Das Coronavirus hat Südafrika fest im Griff. Das Land weist Anfang Juli mit mehr als 2 Millionen die höchste Infektionszahl auf dem afrikanischen Kontinent auf. Und die Fallzahlen steigen aktuell wieder in einer dritten Welle.

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Die südafrikanische Regierung hat angesichts der zunehmenden Infektionsgefahr die zweithöchste Alarmstufe ausgerufen und die Beschränkungen verschärft. Zusammenkünfte und Restaurantbesuche sind untersagt, es gilt ein Verkaufsverbot für Alkohol und eine nächtliche Ausgangssperre. Das trifft erneut den Dienstleistungssektor, insbesondere das Gastgewerbe. Dagegen konnte sich die Industrie im ersten Halbjahr deutlich erholen.

Wirtschaftsleistung deutlich verringert

Die Corona-Krise schlägt sich vor allem im privaten Konsum und den Investitionen nieder. Industrie, Bau, Transport und Gastgewerbe litten im vergangenen Jahr stark unter den Einschränkungen. 2020 sank das reale BIP um 7,0% gegenüber dem Vorjahr. Für das erste Quartal 2021 meldet das Statistikamt einen Rückgang um 3,2% zum Vorjahr. Vor allem die Investitionen gaben weiter nach (–13,0%), die Waren- und Dienstleistungsexporte sanken preisbereinigt um 3,7% und die Importe um 2,7%. Für den Privatkonsum wurde ein Minus von 0,9% ermittelt.

In den einzelnen Sektoren war das Bild im ersten Quartal 2021 gemischt: Der Bausektor schrumpfte um 17,5%, Transport, Lagerung und Kommunikation um 11,5%, Finanzdienstleistungen um 5,3%, Handel und Gastgewerbe um 3,8%. In der verarbeitenden Industrie betrug der Rückgang noch 1,1%. Landwirtschaft (+7,5%) und Bergbau (+3,5%) konnten dagegen gegenüber dem ersten Quartal 2020 zulegen. Im zweiten Quartal dürften deutliche Zuwächse gegenüber dem reduzierten Vergleichsniveau erzielt worden sein. Im Gesamtjahr dürfte die Wirtschaft nach der aktuellen Prognose des Internationalen Währungsfonds um 3,1% wachsen.

Ausländische Investitionen deutlich gesunken

Einen bedeutenden Schub erhält die südafrikanische Wirtschaft von der Fahrzeugproduktion und den Investitionen ausländischer Hersteller. Auch einige deutsche Hersteller sind vor Ort aktiv und exportieren die hergestellten Fahrzeuge zumeist. Weitere Projekte wurden u.a. im Infrastrukturbereich umgesetzt. Die Investoren stammen aus China, dem arabischen Raum und Europa. 2020 verbuchte Südafrika laut UNCTAD allerdings einen Rückgang der Direktinvestitionen auf 3,1 Mrd USD, das waren 39% weniger als im Vorjahr. Neben der Pandemie belasten auch die anhaltende Korruption und die geplante Landreform das Investitionsklima.

Grenzüberschreitende Fusionen und Übernahmen in Südafrika gingen laut UNCTAD deutlich zurück (um 52% auf 2,2 Mrd USD), machten aber immer noch einen großen Teil der gesamten Zuflüsse aus. Die größte Investition, die 2020 realisiert wurde, war die Übernahme von Pioneer Foods durch PepsiCo, nachdem das südafrikanische Wettbewerbsgericht den Deal genehmigt hatte. Die Übernahme, die 2019 angekündigt wurde, hat einen Wert von 1,7 Mrd USD, der über mehrere Jahre ausgezahlt werden soll.

Deutsche Exporte verdoppeln sich

Die Eintrübung der Konjunktur und die Auswirkungen der Pandemie haben auch den deutschen Handel mit Südafrika stark beeinträchtigt. Für das Jahr 2020 wurde ein Rückgang der deutschen Exporte nach Südafrika um 29,0% ermittelt. Im ersten Quartal 2021 setzte sich die Verringerung der Lieferungen fort, die deutschen Exporte sanken um 4,5%. Im April 2021 stiegen sie dagegen um 107,2% und der Aufschwung setzte sich im Mai mit einem Zuwachs von 88,7% fort. In den ersten fünf Monaten 2021 lag das Plus bei 18,4%.

Deutschland liefert vor allem Kraftfahrzeuge nach Südafrika. Ihr Anteil lag in den ersten vier Monaten 2021 bei 22,8%, gefolgt von Maschinen (19,7%) und Elektrotechnik (10,1%). Auf anorganische chemische Erzeugnisse entfielen 8,2%. Dort wurde ein starker Zuwachs von 60,1% erzielt. Bei Kraftfahrzeugen betrug das Plus 11,0% und Maschinen legten noch 3,2% gegenüber den ersten vier Monaten 2020 zu. Lediglich bei elektrotechnischen Erzeugnissen ergab sich unter den führenden Exportwaren ein Minus von 4,0%.

Importe nehmen teils kräftig zu

Auf der Importseite war die Entwicklung weniger drastisch. 2020 gingen die deutschen Importe aus Südafrika um 11,3% zurück. Bereits im ersten Quartal 2021 stiegen die Bezüge aus Südafrika um 27,5% an. Im April 2021 erhöhten sie sich sogar um 86,1% zum Vorjahr und für Mai wurde ein Zuwachs von 243,1% gemeldet. Für die ersten fünf Monate 2021 bedeutet dies ein Plus von 59,1%.

Schwergewichte unter den Importen waren in den ersten vier Monaten 2021 Erze, Schlacken und Aschen mit einem Anteil von 30,0% sowie Perlen, Edelsteine und Edelmetalle mit 29,5%. Die Zuwachsraten dieser Warengruppen waren mit 137,8% bzw. 136,3% gegenüber den ersten vier Monaten 2020 zudem außerordentlich hoch. Die Einfuhr von Kraftfahrzeugen und Landfahrzeugen hatte einen Anteil von 19,0%, ging jedoch um 24,9% zurück. Maschinen hatten einen Anteil von 10,9%, ihr Import erhöhte sich um 50,4%.

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