ESG-linked Loans sind das Mittel der Wahl, um wirtschaftliches Wachstum und Nachhaltigkeit zu verbinden. Die Idee ist, dass die Konditionen der Finanzierung auch daran gekoppelt sind, wie gut das Geschäft bei den ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance) abschneidet.

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Am Thema Nachhaltigkeit kommt kein Unternehmen mehr vorbei. Ob es um den Klimawandel und dessen Folgen geht oder um Menschenrechtsverletzungen in internationalen Lieferketten: Für viele Unternehmen ist es längst selbstverständlich, Umwelt- und Sozialaspekte in die eigene Geschäftstätigkeit einzubinden – das Bewusstsein für die globalen Herausforderungen unserer Zeit ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen.

Banken bilden da keine Ausnahme; auch sie setzen zunehmend auf die Kreditvergabe entlang grüner Kriterien, ebenfalls bekannt als Sustainable Finance. Geld soll so gezielter in Aktivitäten fließen, die wirtschaftliches Wachstum verantwortungsvoll fördern, globale Ressourcen erhalten und Menschenrechte achten. Zur Orientierung dienen die 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDG) der Vereinten Nationen (UN), die bis zum Jahr 2030 für alle Menschen weltweit gleichermaßen erreicht sein sollen. Bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ist Nachhaltigkeit als eine von vier strategischen Stoßrichtungen gesetzt. In den verschiedenen Bereichen der Bank unterliegen Investitionsentscheidungen längst Nachhaltigkeitskriterien, die internationalen Standards entsprechen.

Jedes Unternehmen kann ESG-Kriterien erfüllen

Die LBBW sieht in der Exportfinanzierung ESG-linked Loans als Mittel der Wahl an. Bei dieser Form der Finanzierung sind die Konditionen daran gekoppelt, wie gut der Kreditnehmer bestimmte messbare Umwelt- und Sozialkriterien sowie Kriterien guter Unternehmensführung – kurz: ESG – erfüllt. Die gute Nachricht dabei ist: Selbst wenn das Kerngeschäft eines Unternehmens nicht per se grün ist, kann es ESG-Kriterien erfüllen. Wer etwa bei seiner unternehmerischen Tätigkeit CO2-sparsamer produziert, Arbeitsrechte entlang der Produktionsketten einhält oder sich transparente Managementstrukturen gibt, punktet in der Nachhaltigkeitsbewertung.

Das wiederum kann den Ausschlag geben für eine positive Kreditentscheidung, günstigere Konditionen oder zusätzliche Finanzierungskomponenten, denn: Ein hohes Maß an Umwelt- und Sozialbewusstsein in einem Unternehmen geht oft auch mit einem zukunftsfähigen Geschäftsmodell einher. Unter Umständen sucht die Bank im „Positive Screening“ gezielt nach nachhaltigen Projekten. Dabei setzt sie finanzielle Anreize für Unternehmen, die nachhaltige Aspekte in ihren Aktivitäten berücksichtigen und entweder innerhalb ihrer Branche die beste ESG-Performance aufweisen („Best-in-Class“) oder Pionierleistungen in nachhaltigen Branchen erbringen („Pioneer Screening“).

Auch Kreditversicherer setzen auf ESG

Auch staatliche Kreditversicherer (Export Credit Agencies, ECA) binden bei Projekten ab einer bestimmten Größenordnung ESG-Kriterien in ihre Prüfprozesse ein und suchen sogar verstärkt nach nachhaltigen Projekten. Jede ECA hat zwar ihren eigenen Prüfprozess, aber alle orientieren sich an denselben internationalen Standards. So überprüft auch der deutsche Kreditversicherer Euler Hermes Umwelt-, Sozial- und Menschenrechtsaspekte (USM) der abzusichernden Finanzierungen.

