In diesem Beitrag werden wichtige afrikanische Märkte detaillierter untersucht – und ihre Besonderheiten, Herausforderungen sowie Chancen analysiert. Dabei gibt es zwischen einzelnen Ländern große Unterschiede.

Die Welt war gerade auf dem Weg, sich von den negativen Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Versorgungsketten zu erholen, und steht nun vor einer Sicherheitskrise mit ähnlich negativen Effekten: dem militärischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Bereits davor war eine beginnende Inflation festzustellen. Diese ist seit dem Beginn des festgefahrenen Konflikts im ersten Quartal dieses Jahres weiter gestiegen.

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Allen voran in den Volkswirtschaften des afrikanischen Kontinents setzt die Inflation die Devisenreserven zunehmend unter Druck; dies könnte zu starken Wechselkursschwankungen der verschiedenen Devisen führen. Aus Sicht der afrikanischen Importeure sowie der deutschen Exporteure besteht dadurch ein latentes Wechselkursrisiko. Abgesehen von der finanziellen Leistungsfähigkeit der afrikanischen Banken werden die Verwaltung der Devisenreserven und die Währungspolitik ihrer jeweiligen Heimatländer zu wichtigen Kriterien, um kurz- und mittelfristige Außenhandelsfinanzierungsfazilitäten einzurichten.

Hohe Devisenausgaben

In den vergangenen Jahrzehnten erwiesen sich die Volkswirtschaften des afrikanischen Kontinents als wachstumsfähig. Dennoch sind die meisten immer noch weit entfernt von den makroökonomischen Indikatoren der Industrienationen. Dies liegt an der Abhängigkeit vieler afrikanischer Volkswirtschaften von Einnahmen aus Rohstoffexporten und der Anfälligkeit für externe Stressfaktoren. Um dies zu ändern, ist der Aufbau eines starken Industriesektors notwendig. Diese Strategie fahren bereits die meisten afrikanischen Staaten – mit wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die die lokale Verarbeitung von Rohstoffen in der Agrarwirtschaft sowie die Energieinfrastruktur fördern. Aufgrund des schwachen Industriesektors geben die Mitgliedsländer der Zentralafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion (CEMAC) und der Westafrikanische Wirtschafts- und Währungsunion (WAEMU) mehr Devisen aus, als sie für ihre Exportprodukte einnahmen. Auf dem Höhepunkt der Covid-19-Pandemie wurde das Devisenmanagement der Regionen auf die Probe gestellt. Der Gesamtsaldo der Zahlungsbilanz verschlechterte sich. In der Folge sank auch der Wechselkurs der meisten afrikanischen Währungen gegenüber dem Euro, mit Ausnahme des CFA-Franc.

Nach wie vor wird die unbegrenzte Konvertibilität des CFA-Franc von der französischen Agence France Trésor (AFT) garantiert. Im Fall eines Schocks für die Zahlungsbilanz in einer der Subregionen der CFA-Franc-Zone, der bspw. dazu führen würde, dass die Staaten der Subregion nicht mehr in der Lage wären, die Bezahlung ihrer Importe in Fremdwährungen sicherzustellen, verpflichtet sich die AFT, die erforderlichen Beträge in Euro bereitzustellen. Mit der 2019 erfolgten Reform der währungspolitischen Zusammenarbeit in der WAEMU-Zone wird ein fixer Wechselkurs beibehalten (1 EUR = 655,957 FCFA), und Frankreich gewährt eine unbegrenzte Währungskonvertibilitätsgarantie.

In der CEMAC und WAEMU sind die Konditionen der unbegrenzten Konvertibilitätsgarantie der AFT unterschiedlich. In der CEMAC sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, ihre Devisenreserven bei der Zentralbank der zentralafrikanischen Banken (BEAC) und bei Frankreichs Zentralbank zentralisiert zu verwahren. In der WAEMU ist dagegen die anteilige Verwahrung der Devisenreserven bei Frankreichs Zentralbank nicht mehr zwingend notwendig, um die Gewährleistung der unbegrenzten Konvertibilitätsgarantie der AFT zu bekommen.

Strenge Devisenverwaltung nötig

Dennoch ist die Zentralbank der westafrikanischen Staaten zur strengen Devisenverwaltung verpflichtet. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass die Devisenreserven auf einem akzeptablen Niveau bleiben: 3,4 Monate des Importbedarfs für die CEMAC und fünf Monate für die WAEMU (Stand: 12/2021). Der Vorteil des CFA-Franc ist, dass sich Investoren wenig Gedanken über wiederholte Abwertungen der Landeswährung machen müssen. Für die Banken der CFA-Franc-Zone bedeutet dies im Gegenzug, dass sie ihren Kunden gewährleisten, dass kurz- bis mittelfristige Finanzierungen nicht in ihrem realen Wert verlieren.

