Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und beschleunigt durch die EU-Osterweiterung legten die neuen EU-Länder in den folgenden Jahren einen rasanten ­Aufschwung hin. Es war zu erwarten, dass diese Entwicklung nicht geradlinig verlaufen würde. So zeigt der neueste Coface Insolvenz-Monitor Zentraleuropa: Die Insolvenzen steigen aufgrund schwacher wirtschaftlicher ­Rahmenbedingungen. Ein höheres Wachstum könnte diesen Trend 2014 jedoch wieder drehen.

Von Dr. Dirk Bröckelmann, Economic Research, Coface, Niederlassung in Deutschland

Die Insolvenzzahlen in Mittel- und Ost­europa erhöhen sich bereits seit einigen Jahren. Das Rekordjahr 2012 wurde 2013 noch einmal getoppt. Dabei gehören die schwierigen Länder Weißrussland, Ukrai-ne und Russland nicht einmal zum abgesteckten Raum der Untersuchung. Hauptursachen sind die schwache Konjunktur in der Euro-Zone, dem wichtigsten Absatzmarkt für mittel- und osteuropäische ­Länder, und steuerliche Maßnahmen. Während die Branchen IT, Bildung und Gesundheitswesen recht gut dastehen, leiden besonders das Bauwesen sowie der Groß- und Einzelhandel.

Die Unternehmen in Mittel- und Osteuropa standen 2013 vor einem schwierigen Jahr: Die ohnehin schwache Wirtschaftslage verschlechterte sich, und der private Konsum ging aufgrund steuerlicher Maßnahmen zurück, die die steigenden staatlichen Haushaltsdefizite bekämpfen sollten. Der Zugang zu Krediten wurde weiter eingeschränkt. Aufgrund dieser Faktoren revidierten die Unternehmen ihre Absatzziele nach unten. Die Exporte, erwartete Haupttreiber für das BIP-Wachstum, sanken durch die wirtschaftliche Verlang­samung des Haupthandelspartners Euro-Zone.

Die wirtschaftliche Situation spiegelte sich in einer hohen Zahl insolventer Unternehmen wider: In fast allen MOE-Ländern, außer in Ungarn, stiegen 2013 die Insolvenzen um durchschnittlich 9% an. Für Bulgarien verlief das vergangene Jahr besonders schlecht mit einem Anstieg der Insolvenzen um 39%. Das kann auf den Rückgang bei der Nachfrage, den schwierigen Zugang zu Krediten und die fehlenden Maßnahmen zur Ankurbelung der Geschäftsaktivitäten zurückgeführt werden. Die Tschechische Republik ist mit ihrer starken Abhängigkeit von Exporten in die hochentwickelten EU-Länder ein sehr gutes Beispiel für das Dilemma: Das Land ist seit zwei Jahren in der Rezession und verzeichnete einen dramatischen Anstieg der Insolvenzen um 26% im Jahr 2012 und um 32% 2013. Lettland zeigt hingegen ein erfreuliches Bild mit einem Rückgang der Insolvenzen um 7% 2013.

Der Bausektor bleibt ein Schwachpunkt in Mittel- und Osteuropa. Die schon länger schlechten Ergebnisse haben sich auch 2013 nicht verbessert. Das beeinflusste durch den „Dominoeffekt“ auch weitere, abhängige Sektoren: zum Beispiel Produzenten von Metallwaren, Maschinen und anderen Geräten für die Bauindustrie.

Auch für die Zukunft können keine Verbesserungen erwartet werden. Der Zufluss von EU-Mitteln aus dem neuen Budget für 2014 bis 2020 wird die finanzielle Situation der Unternehmen frühestens Ende 2014 verbessern. Zusätzlich zögern Unternehmen noch mit Anlageinvestitionen, da sie vom definitiven Ende der schwachen Konjunktur nicht überzeugt sind.

Die Konjunkturaussichten zu Beginn des Jahres 2014 sind insgesamt aber etwas positiver als noch 2013. Coface erwartet, dass sich das durchschnittliche Wirtschaftswachstum der mittel- und osteuropäischen Länder von 1,2% im Jahr 2013 auf 2,4% steigern wird. Vor allem die baltischen Republiken Lettland (3,8%) und Litauen (3,0%) werden diese Verbesserungen neben Polen (3,2%) vorantreiben. Auch in anderen Ländern Mittel- und Osteuropas wird sich das Wirtschaftswachstum, verglichen mit 2013, erhöhen. Die Hauptgründe für die positive Entwicklung werden die wachsenden Exporte und der erhöhte private Konsum sein. Bei diesen positiven wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sollte es Unternehmen wieder leichter fallen, wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen und vermehrt Investitionen zu tätigen.

Es wird jedoch eine Zeit dauern, bis die ersten finanziellen Ergebnisse zu sehen sind. Während Polen und Lettland wohl einen Rückgang der Insolvenzen bis zum Jahresende 2014 verzeichnen können, werden in anderen Ländern die Verfahren zunehmen. Die Tschechische Republik, Ungarn, Rumänien sowie Kroatien und Slowenien müssen 2014 mit der stärksten Zunahme bei den Insolvenzen rechnen.

Kontakt: dirk.broeckelmann[at]coface.de

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