Das Land am Kap der guten Hoffnung gilt für hiesige Unternehmen als attraktives Ziel auf dem Kontinent. Wie die aktuelle Lage vor Ort ist, welche Besonderheiten es für den Markteintritt gibt und wie man in Südafrika erfolgreich ist, beantwortet Volker Werth vom international agierenden Dienstleister InterGest.

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Südafrika gilt als die fortschrittlichste, diversifizierteste und produktivste Wirtschaft Afrikas. Mit einem der wirtschaftsfreundlichsten Umfelder des Kontinents ist das Land eine logische Option für europäische Unternehmen, die sich auf dem afrikanischen Markt engagieren wollen. Südafrika hat über 60 Millionen Einwohner und erstreckt sich über 1,22 Mio qm.

Herr Werth, wie ist die aktuelle wirtschaftliche Situation in Südafrika?

Das reale Wirtschaftswachstum wird für dieses Jahr aktuell mit 2,1% prognostiziert, wobei davon ausgegangen wird, dass die Wirtschaft Südafrikas wieder das Produktionsniveau von vor der Pandemie erreicht. Für die nächsten drei Jahre wird ein durchschnittliches BIP-Wachstum von etwa 1,9% erwartet. Auf der Produktionsseite der Wirtschaft verzeichneten acht von zehn Branchen im ersten Quartal 2022 ein positives Wachstum; das verarbeitende Gewerbe legte dabei am stärksten zu. Der deutliche Produktionsanstieg wurde hauptsächlich von den Branchen Petroleum und Chemikalien, Nahrungsmittel und Getränke sowie Metalle und Maschinen angetrieben.

Wie steht es um den Handel mit deutschen Unternehmen?

Deutschland ist mit einem Handelsvolumen von 15 Mrd EUR pro Jahr Südafrikas zweitgrößter Handelspartner weltweit. Jährlich gehen ca. 50% der deutschen Afrika-Exporte nach Südafrika. Das Handelsvolumen zeigt die Kaufkraft Südafrikas sowie die Bedeutung des Landes als Abnehmer deutscher Produkte. Damit ist das Land Deutschlands wichtigster Handelspartner auf dem afrikanischen Kontinent.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um Produkte und Dienstleistungen in Südafrika zu vertreiben?

Die grundlegenden Anforderungen sind eine registrierte Adresse, ein Bankkonto und eine Steuernummer. Je nach Branche muss man sich u.U. bei bestimmten südafrikanischen Aufsichtsbehörden registrieren lassen, um eine Handelslizenz zu erhalten (bspw. benötigen medizinische Geräte eine Registrierung).

Wie funktioniert das Prozedere beim Import und wie hoch sind die damit verbundenen Kosten?

Um Waren nach Südafrika einführen zu können, müssen sich Importeure zunächst beim South African Revenue Service (SARS) registrieren lassen. Eine Einfuhrgenehmigung müssen sie nur dann beantragen, wenn sie beabsichtigen, kontrollierte Waren, gebrauchte Waren, Abfälle oder Schrott einzuführen. Der nächste Schritt ist die Entscheidung, wie die Waren nach Südafrika transportiert werden sollen. Sobald die Transportart feststeht, werden je nach Art des einzuführenden Produkts und der gewählten Transportart eine Reihe von Dokumenten benötigt. Das 2004 in Kraft getretene EU-SADC-Wirtschaftspartnerschaftsabkommen führte dazu, dass der Zollsatz eines Großteils der in der EU produzierten Waren auf bis zu 0% herabgesetzt wurde. Es gibt jedoch einige komplexe Verfahren, die eingehalten werden müssen. Importeuren wird empfohlen, Zollagenturen als Spezialisten zu beauftragen, die diese Formalitäten für sie erledigen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Waren aufgrund falscher Unterlagen oder Verfahren im Zoll stecken bleiben.

Auf welchen Wegen erreichen die südafrikanischen Endverbraucher die Waren?

Es gibt vier Haupttransportarten: See-, Luft-, Straßen- und Schienengüterverkehr. In Südafrika entfällt mit 80% der Güter der Großteil auf den Straßenverkehr, gefolgt von der Schifffahrt und der Bahn.

Inwieweit ist eine dauerhafte Niederlassung vonnöten, um Geschäftsaktivitäten in Südafrika zu beginnen?

