Der Streit um höhere Zölle auf Kraftfahrzeuge geht in die nächste Runde. Die USA haben eine parallele Zollsenkung auf Null ins Spiel gebracht. Denn: Wenn importierte Autoteile teurer werden, schadet dies der Wettbewerbsfähigkeit. Standorte müssten dann in Frage gestellt werden – siehe Harley-Davidson. Die Folge: Disruption.

US-Präsident Trump will importierte Kraftfahrzeuge mit 20% Zoll belasten. Dadurch soll ein vermeintlicher Wettbewerbsnachteil einheimischer Autobauer ausgeglichen werden. Doch deren Rechnung geht anders: Wenn importierte Autoteile teurer werden, schadet dies der Wettbewerbsfähigkeit. Standorte müssten dann in Frage gestellt werden – siehe Harley-Davidson. Die Folge: Disruption. Und wenn die Handelspartner ihrerseits die Zölle erhöhen, wird der Absatz im Ausland schwieriger. Ein Ausweg ist, die Zölle beidseitig auf Null zu setzen. Derzeit erheben die USA einen Zoll von 2,5% und die EU einen von 10%. Allerdings belasten die USA die beliebten SUVs als Kleinlastwagen mit 25%.

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Einzelabsprachen schwächen Welthandelsordnung

Den Schutz der deutschen Automobilindustrie vor einen Handelskonflikt forderte die Wirtschaftsministerin Baden-Württembergs, Nicole Hoffmeister-Kraut, in ihrer Eröffnungsansprache auf der Außenwirtschaftsmesse Global Connect. In Gesprächen mit Unternehmern und Politikern in den USA kam ein Zollabkommen auf der Basis der bereits verhandelten TTIP-Vereinbarungen gut an. Auch die von US-Botschafter Richard Grenell ins Spiel gebrachte Senkung der Autozölle auf Null geht in diese Richtung. Die EU sieht eine Senkung der Autozölle kritisch, da sie entsprechend der Meistbegünstigungsklausel auch für alle anderen Handelspartner gelten würde.

USA bleiben bevorzugter Partner

Hoffmeister-Kraut betonte in Stuttgart zugleich, dass an der Zusammenarbeit mit den USA kein Weg vorbeiführe. China und Russland seien als Partner nicht geeignet, man müsse seine Technologie vor China schützen. Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer sprach in der Eröffnungsdiskussion der Global Connect von einer neuen Weltordnung, in der Europa seinen Platz finden müsse. Man müsse mehr für Verteidigung ausgeben. Nicht weil Donald Trump dies fordere, sondern um in der Welt noch eine Rolle spielen zu können. Frank Sportolari, Präsident der AmCham Germany, empfahl ebenfalls eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben, um Trump bei den Autozöllen entgegenzukommen. Der transatlantische Warenhandel sei ohnehin nur ein Teil der Zusammenarbeit. So verzeichne die USA unter Einrechnung von Dienstleistungen und Primäreinkommen einen Überschuss gegenüber der EU. Zudem seien in Zukunft digitale Angebote wichtiger, bei denen die USA und China die Nase vorne hätten. Fischer fragte nach der Sinnhaftigkeit der Politik Trumps, die Europa in die Arme Chinas treibe.

 

 

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