Mit einer Fläche von 408.752 km² und einer Bevölkerung von rund 7,2 Millionen Menschen ist Paraguay unscheinbar. Die Energie-, Agrar- und Forstwirtschaft bilden, neben einer immer stärker werdenden Industrie entlang der Grenze nach Brasilien, das Rückgrat der paraguayischen Volkswirtschaft. Das Land entwickelt sich zu einem sehr interessanten Investitions- und Handelspartner.

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Paraguay besticht durch seine junge und arbeitshungrige Bevölkerung, die sehr stark durch europäische Einwanderer beeinflusst ist. Spanische, italienische und vor allem auch deutsche Einflüsse sind im Land sehr stark spürbar. Insbesondere der Chaco, eine dünn besiedelte Region im Westen Paraguays, ist deutsch geprägt, was man in den dortigen land- und forstwirtschaftlichen Strukturen erkennen kann.

Diese kulturelle Nähe zu Europa macht Paraguay für deutsche Investoren sehr interessant. Insbesondere bietet die Mitgliedschaft des Landes in dem 1991 in Asunción gegründeten südamerikanischen Wirtschaftsblock Mercado Comun del Sur („Mercosur“) potenziellen Zugang zu einem Binnenmarkt von mehr als 300 Millionen Menschen mit einem gemeinsamen BIP von mehr als 3 Bill USD und einer Fläche von ca. 72% Südamerikas.

Stabil durch die Coronakrise

Paraguays wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen 20 Jahre unterlag gewissen Schwankungen, war jedoch insgesamt sehr positiv. In den Jahren 2013 bis 2018 erreichte Paraguay ein solides Wirtschaftswachstum von jährlich rund 4%. Erfreulicherweise hat sich die Zahl der Menschen, die in Armut leben, seit 2002 halbiert, und die Ratingagenturen haben das Land in der Zwischenzeit besser eingestuft als den großen Nachbarn Brasilien.

Im Jahr 2019 stagnierte die Wirtschaft. Die Gründe dafür waren schwache Ernten aufgrund widriger Wetterbedingungen sowie ein Nachfrageeinbruch in Argentinien und Brasilien, den wichtigsten Handelspartnern des Landes. Im vergangenen Jahr schrumpfte die Wirtschaft wegen der Corona-Pandemie um 1%. Allerdings hat sie sich beachtlich schnell wieder erholt: So wird bereits für dieses Jahr von den Experten des IWF erwartet, dass Paraguay an die Wachstumsraten der Vor-Corona-Zeit anknüpft und sich die Wirtschaftskraft abermals um ca. 4% steigern wird.

Agrar-, Forst- und Energiesektor als Pfeiler der Wirtschaft

Die wichtigsten Pfeiler der paraguayischen Wirtschaft sind die Land- und Forstwirtschaft sowie die Hydroenergie. Die genannten Wirtschaftssektoren sind stark von den vorherrschenden klimatischen Bedingungen abhängig. Schlechte Wetterbedingungen wirken sich unmittelbar auf die wirtschaftliche Leistung des Landes aus.

Landwirtschaftliche Produkte, dabei vor allem Sojabohnen und Rindfleisch, machen ungefähr 50% der Exporterlöse des Landes aus. Nachdem der erste weltweite Schock der Corona-Krise im vergangenen Jahr überwunden war, verhalf die starke Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten Paraguay zu einer raschen Konjunkturerholung. Für die Forstwirtschaft ist insbesondere die Gran-Chaco-Waldfläche von Bedeutung. Sie ist nach dem Amazonas die zweitgrößte Waldfläche Südamerikas und erstreckt sich von Argentinien über Paraguay bis nach Bolivien und Brasilien.

Die Hydroenergie als weiteres wichtiges Exportgut des Landes erwirtschaftete im Jahr 2020 etwa 16% der Exporterlöse. Insbesondere die binationalen Wasserkraftwerk Itaipú – das Brasilien und Paraguay beliefert – und Yacyreta – das Argentinien und Paraguay versorgt – sind von enormer politischer und vor allen Dingen wirtschaftlicher Bedeutung für das Land. Das Itaipú-Kraftwerk, als eines der weltweit größten Wasserkraftwerke überhaupt, deckt allein beachtliche 90% des Energiebedarfs der 7,2 Millionen Einwohner Paraguays und darüber hinaus etwa 17% des Energiebedarfs des 211-Millionen-Einwohner-Staates Brasilien ab. Zudem nimmt Paraguay nur durch dieses Kraftwerk jährlich etwa 345 Mio USD ein.

