Die Hannover Fairs International, eine Tochter der Deutschen Messe, veranstaltet am 12. und 13. September 2012 gemeinsam mit der AHK für das südliche Afrika die Konferenz „International Infrastructure & Invest Convention – IIIC“. Diese wird im Rahmen der Messe „Electra Mining Africa“ stattfinden und deutschen Unternehmen die Möglichkeit zur Teilnahme als Aussteller und Sponsoren geben. Matthias Boddenberg erläutert die geplanten Konferenzthemen und die Trends in der Infrastrukturentwicklung des südlichen Afrikas.

Interview mit Matthias Boddenberg, Geschäftsführer der Deutschen Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika

Herr Boddenberg, die geplante zweitägige Konferenz findet im Rahmen der weltweit zweitgrößten Bergbaumesse, der „Electra Mining Africa“, in Johannisburg statt. Was hat die AHK thematisch geplant?

Infrastrukturentwicklung im weitesten Sinn ist das Megathema im südlichen Afrika. Hierzu gehören vor allem die Themengebiete Energie, Wasser und Transport. Auf die Behandlung dieser Themen werden sich die Veranstaltungen im Rahmen der IIIC beziehen. Hinzutreten werden Querschnittsthemen, wie z.B. Finanzierung, Ausbildung und PPPs (Public Private Partnerships).

Der Ausbau der Infrastruktur ist zurzeit ein wichtiger Impulsgeber für das sich abschwächende Wirtschaftswachstum in Südafrika. In welchen Segmenten der ­Infrastrukturbranche sehen Sie zurzeit die besten Lieferchancen für deutsche Unternehmen?

Investitionen in die Infrastruktur Südafrikas sind lange Zeit vernachlässigt worden. Seit 2008 hat sich dies geändert. Die Erkenntnis, dass die ehrgeizigen Wachstumsziele Südafrikas nur bei einer gut entwickelten Infrastruktur erreichbar sind, ist gewachsen und hat dazu geführt, dass die Regierung Südafrikas ein enormes Investitionsprogramm in Angriff genommen hat.

Dieses Programm hat bereits gute Erfolge für deutsche Firmen gebracht, so z.B. im konventionellen Energiebereich beim Bau des Kraftwerks Kusile. Auch im Bereich der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energiequellen, wie z.B. Windenergie, konzentrierter Solarthermie (CSP) und Photovoltaik, sind spürbare Erfolge erzielt worden. Nach für deutsche Unternehmen zwei erfolgreichen Ausschreibungsphasen wird voraussichtlich im August die dritte Phase beginnen, bei der es wieder um ca. 1.100 MW geht.

Energie ist aber bei weitem nicht das einzige Feld, auf dem deutsche Unternehmen erfolgreich sind. Weitere Bereiche sind Wasser, Bergbau, Informations- und Kommunikationstechnik (ICT) und natürlich der große Bereich der Logistik. Es geht aber nicht nur um Liefergeschäft, sondern um nachhaltige Kooperationen und Partnerschaften zwischen deutschen und südafrikanischen Firmen. Diese Partnerschaften können dann auch bei den Infrastrukturprogrammen in den Nachbarländern des südlichen Afrikas erfolgreich sein.

Können Sie aktuelle Beispiele nennen für deutsche Produkte, die sich zurzeit einer lebhaften Nachfrage in Südafrika erfreuen, und für deutsche Unternehmen, die den Markteinstieg erfolgreich meistern?

Deutsche Qualitätsprodukte erfreuen sich in Südafrika großer Beliebtheit. Ob es sich um die Autos von Audi, BMW, Mercedes, Porsche und Volkswagen handelt oder um Erzeugnisse aus dem Maschinen- und Anlagenbau: Deutsche Qualität ist gefragt. Beim Bau des „Gautrain“, eines Teils des neu geschaffenen öffentlichen Nahverkehrssystems, hat die Tunnelbohrmaschine der Firma Herrenknecht eine wesentliche Rolle gespielt und große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gleiches gilt für die Straßenbaumaschinen der Firma Wirthgen. Beispiele hierfür gibt es viele. Im Kraftwerksbereich sind die Firmen PDNA ThyssenKrupp Uhde, GEA und BilfingerBerger Power Holdings eingeführte erfolgreiche Namen. Bei den erneuerbaren Energien spielen beispielsweise Juwi, Solarworld, SMA und Nordex eine große Rolle. Die letztgenannten Firmen sind erst seit kurzer Zeit im Markt vertreten. Die Liste der Beispiele lässt sich fortsetzen. Dass es sich dabei um eine gute Mischung aus mittleren und großen Firmen handelt, ist eines der Erfolgsrezepte deutscher Unternehmen.

