Die Wirtschaftsregion Westafrika bietet für deutsche Unternehmen attraktive Exportchancen. Ein Hemmnis ist jedoch oftmals die Finanzierung der Exportlieferungen, wenn es sich beim Abnehmer um ein mittelständisches Unternehmen handelt. Als Alternative zur mit bürokratischen Hürden verbundenen Bankfinanzierung in Afrika kann die handelsbasierte Finetrading-Finanzierung in Frage kommen.

Von Dirk Oliver Haller, Vorstandsvorsitzender, DFT Deutsche Finetrading AG

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Während die chinesische Wirtschaft schon früh das Potential afrikanischer Länder als Handelspartner erkannt hat, zeigten sich europäische Unternehmen lange Zeit zurückhaltend bei Exportgeschäften mit afrikanischen Abnehmern. Wenn Exportaktivitäten zu verzeichnen waren, konzentrierten sich diese häufig auf Südafrika oder auf Mittelmeeranrainer wie Marokko, Tunesien, Algerien oder Ägypten. Doch in den vergangenen Jahren haben immer mehr deutsche und europäische Unternehmen die Attraktivität der afrikanischen Märkte entdeckt – so etwa in den Ländern Westafrikas. Die dortige Wirtschaft ist oftmals vielfältig strukturiert. Zwar spielen die in Europa stark wahrgenommenen Branchen der Rohstoffförderung und Nahrungsmittelproduktion eine bedeutende Rolle. Doch angesichts der zunehmenden Modernisierung der westafrikanischen Volkswirtschaften kommt anderen Wirtschaftszweigen eine immer größere Bedeutung zu.

So hat beispielsweise im Senegal der Telekommunikationssektor seine wirtschaftliche Leistung in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt und trägt mittlerweile 10% zum Bruttoinlandsprodukt bei. Die Côte d‘Ivoire (Elfenbeinküste) hat in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern, was sich in den Jahren 2014 und 2015 mit einem Wirtschaftswachstum von jeweils mehr als 8% ausgezahlt hat. Vor allem der private Sektor soll gestärkt und die Abhängigkeit der inländischen Wirtschaft vom Rohstoffexport reduziert werden. „Die Côte d’Ivoire bietet ein großes Potential für Handel und Investitionen“, schreibt das Auswärtige Amt in seinem aktuellen Bericht zur wirtschaftlichen Lage des Landes.

Anstrengungen für die Schaffung eines exportfreundlichen Klimas

Wichtigste Handelspartner der deutschen Wirtschaft sind in Westafrika die Staaten Nigeria und Ghana. Nigeria stellt nach aktuellen Berechnungen die größte Volkswirtschaft Afrikas dar, steht jedoch derzeit aufgrund des niedrigen Rohölpreises und der anhaltenden Terrorakte islamistischer Rebellen im Norden des Landes vor großen sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen. Weniger angespannt ist die Lage in Ghana, das unter anderem mit Abkommen zum Investitionsschutz und zur Vermeidung der Doppelbesteuerung große Anstrengungen unternimmt, um auch für deutsche Unternehmen ein export- und investitionsfreundliches Klima zu schaffen.

Für multinationale Konzerne ist die Aufnahme von Geschäftsbeziehungen mit Partnern in Westafrika aus unterschiedlichen Gründen einfacher als für ein mittelständisches Unternehmen. So stehen oftmals genügend finanzielle Ressourcen für die Gründung einer eigenen Niederlassung in der Region zur Verfügung, und für die Abwicklung der grenzüberschreitenden Geschäfte ist Länderexpertise entweder durch unternehmenseigene Fachabteilungen oder durch enge Kontakte zu Anwaltskanzleien und Beratungsunternehmen mit einschlägiger Erfahrung vorhanden. Auch bei der Finanzierung von Exportgeschäften nach Westafrika können Großunternehmen Vorteile verbuchen, steht ihnen doch meist ein Netzwerk an international aufgestellten Hausbanken zur Verfügung, die auch in westafrikanischen Staaten eigene Niederlassungen unterhalten.

Hemmnisse für Mittelstandsexporte

Deutlich schwerer haben es mittelständische Unternehmen, die Waren an Abnehmer in Westafrika exportieren wollen – insbesondere dann, wenn es sich bei jenen ebenfalls um mittelständische Betriebe handelt. Häufig verfügen solche Unternehmen nicht in ausreichendem Umfang über selbsterwirtschaftete Liquidität, um größere Beschaffungen ausschließlich aus eigenen Mitteln finanzieren zu können. Nicht selten ist jedoch für kleinere und mittelgroße Betriebe in Westafrika der Zugang zu Bankkrediten mit hohen Hürden verbunden. So haben kleinere inländische Kreditinstitute, die eigentlich für die Finanzierung dieser Zielgruppe prädestiniert sind, oft Probleme, die regulatorischen Vorschriften in Bezug auf das Eigenkapital und die Risiken auf der Aktivseite der Bilanz zu erfüllen.