Großes Potenzial für deutschen Außenhandel

Der deutsche Außenhandel mit Paraguay ist aus paraguayischer Sicht zurzeit defizitär. Für deutsche Exporteure ergeben sich Chancen im Bereich von Maschinen sowie von chemischen Erzeugnissen (z.B. Dünger), im Bereich der Land- und Forstwirtschaft, aber auch bei Projekten der Energieerzeugung und Energiedistribution, Stichwort Wasserkraft, und daraus folgend grüner Wasserstoff. Die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur führen darüber hinaus zu Chancen im Ausbau des Straßen- und des Schienenverkehrssystems.

Steigende Bedeutung als Werkhalle deutscher Unternehmen in Südamerika

Zunehmend wird Paraguay auch von deutschen Unternehmen als Werkhalle für das Südamerika-Geschäft angesehen, so wie es bereits für viele brasilianische Unternehmen (zum großen Teil auch mit deutschem Hintergrund) bereits gelebte Realität ist. Insbesondere die Produktionsstätten internationaler Unternehmen aus dem Anlagen- und Maschinenbau ziehen weitere Zulieferunternehmen ins Land. Eine gute logistische Anbindung, gut ausgebildete Arbeitskräfte, eine junge Bevölkerungsstruktur und die Zugehörigkeit Paraguays zum Mercosur-Wirtschaftsblock machen Investitionen im Land attraktiv.

Auch auf politischer Ebene wird vermehrt an Partnerschaften und Kooperationen gearbeitet, was sich nach einer Normalisierung der weltweiten Covid-19 Pandemie-Lage noch intensivieren wird. Deutschstämmige Wirtschaftsunternehmen führen in enger Kooperation mit der deutschen Auslandshandelskammer ein duales Ausbildungssystem in Paraguay ein, das sich eng am deutschen Modell orientiert.

Deutsche AHK erleichtert Markteinstieg und stellt Kontakte zu potenziellen Partnern her

Die Präsenz vor allem deutscher Unternehmen in Paraguay zu erhöhen ist das Ziel der deutschen Auslandshandelskammer (AHK), die in Asunción aktiv ist und über ein engmaschiges Netzwerk verfügt. Sie veranstaltet z.B. Investitionsforen, in denen sich Unternehmen informieren und zu aktuellen Projekten austauschen können.

Konkrete Investitionen internationaler Unternehmen betreffen neben den oben genannten Projekten auch den Bereich erneuerbarer Energien und den Aufbau einer Produktion zur Lebensmittelweiterverarbeitung, basierend auf einem starken landwirtschaftlichen Sektor.

ODDO BHF: ein starker Partner für Geschäfte und Geschäftsanbahnung in Paraguay

Aufgrund der geschilderten Faktoren, einer sehr wettbewerbsfähigen Agrar-, Forst- und Energiewirtschaft sowie der wirtschaftlichen Diversifizierung kann davon ausgegangen werden, dass Paraguay als Investitions- und Handelspartner in Zukunft an Attraktivität gewinnen und seinen Einfluss im lateinamerikanischen Wirtschaftsraum steigern wird.

ODDO BHF verfügt über zahlreiche Kooperationspartner im paraguayischen Bankensektor und in der Wirtschaft, Vor-Ort-Erfahrung, Zugänge zu laufenden Projekten sowie gute Beziehungen zur deutschen Auslandshandelskammer in Asunción. Damit bietet die deutsch-französische Privatbank kompetente Unterstützung für Investoren und exportorientierte Unternehmen, die Chancen und Risiken in dem wirtschaftlich aufstrebenden Land im Herzen Lateinamerikas sondieren möchten.

ingo.tuchnitz@oddo-bhf.com

christiane.nesselrode@oddo-bhf.com

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