der Welt. Dorthin, in das chinesische Binnenland, verlagert sich die industrielle Massenproduktion. Das Wirtschaftswachstum betrug dort im vergangenen Jahr 16%. Die neuen, riesigen Produk-tionscluster haben meist einen hohen Umweltstandard und sind hocheffektiv. In Chinas Westen gibt es noch günstige Fachkräfte, und von dort kommen viele einfache Zulieferteile, aber auch immer mehr komplette Produkte, wie Maschinen und Anlagen.

Für einige deutsche Unternehmen ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt, der weiterhin hohe Zuwachsraten verzeichnet. Dabei wird ein immer höherer Anteil vor Ort in China produziert. Daher nutzen viele Unternehmen die Partnerlandpräsentation, um ihre China-Kompetenz zu zeigen.

Die Lapp Group gestaltete gleich ihren gesamten Stand in Halle 11 C03 unter dem Motto China. Dort fährt unter anderem eine Rennbahn, deren Streckenführung dem Formel-1-Kurs in Schanghai nachempfunden ist. Die Rennfahrzeuge werden von der Unitronic Feldbustechnik von Lapp gesteuert, und eine Reihe weitere Lapp-Technologien ist an diesem Modell im Einsatz zu sehen. Anfang kommenden Jahres möchte Lapp eine neue Produktionsstätte in China in Betrieb nehmen.

Unternehmen wie Epson (Halle 17 C24-4 und D26) präsentieren sich in Hannover zusammen mit ihren chinesischen Tochtergesellschaften. Mit dem gemeinsamen Auftritt der Factory Automation Divisions von Epson Europa und Epson China auf der HANNOVER MESSE will das Unternehmen seine führende Position als globaler Anbieter hochentwickelter Automatisierungslösungen zeigen.

Auch der Elektronikhersteller Weidmüller (Halle 6 J24 und Halle 11 B60) setzt auf China. Das Unternehmen sieht den Markt in China als Chance an, nicht als Bedrohung. Im vergangenen Jahr hat Weidmüller eine eigene Akademie vor Ort gegründet. In der Academy Asia werden unter anderem Fachleute vor Ort geschult und weitergebildet.

Auf der HANNOVER MESSE 2012 steht China in Halle 13 im Mittelpunkt der Außenwirtschaftsplattform Global Business & Markets. Die Deutsch-Chinesische Wirtschaftsvereinigung (DCW) hat dort einen eigenen Themenpavillon mit Dienstleistern und Experten für das China-Geschäft. China und die boomenden Märkte der Schwellenländer stehen in diesem Jahr im Vordergrund, dabei spielen die Themen Markterschließung, Technologiekooperationen und Investitionen eine zentrale Rolle. Konferenzen zur Elektromobilität in Deutschland und China sowie Einkauf in China sind einige der China-Themen des Vortragsprogramms auf der Global Business & Markets. Eine Wirtschaftskonferenz, Fachkonferenzen zu Elektromobilität, zu Elektrotechnik und zu Einkauf sowie eine Investitionskonferenz gehören zu den Höhepunkten der vielen China-bezogenen Veranstaltungen der Messe.

Die Investment Lounge in Halle 13 nutzen Germany Trade und Invest, die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing, sowie verschiedene Bundesländer für die gezielte Ansprache von potentiellen Investoren aus dem Ausland. Die Lounge und ein speziell auf den Empfang von Unternehmerdelegationen ausgelegter VIP-Bereich ermöglichen registrierten Besuchern das persönliche Gespräch mit Regierungsmitgliedern, Unternehmern und Entscheidern aus dem Ausland. Dort sind bereits Delegationen mit Repräsentanten der größten chinesischen Staatsunternehmen angemeldet.

China möchte sich in Hannover als modernes, aufgeschlossenes Land zeigen. Daher sind auch einige große Kulturveranstaltungen und Kunstausstellungen in Hannover zu sehen. So ist in Halle 6 ein Teehaus aufgebaut, in dem unter anderem neue multimediale Kunst aus China zu sehen ist. Das Reich der Mitte nutzt seine Partnerschaftsbeteiligung, um in Europa ein neues China-Bild zu zeigen, das mehr als moderne Technik und eine leistungsfähige Industrie beinhaltet.

Kontakt: info[at]messe.de

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