Es gibt alternative Methoden zur Ausweitung der Geschäftstätigkeit nach Südafrika, ohne Gründung eines Unternehmens vor Ort. So kann ein ausländisches Unternehmen auf Vertriebspartner zurückgreifen oder seine Produkte über E-Commerce-Plattformen verkaufen und sie nach Eingang einer Bestellung von Europa aus nach Afrika verschicken. Die andere Möglichkeit ist, eine Vereinbarung mit einer unabhängigen lokalen Agentur zu treffen, bei der diese in Südafrika als Arbeitgeber eines Vertriebsmitarbeiters fungiert, der die Aktivitäten der Markterschließung in Südafrika im Namen des deutschen Unternehmens durchführt. Der hiesigen Firma werden hierbei eine Dienstleistungsgebühr und eine Provision für die erbrachte Leistung in Rechnung gestellt.

Wie ist die Firmengründung gesetzlich geregelt?

Die Firmengründung in Südafrika richtet sich prinzipiell nach den zwei folgenden Gesetzen. Der Companies Act besagt, dass ausländische Unternehmen, die über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten geschäftlichen Aktivitäten in Südafrika nachgehen, eine Gesellschaft vor Ort gründen müssen. Der Income Tax Act regelt, dass bei der Aufnahme permanenter Geschäftsaktivitäten in Südafrika ebenfalls eine Gründung erfolgen muss. Verfügt ein Unternehmen bspw. über eine offizielle Firmenadresse oder Büroräume in Südafrika, wird dies als Betriebsstätte und damit als Aufnahme permanenter Geschäftsaktivitäten betrachtet.

Welche südafrikanischen Industriebranchen haben für ausländische Investoren Ihrer Meinung nach das größte Potenzial?

Zu den am schnellsten wachsenden Branchen in Südafrika gehören die Pharma- und Gesundheitsbranche, der erneuerbare Energiesektor, der Bergbausektor sowie die Landwirtschaft und die agrotechnische Verarbeitung. Deutschland und Südafrika haben auch ihre Zusammenarbeit im Energiesektor verstärkt, was deutschen Unternehmen in Südafrika nach dem Besuch des deutschen Bundeskanzlers Olaf Scholz im Mai 2022 viele weitere Geschäftsmöglichkeiten eröffnet.

Inwieweit lohnt eine lokale Produktion oder Endmontage in Südafrika?

Eine lokale Produktion oder Endmontage in Südafrika ist von Vorteil, da sie Handelsbarrieren beim Handel innerhalb des afrikanischen Kontinents beseitigt. Produkte, die in Südafrika hergestellt/montiert werden, haben den Vorteil, dass sie den Ursprungsregeln der Afrikanischen Kontinentalen Freihandelszone (AfCFTA) entsprechen. Nur Waren, die aus einem Land stammen, das Teil des Freihandelsabkommens ist, sind für den zoll- und handelsschrankenfreien Verkehr zwischen anderen Mitgliedsländern qualifiziert. In Südafrika hergestellte oder montierte Produkte können frei zwischen anderen Mitgliedsländern bewegt werden. Die Produktion oder Endmontage in Südafrika hilft ebenfalls beim lokalen Verkauf. Vor allem bei Ausschreibungen staatlicher Natur ist lokale Produktion oder Endmontage vorteilhaft, da südafrikanische und in Südafrika verarbeitete Produkte bevorzugt werden.

Kann man als Externer ein Unternehmen in Südafrika gründen?

Ja, es gibt keinerlei Beschränkungen für ausländische Investoren, die ein Unternehmen vor Ort in Südafrika gründen wollen. Die Gründung fällt unter den Companies Act von 2008. Ausländer können auch als Geschäftsführer eines südafrikanischen Unternehmens ernannt werden oder Aktionäre des Unternehmens sein. Die Anschrift eines Direktors oder Aktionärs muss keine südafrikanische Adresse sein.

Welches Mindeststammkapital ist vorgeschrieben?

Es gibt keine Mindestkapitalanforderungen für ausländische Investitionen in Südafrika. Wir empfehlen jedoch, dass Unternehmen mit 1.000 Rand gegründet werden, was 100 Aktien entspricht. Eine Gesellschaft, die durch Aktien beschränkt ist, muss mindestens einen Aktionär haben, der auch ein Direktor sein kann. Die Anzahl der Aktionäre, die ernannt werden können, ist begrenzt.

