Niedrigere Rohstoffpreise und eine geringere Nachfrage haben einige afrikanische Länder in eine tiefere Rezession getrieben, insbesondere diejenigen, die stark vom Export von Metallen und Öl abhängig sind.

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Erleichterungen bei der Handelsfinanzierung sind gefragt

Laut „Global Trade Review“ (GTR) ist das Risiko eines Staatsbankrotts in allen afrikanischen Ländern aufgrund des Währungsrisikos und der höheren Verschuldung gestiegen. In einem solch herausfordernden Umfeld haben Führungskräfte aus dem Bereich der Handelsfinanzierung die multilateralen Entwicklungsbanken (Multilateral Development Banks, MDBs) aufgefordert, „entschlossen zu intervenieren” und die Risikobereitschaft auf dem Kontinent zu erhöhen, indem sie den Banken Kreditunterstützung gewähren.

Exportrisiken verteilen

Politische Entscheidungsträger und Entwicklungsorganisationen sind bestrebt, den afrikanischen Ländern südlich der Sahara zu helfen, in diesen schwierigen Zeiten widerstandsfähig zu sein. Für das wirtschaftliche und soziale Überleben von Millionen von Afrikanern ist es unabdingbar, dass der Handel mit Waren und Dienstleistungen weiter fließt. Vor der Pandemie wurde die Handelsfinanzierungslücke in Afrika bereits auf über 100 Mrd USD geschätzt und die Herausforderung, diese Lücke möglichst zu verringern, ist aktuell nicht geringer geworden.

Haushaltshilfen, konzessionäre Kreditbedingungen für staatliche Schuldenaufnahmen und erweiterte Kreditlinien für lokale Banken sind ein Aspekt der Unterstützungsmaßnahmen der internationalen Gebergemeinschaft. Damit ist aber einem Exporteur, der vor der Frage der Risikoabsicherung oder Finanzierung eines konkreten Liefergeschäfts mit einem Abnehmer in der Subsahara-Region oder auch anderen stark risikobehafteten Märkten steht, nur sehr indirekt geholfen.

Lokale Banken „weltmarktfähig“ machen

An dieser Stelle können die Trade Facilitation Programme der MDBs eine entscheidende Hilfe sein. Sowohl die Weltbank durch ihre Tochter IFC als auch die regionalen Entwicklungsbanken (im konkreten Fall Afrikas ist dies die African Development Bank, AfDB) haben großvolumige Unterstützungsprogramme aufgelegt, mit deren Mitteln sie lokale private Banken „weltmarktfähig“ machen.

Für einen konkreten Importvorgang eröffnet die lokale Bank ein Akkreditiv, das durch die MDB ganz oder teilweise abgesichert wird und dann als Paket einer Hausbank des Exporteurs zur (Rest-)Absicherung, Abwicklung und ggf. auch Finanzierung/Bevorschussung angeboten wird. Sowohl die lokale Importeursbank als auch die abwickelnde Exporteursbank müssen von der MDB für diese Abwicklung registriert sein. Die wesentlichen Marktteilnehmer stehen für diese besondere kurzfristige Handelsfinanzierungsvariante zur Verfügung. So hat bspw. die IFC seit Start ihres Programms Absicherungen im Gegenwert von mehr als 66,5 Mrd USD herausgelegt (Quelle: IFC, abgerufen am 30.06.2021).

Absicherung effizient organisieren

Gleichwohl bleibt immer noch ein großer Block an Transaktionen, der rein unter Marktbedingungen abgesichert werden muss. Dies kann auf vielfältige Gründe zurückzuführen sein, bspw. wenn der Importeur im südlichen Afrika nur mit einer staatlichen Bank zusammenarbeitet, die definitionsgemäß nicht durch die MDBs unterstützt wird. Hier ist der Exporteur nach wie vor auf die Risikobereitschaft seiner Hausbanken angewiesen. Da die Kapazitäten für die Märkte in Subsahara-Afrika in der Regel nur sehr eingeschränkt verfügbar sind, müssen Exporteure vermehrt Anfragen stellen und damit einen wesentlich höheren Aufwand als bei einem Standard-Exportvorgang betreiben, um an eine Absicherung zu gelangen.

Auch und gerade für die Fälle einer vielfachen Anfrage für ein Geschäft bei mehreren Banken bietet sich als Arbeitsmittel die Anfrageplattform von Mitigram an, der sogenannte Marketplace. Auf Basis eines Nutzungsvertrags mit Mitigram gibt der an der Absicherung interessierte Exporteur sein Geschäft in eine Eingabemaske ein, wählt aus seinem eigenen hinterlegten Adressbuch die ihm für sein Geschäft geeigneten Ansprechpartner aus und sendet diesen seine Anfrage „mit einem Klick“. Über die Plattform erhält der Exporteur standardisiert die Antworten seiner Banken, Mitigram bietet ihm zugleich eine Auswertung und Bewertung der erhaltenen Angebote an. Auf Basis dieser Auswertung kann der Exporteur über die Plattform seinen für dieses Geschäft bevorzugten Bankpartner mit der Absicherung und Abwicklung der Transaktion beauftragen.

Finanzierung transparent ermöglichen

Sollte der Exporteur kein oder kein passendes Angebot von seinen Hausbanken bekommen haben, so hat er weiterhin die Möglichkeit, sich über die Mitigram-Plattform durch das seit knapp einem Jahr angebotene Feature „Open Market Discovery“ diejenigen bei Mitigram registrierten Banken anzeigen zu lassen, die einen zu seinem Geschäft passenden Risikoappetit hinterlegt haben. Beide Beteiligten auf der Exportseite der Geschäfte haben mithin durch die Nutzung des „Open Market Discovery“-Tools Vorteile: Exporteure werden auf Banken mit regionaler Expertise aufmerksam, die sie bislang noch nicht in ihrem Kreis der Geschäftspartner hatten, und Banken können mit der Hinterlegung ihrer Risikobereitschaft neue Kundenbeziehungen generieren.

Seit der Einführung der „Open Market Discovery“ hat Mitigram eine deutliche Zunahme der Anfragen nach Risikoübernahmen in Subsahara-Afrika festgestellt; auf diese Region entfallen inzwischen über 10% des entsprechenden Anfragevolumens. Zusammen mit dem Nahen Osten sieht Mitigram hier die größten Steigerungsraten.

Auch dies zeigt, dass der „Marketplace“ von Mitigram seine Bezeichnung zu Recht trägt: Auf einem (virtuellen) Marktplatz werden Angebot und Nachfrage transparent offengelegt und im Erfolgsfall zusammengeführt. Auf diese Art und Weise leisten auch die Digitalisierungsmaßnahmen und die dahinterstehenden Dienstleister wie Mitigram ihren Beitrag zur Reduzierung der regionalen und globalen Handelsfinanzierungslücken.

christian.zurcher@mitigram.com

www.mitigram.com

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