Die Hermesversicherung orientiert sich dabei an den OECD-Leitsätzen und an den Performance-Standards der International Finance Corporation (IFC), einer Tochter der Weltbankgruppe. Projekte, die in der ESG-Bewertung schlecht abschneiden oder keine erkennbaren Bemühungen hin zu mehr Nachhaltigkeit zeigen, werden kritischer gesehen. Die LBBW selbst checkt jeden Antrag zur Exportfinanzierung bereits bei Eingang auf Umwelt- und Sozialkriterien und hat schon viele Unternehmen und deren Kunden durch die anspruchsvollen Prüfprozesse der Kreditversicherer begleitet. Das Schöne daran: Der Exporteur – direkter Kunde der Bank – muss lediglich die erforderlichen technischen Daten liefern, die LBBW und der jeweilige Kreditversicherer überprüfen in eingespielten Prozessen bereits ab dem Zeitpunkt der Antragsstellung stufenweise die ESG-Performance des Projekts.

Dabei begleiten Experten – bspw. Umweltgutachter – das Unternehmen auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit, indem sie im Dialog mit dem Kreditnehmer ein Maßnahmenpaket erarbeiten. Wo leistet das Projekt bereits einen guten Beitrag zu Umwelt- und Sozialfragen und wo gibt es noch Stellschrauben? Diese zu drehen ist dann Aufgabe des Managements des jeweiligen Kreditnehmers – hier kommt der Aspekt der guten Geschäftsführung zum Tragen. So auch etwa im Fall eines Unternehmens, das eine Lackieranlage für Autos exportieren wollte. Der Importeur plante eine Produktionsstraße für Elektro-autos. Die deutsche Lackieranlage sollte Teil davon sein. Die LBBW finanzierte die Investition des Importeurs, eine europäische ECA übernahm die Absicherung.

Die Prüfer der ECA orientierten sich an den Performance-Standards der IFC und wollten es genau wissen: Was ist die bestmögliche, aktuell verfügbare Energieeffizienz einer solchen Produktionsstraße? Wie steht die geplante Fabrik im Vergleich da? Es wurde sichergestellt, dass die lokale Bevölkerung in den Planungsprozess der Fabrik eingebunden wurde und dass Landrechte beachtet wurden. Was passiert mit den Abfällen aus der Anlage? Im Rahmen des Projekts wurde zusätzlich in Wasseraufbereitung, Abluft und in eine Recyclinganlage investiert, was gerade in Entwicklungs- und Schwellenländern, die in der Regel Zielländer der Kreditversicherer sind, noch nicht selbstverständlich ist. Ein Projekt, das dafür eine Lösung bietet, schafft also einen hohen nachhaltigen Mehrwert.

LBBW honoriert ESG-Aspekte in Finanzierungen

Gemeinsam mit dem Importeur und Experten wurden Lösungen erarbeitet, und die Transaktion wurde durch diese Zusammenarbeit deutlich verbessert. Bei ESG-linked Loans kann dies unter Umständen die Konditionen der Finanzierung wie Kosten, mögliche Laufzeiten und Volumina deutlich begünstigen. Aus den umweltschützenden Innovationen ergab sich außerdem ein Wettbewerbsvorteil für die Geschäftspartner. So ging die Theorie auf: die Förderung wirtschaftlichen Wachstums unter Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialaspekten sowie gutem Management.

Der Umkehrschluss liegt auf der Hand: Nachhaltige Unternehmen handeln auch im eigenen Interesse. Wer künftig die ESG-Kriterien nicht erfüllt, wird weniger Sparringspartner haben, v.a. in der Finanzbranche. Übrigens: Um einen Beitrag in Sachen Nachhaltigkeit zu leisten, muss ein Unternehmen nicht zwangsläufig Windparks bauen. Grundsätzlich ist es für fast jedes Unternehmen in fast jedem Geschäftsfeld möglich, mit den richtigen Maßnahmen in Hinblick auf ESG gut abzuschneiden.

Einige Ausschlusskriterien gibt es dennoch. Atomkraftprojekte bspw. erhalten selbst bei guter CO2-Bilanz und hervorragendem Management keine Finanzierung mehr von der LBBW. Hier folgt die Landesbank Leitlinien, die sie sich selbst auferlegt hat. Dabei geht es wieder um die Frage: In welche Aktivitäten wollen wir unsere Investitionen lenken? Und damit ja eigentlich darum, in welcher Welt wir leben wollen.

anna.orrico@lbbw.de

www.lbbw.de

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