Ghana bleibt importabhängig

Trotz der Bemühungen der Regierung, das Land mit dem Konzept „one district, one factory“ zu industrialisieren, bleibt Ghana eine importabhängige Wirtschaft. Um seinen Importbedarf zu decken und mittelfristig den Schuldendienst zu gewährleisten, ist das Land nicht nur auf Deviseneinnahmen aus seinen Exporten und Staatsanleihen in Hartwährungen angewiesen, sondern auch auf Kreditfazilitäten bilateraler Organisation und internationaler Finanzinstitute. Für Letztere wie auch für ghanaische Banken ist die Fähigkeit des Landes, seine Hartwährungsreserven effizient zu verwalten, von entscheidender Bedeutung. Einem Bericht der Economist Intelligence Unit zufolge dürften sich die Devisenreserven im ersten Quartal dieses Jahres auf 7,71 Mrd USD belaufen haben, was vier Monaten des ghanaischen Importbedarfs entspricht und damit über dem aufsichtsrechtlichen Schwellenwert von drei Monaten liegt.

Seit Anfang des Jahres ist die Nachfrage nach Hartwährungen gestiegen, weil sich die meisten Unternehmen in Ghana vom Covid-19-Schock erholen. Da der Wechselkurs des Cedi gegenüber den harten Währungen frei schwankt, ist eine weitere Abwertung des Cedi zu erwarten. Für die ghanaische Wirtschaft bedeutet dies einen Anstieg der Kosten für importierte Produkte, einen Anstieg der Produktionskosten und schließlich einen Anstieg der Inflation, was kurzfristig zu einer Belastung der Devisenreserven des Landes führt. Um die Probleme mit den Devisenreserven langfristig zu beheben, verfolgt die Regierung mit ihrem Konzept „one district, one factory“ das Ziel einer lokalen Verarbeitung der natürlichen Ressourcen und somit die Diversifizierung der Einnahmequellen in Hartwährungen.

Vielversprechende Maghreb-Region

Die Maghreb-Region steht entwicklungstechnisch vor großen Herausforderungen. Sie ist von Abgeschiedenheit, Naturkatastrophen und klimabedingten Ereignissen, der Erschöpfung von Bodenschätzen, einer unterentwickelten industriellen Basis und einem großen informellen Sektor geprägt. Gleichzeitig ergeben sich dadurch einige Chancen für Exporteure. Die Weltbank hat Anfang Juni 250 Mio USD für das Projekt zur wirtschaftlichen Entwicklung des Nordostens Marokkos genehmigt. Diese Mittel werden dazu beitragen, die Verkehrsanbindung zu verbessern und das Wachstum des Privatsektors in dieser Region zu fördern, insb. die Entwicklung des maritimen Komplexes Nador West Med (NWM), der einen Tiefseehafen und eine Industriezone umfasst.

Algerien möchte die bilateralen Beziehungen zu Deutschland im Bereich erneuerbare Energien verbessern, um die Energiewende im Land schneller voranzutreiben. Das Ziel soll die Entwicklung von grünem Wasserstoff und neuer Solarkraftwerke sein. Tunesien hat bis 2023 vor, 30% des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Dazu versucht das kleinste Land in der Region, ausländische Investoren anzuziehen und die Erdgaseinfuhren zu verringern.

Algeriens Devisenschwäche

Die Devisenproblematik spielt in Algerien bereits seit 2014 eine große Rolle. Die Devisenreserven beliefen sich im Juli 2021 auf 43 Mrd USD gegenüber 60 Mrd USD Ende 2019. Der Rückgang der weltweiten Ölpreise in den vergangenen Jahren hat die öffentlichen Finanzen des nordafrikanischen Landes stark beeinträchtigt, da die Ölexporterlöse 60% des Staatshaushalts ausmachen. So war die Regierung gezwungen, die Ausgaben für Käufe im Ausland und die für Investitionsprojekte vorgesehenen Ausgaben zu senken.

Im Gegensatz dazu hat Marokko einen Devisenanstieg zu verzeichnen. Die Devisenreserven stiegen auf 37,05 Mrd USD zu Beginn des Jahres (+6,8% gegenüber Vorjahr), was die Importe von sieben Monaten decken würde. Der jährliche Anstieg ist hauptsächlich auf Geldüberweisungen aus dem Ausland zurückzuführen, die 2021 einen Rekordwert von 11,2 Mrd USD erreichten. Ähnlich wie in Marokko sind die Devisen Tunesiens auf 8 Mrd USD gestiegen, was dem Einfuhrbedarf von 130 Tagen entspricht. Der Grund dafür ist der Anstieg der Überweisungen von Arbeitern aus dem Ausland und ein Darlehen über 700 Mio USD der African Export-Import Bank.

