Die Exportmanager deutscher Automobilhersteller haben aktuell einige Rechenarbeit zu leisten. Welche Auswirkungen hätte ein Zollsatz von 25% auf den Absatz in den USA und welche neuen Verkaufserfolge würde eine Absenkung des chinesischen Zollsatzes von 25% auf 15% ermöglichen?

Die Exportmanager deutscher Automobilhersteller haben aktuell einige Rechenarbeit zu leisten. Welche Auswirkungen hätte ein Zollsatz von 25% auf den Absatz in den USA und welche neuen Verkaufserfolge würde eine Absenkung des chinesischen Zollsatzes von 25% auf 15% ermöglichen? Doch halt: Im Konzern wird auch darüber nachgedacht, wie sich die geänderten Zollsätze auf die Produktion in den weltweiten Standorten auswirken würden. Für die beliebten SUVs gilt in den USA bereits jetzt ein Zollsatz von 25%. Daher bauen deutsche Hersteller diese Modelle ohnehin vor Ort. Andere Modelle könnten nun folgen. Doch das Spiel mit Zöllen ist nur eine Variante des großen Pokerspiels, das deutsche Exporteure gerade zu seinem Spielball macht.

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Außenwirtschaft schwarz-weiß

Die USA benutzt ihre Handelspolitik zunehmend als Druckmittel der internationalen Politik. Insbesondere gegenüber Russland und Iran gilt: Wer dort im Einklang mit EU-Recht US-Sanktionen unterläuft, setzt die Geschäftsmöglichkeiten in den USA aufs Spiel. Auch Saudi-Arabien bedient sich des Handels, um Deutschland zu politischem Wohlverhalten zu bewegen. Im Fahrwasser des amerikanischen Präsidenten den Handel als Waffe einzusetzen, könnte auch in anderen Ländern Schule machen. Die Weltwirtschaft würde im Extremfall in zwei Lager gespalten: Trumps Partner, die einen Deal mit ihm machen konnten, und der Rest der Welt, der keinen Zugang zum US-Markt und zum US-Dollar mehr bekommt.

Seide oder Silizium?

Für Atlantiker dürfte die Wahl einfach zu treffen sein: Übernahme der US-Sanktionen und harte Verhandlungen mit jedem einzelnen Handelspartner. Insbesondere China muss für den Zugang zum europäischen Markt bezahlen. Technologietransfer wird mit hohen Lizenzzahlungen verbunden oder ganz verwehrt. Die technologische Zusammenarbeit konzentriert sich auf das Silicon Valley. Die Befürworter einer intensiveren Zusammenarbeit mit Asien könnten dagegen die dortigen Marktchancen hervorheben, die weit über die eines atlantischen Wirtschaftsraums hinausgehen. So baut China nicht nur eine neue Seidenstraße zwischen Asien und Europa, sondern spielt auch eine bedeutende Rolle in Afrika.

Exporteure im Risiko

In einer zugespitzten politischen Situation hilft eine sachliche, regelbasierte Geschäftspolitik. Nach einigen Jahren wachsender Exporte könnte nun eine Durststrecke folgen und manche Geschäftsbeziehungen dürften leiden. Doch auf lange Sicht kommt das Geschäft zurück – schon weil die derzeitigen Umbrüche keinem langfristigen Plan zu folgen scheinen.

 

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