Welche Unternehmensformen gibt es in Südafrika?

Ausländische Unternehmen, die in Südafrika steuerpflichtig sind, haben in der Regel zwei Möglichkeiten: die Gründung einer unselbstständigen Niederlassung (Branch Office) oder einer Tochtergesellschaft (Private Limited Company). Diese Optionen unterscheiden sich aus rechtlicher und steuerlicher Sicht deutlich und haben bestimmte Auswirkungen auf die Einhaltung der Vorschriften. Die Entscheidung, welche Rechtsform in Südafrika gegründet werden soll, hängt weitgehend davon ab,

• ob das ausländische Unternehmen im Wesentlichen dieselbe Gesellschaft in mehreren Rechtsgebieten anstrebt oder
• ob das ausländische Unternehmen eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit gründen möchte und
• welche steuerlichen Erwägungen das Unternehmen trifft.

Die Gründung einer Tochtergesellschaft mit Stammkapital und beschränkter Haftung der Gesellschafter ist die beliebteste Wahl unserer internationalen Kunden. Hauptsächlich, weil die südafrikanische Gesellschaft eine von der ausländischen Gesellschaft getrennte Rechtspersönlichkeit besitzt. In puncto Haftung bietet eine Tochtergesellschaft die Flexibilität, dass die Beteiligung an der südafrikanischen Gesellschaft angepasst werden kann, um eine Beteiligung eines BBBEE-Partners zu ermöglichen. BBBEE steht dabei für Broad-based Black Economic Empowerment (BBBEE) und wird vom südafrikanischen Staat gefördert. Eine solche Beteiligung ermöglicht es dem Unternehmen, in Südafrika wettbewerbsfähig zu agieren.

Braucht es ein Visum für die Anbahnung von Geschäften vor Ort?

Ausländer brauchen zwar grundsätzlich kein Visum, um in Südafrika ein Unternehmen zu gründen. Bei Reisen nach Südafrika aus geschäftlichen Gründen muss aber ein Visum beantragt werden. Es gibt drei verschiedene Visa: ein Arbeitsvisum, ein Visum für qualifizierte Arbeitskräfte und ein Visum für den Transfer innerhalb eines Unternehmens. Die Art des Visumantrags hängt davon ab, wie lange man sich zu Geschäftszwecken in Südafrika aufhält.

Inwieweit kann man auf lokale Kontakte und Experten für den Markteintritt zurückgreifen?

Die Inanspruchnahme der Dienste lokaler Experten kann für ein ausländisches Unternehmen von großem Vorteil sein. Experten verfügen über umfassende Kenntnisse der lokalen Gesetze und Vorschriften, die Unternehmen einhalten müssen. Sie können auch bei der Suche nach lokalen Kontakten und Geschäftspartnern behilflich sein. Die Geschäftssprache ist zwar Englisch, die südafrikanische Geschäftskultur unterscheidet sich jedoch von der europäischen. Ein Experte, der Sie auf den richtigen Weg führt, kann viel Zeit, Geld und Mühe ersparen.

Wie stellt sich der Zugang zu anderen Märkten im südlichen Afrika dar?

Seit mehr als einem Jahrzehnt wählen internationale Unternehmen Südafrika als bevorzugten Einstiegspunkt in Afrika. Dank der starken Finanzinstitutionen ist das südlichste Land Afrikas ein führendes Ziel für ausländische Direktinvestitionen auf dem Kontinent und zieht Investoren an, die ihren Hauptsitz in Afrika einrichten wollen. Dies liegt daran, dass Südafrika logistisch so gelegen ist, dass es den Handel mit dem übrigen Afrika erleichtert. Südafrika ist neben seiner Mitgliedschaft in der AfCFTA auch Mitglied der Südafrikanischen Zollunion (SACU) und daher können in Südafrika eingeführte oder hergestellte Produkte innerhalb der Union, zu der auch die Länder Namibia, Botsuana, Eswatini und Lesotho gehören, frei gehandelt werden.

volker.werth@intergest.com

www.intergest.co.za

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