Nigeria reagiert auf Finanzumfeld

Das nigerianische Bankenumfeld ist aufgrund der aktuellen weltwirtschaftlichen Bedingungen angespannt. Einfuhrverbote für bestimmte Produktions- und Agrargüter (etwa 50 Artikel) sollen den Naira stützen. Gleichzeitig werden diese Maßnahmen die Inflation weiter vorantreiben. Als Reaktion auf die hohe Inflation hat die nigerianische Zentralbank ihren Leitzins um 150 Prozentpunkte auf 13% erhöht – erstmals seit 2016.

2021 sind die Devisenreserven des Landes aufgrund eines Eurobonds sowie einer Fazilität des Internationalen Währungsfonds (IWF) auf über 41 Mrd USD gestiegen. Die Währungsreserven waren ein wichtiger Puffer für die Zentralbank bei der Verteidigung des nigerianischen Wechselkurses. Der angespannten Wirtschaftslage wirken die steigenden Ölpreise entgegen. Daher wird für die kommenden Jahre 2023 bis 2026 eine abnehmende Inflationsrate erwartet, zumal der anfängliche Preisschock des Russland-Ukraine-Konflikts abklingt. Gleichzeitig sollen auch die Devisenreserven über die kommenden Jahre weiter steigen.

Die Zentralbank von Nigeria hat im Oktober 2021 als erstes Land in Afrika eine digitale Währung, den eNaira, eingeführt. Er wird von der Zentralbank unterstützt und ausgegeben und stößt auf hohe Akzeptanz. Bereits nach drei Monaten wurde die App in mehr als 160 Ländern heruntergeladen.

Unterbrochene Versorgungsketten

Die Covid-19-Krise war für die Volkswirtschaften weltweit eine Herausforderung. Die Maßnahmen gegen die Pandemie in Kombination mit dem Öl- und Gaspreisschock führten zu einer globalen Verlangsamung der Wirtschaft. Diese Schocks haben sich besonders stark auf den afrikanischen Kontinent ausgewirkt. Während sich die Wirtschaft wieder langsam zu erholen begann, brachte die Ukraine-Krise neue Herausforderungen für Afrika. Lebensmittel-, Energie- und Rohstoffpreise stiegen weiter rapide an. Infolgedessen wurden die Versorgungsketten insb. für Weizen und Düngemittel unterbrochen und der Kontinent vor immer neue Hürden gestellt.

Laut dem Dürrebericht der Vereinten Nationen ist der afrikanische Kontinent von der Klimakrise stärker betroffen als jede andere Region der Welt. Extreme Wetterbedingungen treten häufiger und intensiver auf, was die Entwicklung zu einer höheren Selbstversorgung zur Überwindung von Engpässen erschwert.

Die aktive Teilnahme afrikanischer Länder am sich ständig weiterentwickelnden internationalen Handelsumfeld bleibt von zentraler Bedeutung, um das Wachstum und die Entwicklung der Region anzukurbeln. Afrikanische Länder sind nach wie vor mit anhaltender Unsicherheit, Versorgungsunterbrechungen und steigenden Nahrungsmittel- und Düngemittelpreisen konfrontiert. Angesichts der aktuellen Herausforderungen auf dem Kontinent wird die Handelsfinanzierung daher eine Schlüsselrolle spielen, indem sie die Handelsströme über die Grenzen hinweg sicherstellt und damit das Wachstum und die Entwicklung Afrikas fördert.

Energiesektor und Landwirtschaft künftig im Fokus

Die African Development Bank und ihr Sustainable Energy Fund for Africa (SEFA) haben sich auf eine Investition von 20 Mio USD geeinigt, um private Investitionen in energieeffiziente Technologien und Geschäftsmodelle zu fördern. Ziel ist es, die Energiewende hin zu einer entkarbonisierten afrikanischen Wirtschaft zu beschleunigen. Außerdem plant die Weltbank, bis 2026 über 5 Mrd USD zu investieren, um die Wiederherstellung degradierter Landschaften zu unterstützen, die Produktivität der Landwirtschaft zu verbessern und die Lebensgrundlagen zu fördern. Besonders in diesen beiden Sektoren bieten sich für Exporteure zunehmende Geschäftsmöglichkeiten.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich schlussfolgern, dass insb. aufgrund der Krisen der vergangenen Jahre Handelsfinanzierungen im kurzfristigen und langfristigen Bereich auf dem afrikanischen Kontinent von zentraler Bedeutung sind. Hier bietet sich expandierenden europäischen und deutschen Exporteuren die Möglichkeit, weitere Märkte zu erschließen und ihre Geschäftstätigkeit in Afrika auszubauen. Die ODDO BHF Gruppe verfügt über ein großes Korrespondenznetzwerk in über 35 afrikanischen Ländern; etablierte Geschäftsbeziehungen ermöglichen Investoren und exportorientierten Unternehmen einen reibungslosen Ablauf von Geschäften. ODDO BHF bietet kompetente Unterstützung bei Geschäftsabwicklungen in Afrika an.

franklin.petato@oddo-bhf.com

lorena.bonner@oddo-bhf.com

www.oddo-bhf.com

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