Sowohl vor Ort in der Heimstätte von Eintracht Frankfurt, im Deutsche Bank Park, als auch digital fand bereits zum sechsten Mal der „Tag der Exportweltmeister“ statt. Er bietet ein Forum für die Exportentscheider des Landes, um sich miteinander auszutauschen, sich zu inspirieren und Fachwissen aufzusaugen.

Beitrag in der Gesamtausgabe (PDF)

Die großen Themen der Veranstaltung waren u.a. die Transformation zu einer nachhaltigen und digitalen Wirtschaft, die Finanzierung von Exporten oder die Herausforderungen in der Ausfuhrkontrolle. Bekannte Namen aus Wirtschaft und Politik traten als Redner und Diskussionspartner auf, etwa Peter Tauber, ehemaliger CDU-Generalsekretär und jetziger Unternehmenssprecher von Engelbert Strauss. Er äußerte sich etwa zum Thema Digitalisierung, das derzeit weit oben auf der Agenda vieler Unternehmen steht.

Tauber hält die Digitalisierung für ungemein wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft, doch er mahnte auch: „Nicht alle Unternehmen können diese große Aufgabe im gleichen Maße bewerkstelligen“. Es müsse daher breite Unterstützung aus der Politik und von Verbänden kommen. Laut Michael Dietz, Global Head of Trade Finance Flow bei der Deutschen Bank, habe der Mittelstand erkannt, welches Potenzial in der Digitalisierung für den Welthandel stecke. „Doch es ist noch ein weiter Weg, da muss man sich nichts vormachen“, sagte er.

Ein weiteres wichtiges Thema für die Wirtschaft ist Nachhaltigkeit, um das derzeit kaum ein Unternehmen herumkommt. Thomas Nürnberger, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing bei ebm-papst, ist der Ansicht, dass nachhaltiges Wirtschaften global betrachtet werden müsse, nicht nur hier vor Ort. Das Unternehmen fahre eine sogenannte Local-Strategie, die Leitlinien zur Nachhaltigkeit gelten dabei weltweit: „Wir versuchen, unsere Produkte möglichst in der Nähe unserer Kunden vor Ort zu produzieren, somit muss weniger verschifft werden“, so Nürnberger.

Volker Treier, Außenwirtschaftschef der DIHK, äußerte sich u.a. zum Lieferkettengesetz, dem er in der geplanten Form skeptisch gegenüberstehe. Firmen dürften seiner Ansicht nach nicht haftbar gemacht werden für gewisse Dinge, die sie nicht beeinflussen können. Allgemein werde das regulatorische Umfeld für Unternehmen immer strenger. „Es besteht die Gefahr einer Überforderung des Mittelstands“, warnte Treier.

Engpässe erfordern neue Lösungen

Die Verlängerung der Lieferzeiten wegen Materialmangel und Verzögerungen in der Logistik sprach Rainer Hertler, Director Financing & Logistics der Brückner Trockentechnik, an. Im Themenforum „Erfolgreiche Exportgeschäfte in volatilen Wachstumsmärkten“ wies er auf die Folgen für die Exportfinanzierung hin: „In einigen Ländern Südamerikas oder Südostasiens wird es schwierig, Geschäfte zu finanzieren, wenn die Laufzeit durch die Verzögerungen in Richtung zwölf Monate geht.“ Vor allem bei kurzfristigen Finanzierungen über Akkreditive seien deren Bedingungen dann nicht einzuhalten.

Eine Nutzung offener Forderungen in Landeswährung ist für Klaus Hepp, Geschäftsführer von Vulkan do Brasil, ein geeignetes Mittel für das Geschäft mit Industrieausrüstungen. Die Zahlungsmoral sei gut und die Geschäftsbeziehungen stabil. Er verfolge den Traum vom „Natural Hedge“, der Devisenbedarf und Devisenerlöse ausgleiche, und habe dabei bislang gute Erfolge erzielt. „Wir haben in den vergangenen Jahren die Beschaffung von Rohstoffen vom Import auf lokale Beschaffung umgestellt“, erläuterte Hepp.

Exportkontrolle umfassender betrachten

Georg Pietsch, Abteilungsdirektor im Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, ging am „Tag der Exportweltmeister“ auf die neuen Herausforderungen in der Exportkontrolle ein. Er erläuterte etwa, dass im Rahmen der neuen EU-Dual-Use-Verordnung als neue Kategorie „Güter für digitale Überwachung“ hinzugekommen sind. „Es wird fortan kontrolliert, ob diese für interne Repressionen oder Menschenrechtsverletzungen verwendet werden,“ sagte Pietsch. Es sei wichtig, ein effektives Risk- und Compliance-Management im Unternehmen zu etablieren.

Im Hinblick auf die vergangene Bundestagswahl und die Regierungsbildung verwies er auf die Wahlprogramme der Parteien. Aus den Programmen von CDU/CSU und FDP seien keine grundlegenden Änderungen der Exportkontrolle abzulesen. Dagegen wären von SPD und Bündnis 90/Die Grünen Verschärfungen zu erwarten. Insbesondere die Grünen würden mit der Möglichkeit zur Verbandsklage eine neue Komponente vorschlagen. Er empfahl, die Export-Compliance auch im Hinblick auf politische Aspekte umfassender zu betrachten.

Compliance digital umsetzen

Im anschließenden Themenforum „Compliance im Export mit ICP, IT und ERP krisenfest machen“ ging es um die Bedeutung einer eindeutigen Umsetzung des „Internal Compliance Programs“ durch digitale Anwendungen. Ingrun Retzlaff, Leiterin Exportkontrolle von Vincorion, nannte klare Zuständigkeit und klare Ansagen als wichtige Komponenten der internen Exportkontrolle. Für Dirk Hagemann, Rechtsanwalt und Berater von Hagemann Trade Compliance Consulting, muss „der Fokus zwingend auf den IT-Lösungen sein“. Retzlaff ergänzte: „Automatisierte Exportkontrolle ist auch die Erwartungshaltung der Behörden.“

Mit einer weiteren Diskussion zu Compliance im transatlantischen Geschäft und zur Digitalisierung der Logistik schloss die dritte Runde der Themenforen ab. Den Schlusspunkt der Veranstaltung setzte eine Diskussion über Fußball und Banking, die noch einmal dem besonderen Veranstaltungsort gewidmet war. Im Deutsche Bank Park wird auch 2022 wieder ein „Tag der Exportweltmeister“ stattfinden.

tim.goldau@maerkte-weltweit.de

www.maerkte-weltweit.de

redaktion@exportmanageronline.de

www.exportmanageronline.de

Aktuelle Beiträge