Welche Rolle spielt Südafrika für die Erschließung anderer Märkte in der Region südliches Afrika?

Südafrika ist das Tor zu den Ländern des südlichen Afrikas. Das hat eine Reihe von Gründen. So erleichtert Englisch als Geschäftssprache den Einstieg. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen sind für deutsche Unternehmen nicht fremd. Die Logistikindustrie, mit einer Reihe von Vertretern deutscher Logistikfirmen, ist gut aufgestellt und bedient die Länder des südlichen Afrikas aus Südafrika heraus. Die Region SADC (Southern African Development Community) wächst schrittweise zusammen. Deutsche Firmen wachsen gemeinsam mit ihren südafrikanischen Partnern in die Region hinein und machen damit Südafrika zum „Gateway“ in das südliche Afrika.

Wie stellt sich die Konkurrenz insbesondere im Bereich Infrastruktur aus den BRIC-Ländern (insbesondere aus China, Indien und Brasilien) dar? Wie gut behaupten sich deutsche Unternehmen in diesem Umfeld?

Chinesische und indische Firmen sind in nahezu allen Ländern des südlichen Afrikas vertreten und spielen eine immer wichtigere Rolle. Vergleichbares gilt für brasilianische Firmen in den portugiesischsprachigen Ländern Angola und Mosambik. Die Rohstoffsicherung ist dabei insbesondere für China und Indien fast immer der Ansatzpunkt. Das Engagement dieser zum Teil in Staatseigentum befindlichen Firmen beschränkt sich aber nicht darauf, sondern setzt sich in konkreten Infrastrukturmaßnahmen fort. Beispiele sind der neue Flughafen in Maputo, der Hafenausbau im Norden von Mosambik oder die Straßenbaumaßnahmen in vielen Ländern des südlichen Afrikas.

Die Mischung aus politisch-strategischen Motiven und handfesten finanziellen Unterstützungsleistungen (vor allem aus China heraus) macht das Geschäft für deutsche Unternehmen schwierig. Trotzdem behaupten sich deutsche Firmen in den Nachbarländern Südafrikas, unter anderem auch wegen des partnerschaft­lichen Ansatzes, des transparenten Geschäftsverhaltens, des Angebotes des Know-how-Transfers und Ausbildungsangeboten. Hieraus entwickeln sich nachhaltige Geschäftsbeziehungen. Es könnte aber mehr getan werden, um deutsche Unternehmen beim Einstieg und der ­Vertiefung der Geschäftsbeziehungen zu unterstützen.

Wie schätzen Sie die Möglichkeiten für kleinere Unternehmen ein, sich den südafrikanischen Markt zu erschließen? Auf welche Hauptrisiken müssen sie sich einstellen? Was sind Ihre Empfehlungen?

Kleinere und mittlere deutsche Unternehmen haben auf dem südafrikanischen Markt durchaus gute Chancen. Entscheidend ist der „richtige“ Einstieg in den Markt. Das bedeutet, dass der Markt zunächst einmal erkundet und bewertet wird, bevor die Entscheidung bezüglich der ersten Schritte getroffen wird. Die Wahl des Geschäftspartners, sei es als Importeur, Handelsvertreter oder bei einem Joint Venture, muss sorgfältig vorbereitet werden. Die AHK Südliches Afrika und ihre Partner sind gerne bereit, aktive Hilfestellung zu leisten und mit ihren Dienstleistungen zum Erfolg des Engagements beizutragen. Bürokratie und Ineffizienz sind nicht unerhebliche Hürden, die gerade kleinen Unternehmen Schwierigkeiten bereiten. Das reicht von der Beantragung einer Umsatzsteuernummer bis hin zum Telefonanschluss oder einer Internetverbindung. Auch im Arbeitsrecht gibt es Herausforderungen.

Textkasten: Weitere Informationen:

Kontakt: mboddenberg[at]germanchamber.co.za

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