Die African Development Bank (AfDB) ist die wichtigste afrikanische Entwicklungsinstitution in einer Region, in der etwa 70% der weltweit am stärksten von Armut betroffenen Menschen leben. Sie finanziert Vorhaben, die für afrikanische Regierungen von vorrangiger Bedeutung sind. Dafür verfügt sie über ein Vermögen von rund 60 Mrd USD.

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Bis zum Beginn der Corona-Pandemie legte die AfDB rund 10 Mrd USD pro Jahr an Krediten heraus. Grundlage waren Mittel der etablierten Industriestaaten in Miliardenhöhe ebenso wie das damit sichergestellte AAA-Rating der AfDB, das eine zinsgünstige Beschaffung von Krediten ermöglicht. Allerdings wachsen leise Zweifel daran, dass es dabei bleibt, denn das Geschäft der wichtigsten afrikanischen Entwicklungsbank läuft nicht mehr rund: Während andere Entwicklungsinstitutionen im Zuge der Corona-Krise zusätzliche Finanzierungen zur Verfügung stellen konnten – also ihr Kreditvolumen steigerten, um ihre Kunden in der Krise zu unterstützen –, ging die Kreditgewährung der AfDB zurück: Statt als Feuerwehr die Krise einzudämmen, wurde die Entwicklungsbank noch zum Brandbeschleuniger.

Ohne die Hilfe der AfDB wächst das Risiko

Jenseits der teilweise unappetitlichen Einzelheiten um Machtmissbrauch und sexuelle Nötigung drängt sich die Frage auf, ob die Bank das volle Vertrauen der Gläubiger, Kreditgeber und Aktionäre genießt, die sie finanzieren und deren Unterstützung sie braucht. Ohne die Hilfe der AfDB wächst das Risiko, dass die afrikanischen Volkswirtschaften durch die wachsende Verschuldung im Kontext steigender Zinsen, den Anstieg der internationalen Lebensmittel- und Energiepreise sowie die anhaltenden Auswirkungen der Pandemie in den Abgrund gezogen werden.

Die Bank sagt, dass sie gut geführt wird, in der Lage ist, Mittel zu beschaffen und von ihren afrikanischen Mitgliedern gelobt wird. Gründe für Zweifel bleiben aber: Der seit 2015 amtierende Chef Akinwumi Adesina, ein ehemaliger nigerianischer Landwirtschaftsminister, hatte bereits mit Korruptionsvorwürfen zu kämpfen. Im Laufe seiner ersten, gerade verlängerten Amtszeit ist das interne Kontrollsystem der Bank schleichend lahmgelegt worden. Viele der wichtigen, etatmäßig unabhängig vom Präsidenten agierenden Aufsichtsfunktionen sind seit Längerem nur kommissarisch besetzt. Sie stehen daher selbst unter der Kontrolle der eigentlich zu kontrollierenden Leitung der Bank. So war in den vergangenen zwei Jahren ein Viertel der leitenden Angestellten der Bank kommissarisch oder vorübergehend in der Verantwortung. Zentrale Positionen sind über Jahre nur in direkter Abhängigkeit von Adesina tätig. Das ist zwar kein Beweis für Korruption, aber ganz gewiss auch nicht für das Gegenteil.

Lokale Währungen ohne Bonitätsrisiken

Abgesehen vom Schaden für die Region durch eine verschlechterte Finanzierung droht auch ein direkter Schaden für Investoren: Entwicklungsbanken wie die AfDB nutzen ihre Refinanzierung auch zur Förderung lokaler Finanzmärkte, indem sie Anleihen in exotischen Währungen auflegen. Sie verschaffen diesen Märkten damit wichtige Benchmarks aufgrund ihres erstklassigen Ratings. Zugleich sind diese Papiere dadurch auch vor allem für institutionelle Investoren durch das zu vernachlässigende Schuldnerrisko interessant. Dank dieser Emissionen nationaler (wie der KfW) und supranationaler Organisationen (etwa Weltbank, ADB oder eben AfDB) ergibt sich die Chance, lokale Währungen ohne Bonitätsrisiken ins Depot zu nehmen. Die Entwicklung in Südafrika, dass seinen Investmentgrade samt den damit verbundenen Finanzierungsvorteilen im Zuge der unsäglichen Korruption der Zuma-Administration verloren hat, sollte eine Warnung sein: Das AAA-Rating der AfDB ist auch nicht in Stein gemeißelt.

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