Forderungen aus Lieferungen und Leistungen an Geschäftskunden sind nicht nur von Zahlungsausfällen infolge von Insolvenzen bedroht. Auch Zahlungsverzögerungen können die eigene Liquidität existentiell belasten. Die engmaschige Überwachung des Zahlungs­verhaltens mit Hilfe aussagekräftiger Abnehmerinformationen ist daher ratsam, so das Fazit des jüngsten Atradius Zahlungsmoralbarometers für Osteuropa.

Von Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa, Atradius Kreditversicherung

Mit dem Zahlungsmoralbarometer fragt Atradius regelmäßig die Zahlungserfahrungen im Firmen­kundengeschäft ab. Aktuell wurden über 3.800 Unternehmen aus 18 Ländern europaweit befragt – darunter die Tschechische Republik, Ungarn, Polen und die ­Slowakische Republik. Dabei identifizierten die Unternehmen in Osteuropa als größte Herausforderungen für ihre Profitabilität die Aufrechterhaltung eines adäquaten Cashflows (41,7%) vor der rückläufigen Nachfrage (31,9%) und dem Eintreiben ausstehender Forderungen (17,8%).

Fast ein Drittel der Forderungen in Osteuropa steht auch nach dem Fälligkeitstag aus. Das Risiko von Zahlungsausfällen ist weiterhin hoch, was wiederum einen negativen Einfluss auf die Liquidität der Lieferanten hat. 58,6% der für die Studie befragten osteuropäischen Unternehmen geben als Hauptgrund für verspätete Zahlungseingänge im Inland fehlende Liquidität ihrer Kunden an. Bei Forderungen gegenüber ausländischen Abnehmern haben 37,5% mit Liquiditätsengpässen zu kämpfen. 41,7% der osteuropäischen Befragten sehen es als größte Herausforderung in diesem Jahr, einen stabilen Cashflow zu wahren. In Westeuropa teilen nur 29,6% der befragten Firmen diese Sorge. In der Slowakischen Republik nutzen Abnehmer Zahlungsverzögerungen sogar als Finanzierungsinstrument.

Nachdem die Zahlungsausfälle in Osteuropa 2013 noch bei 3% lagen, sind die Totalausfälle im aktuellen Befragungszeitraum auf 1,2% gesunken. Dagegen hatten insbesondere slowakische Unternehmen mit überfälligen Rechnungen zu kämpfen. Die befragten Firmen aus der Tschechischen Republik meldeten die meisten Zahlungsausfälle unter allen Studienteilnehmern in Osteuropa. 3,5% der Forderungen sind nach 90 Tagen laut den Befragten noch immer offen. 31,9% der Forderungen werden in Osteuropa erst nach dem Fälligkeitsdatum beglichen. Zum Vergleich: In Westeuropa standen 37,6% der Forderungen gegenüber Firmenkunden nach dem Fälligkeitstag noch aus, 3,5% waren nach 90 Tagen noch überfällig, und 1,7% konnten nur noch als Verlust verbucht werden.

Diese und weitere Ergebnisse lesen Sie im Zahlungsmoralbarometer Osteuropa. Auf www.atradius.de stehen der Gesamtbericht sowie Länderauswertungen für die Tschechische Republik, Polen, Ungarn und die Slowakische Republik – alle in englischer Sprache – zum kostenfreien Download bereit. Dort finden Sie ebenfalls die Ergebnisse für Westeuropa.

Kontakt: thomas.langen[at]atradius.com

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