Dies kann dazu führen, dass bei der Finanzierungsvergabe die Anforderungen an die Kreditsicherheiten so hoch sind, dass sie vom Antragsteller nicht erfüllt werden können. Bei den lokalen Niederlassungen der internationalen Großbanken wiederum zählen kleine und mittelgroße Unternehmen längst nicht immer zur Kernzielgruppe. Selbst im Erfolgsfall können Hemmnisse an der Tagesordnung sein – nämlich dann, wenn aufgrund der bürokratischen Hürden bei der Bearbeitung eines Finanzierungsantrags mehrere Wochen oder gar Monate verstreichen, bis eine Zusage erteilt und der Kredit zur Auszahlung freigegeben wird. In solchen Fällen kann es dann vorkommen, dass eine Geschäftsanbahnung allein deshalb scheitert, weil innerhalb eines vertretbaren Zeitraums keine Finanzierungszusage erlangt werden kann.

Schwer einschätzbares ­Zahlungsrisiko

Wenig praktikabel ist für den deutschen Exporteur die Alternative, dem westafrikanischen Abnehmer selbst eine Finanzierung in Form eines längeren Zahlungszieles oder des Erwerbs auf Raten anzubieten. Hierbei würde der Exporteur über Monate hinweg das Ausfallrisiko tragen, das schwer einzuschätzen ist, wenn weder eine verlässliche Bonitätseinstufung des Abnehmers noch eigene Expertise zur Rechtslage bei Zahlungsverzug im Zielland vorhanden sind. Ist für die Exportfinanzierung ein Kredit erforderlich, dürfte sich überdies kaum eine in Deutschland ansässige Bank bereit erklären, Forderungen an einen Kunden in Westafrika als Finanzierungssicherheit zu akzeptieren.

Vor diesem Hintergrund ist es bei Exportgeschäften mit Abnehmern in Westafrika oftmals sinnvoll, einen Finanzierungspartner mit ins Boot zu nehmen, der auf möglichst unkomplizierte Weise eine adäquate Finanzierung arrangieren kann. Als bankenunabhängiges Finanzierungsinstrument kann hier Finetrading in Frage kommen, das anstatt auf einem Kreditgeschäft auf einer Handelstransaktion basiert. Der Finetrader erwirbt die Ware vom Exporteur und veräußert sie direkt an den Abnehmer weiter. Dabei gewährt er dem Abnehmer im Zielland ein langfristiges Zahlungsziel, das maximal sechs Monate – bei der Finanzierung von Investitionsgütern sogar zwölf Monate – betragen kann. Die Rechnung des Lieferanten wird hingegen vom Finetrader sofort beglichen. Gerade bei Handelswaren passt dieses Finanzierungsmodell oft sehr gut, weil dadurch der Abnehmer genügend Zeit bekommt, um mit den aus dem Verkauf der Ware erzielten Umsätzen seine Verbindlichkeiten zurückzuführen.

Finetrading-Linie als flexible Finanzierungsmöglichkeit

Finetrading-Finanzierungen lassen sich nicht nur für einzelne Geschäfte abschließen, sondern können auch ähnlich wie ein Kontokorrentkredit als Finetrading-Linie eingerichtet werden. Innerhalb des vereinbarten Rahmens kann dann der Abnehmer bei einer Bestellung den benötigten Betrag einfach abrufen. Die Bonitätsprüfung und bei einem positiven Resultat die anschließende Einrichtung einer Finetrading-Linie geht im Regelfall innerhalb weniger Tage vonstatten. Auf diese Weise herrscht schnell Klarheit darüber, ob das Geschäft abgewickelt werden kann oder nicht.

In jüngster Vergangenheit konnte die DFT Deutsche Finetrading AG eine steigende Anzahl an Exportfinanzierungen verzeichnen, bei denen die Ware in westafrikanische Länder geliefert wurde. So wurden beispielsweise für einen Importeur von Smartphones und Zubehör im Senegal und für einen in Togo ansässigen Lebensmittelgroßhändler, der Konserven aus Europa einführt, Finetrading-Linien von jeweils umgerechnet rund 50.000 Euro eingerichtet. Das Finanzierungsmodell nützt nicht nur dem Importeur, sondern auch dem exportierenden Unternehmen: Wenn der Finetrader in Deutschland ansässig ist, kann der deutsche Exporteur den Auftrag wie ein Inlandsgeschäft abwickeln – gerade für Mittelständler, die über keine entsprechende Länderexpertise verfügen, ist dies vorteilhaft, weil sie das Know-how des Finetraders beim Warenexport nach Afrika nutzen können.

Kontakt: info@dft-ag.de

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