Der Kreditversicherer Coface rechnet mit einer Abnahme der Risiken in Ländern mit hohen Impfquoten. Auch in Branchen, die von der Pandemie profitiert haben oder deren Auswirkungen überwunden haben, bessern sich die Bewertungen.

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Für insgesamt fünf Nationen hat Coface seine Länderrisikoeinschätzung zum Ende des ersten Quartals 2021 heraufgestuft. Israel konnte sich von A3 auf A2 verbessern, obwohl die jüngsten Wahlen das politische Patt rund um die Ministerpräsidentschaft Benjamin Netanjahus nicht lösen konnten. In erster Linie tragen die deutlichen Fortschritte der Impfkampagne zur Aufwertung bei. Weit über die Hälfte der Bevölkerung ist bereits vollständig geimpft. „Ein erneuter Lockdown wird dadurch immer unwahrscheinlicher. Das gibt der israelischen Wirtschaft eine positive Perspektive“, erklärte Coface-Volkswirtin Christiane von Berg bei der Vorstellung der neuen Länderrisikoeinschätzung.

Die Bewertung der Vereinigten Arabischen Emirate, hier sind 40% der Bevölkerung vollständig geimpft, steigt von A4 auf A3. Gleiches gilt für Chile, das auch zu den zehn Ländern mit der höchsten Impfquote zählt. Ebenfalls auf A3 verbessert sich das Länderrisiko des Vereinigten Königreichs. „Neben der starken Impfkampagne spielt hier vor allem das neue Handelsabkommen mit der Europäischen Union eine wichtige Rolle, welches nach Jahren der Unsicherheit endlich Planungssicherheit bietet“, sagte von Berg.

Heraufgestuft wird auch Guatemala, von Risikoklasse D auf C. In Guatemala waren allerdings weniger die Impferfolge ausschlaggebend als vielmehr die politische Stabilisierung, ergänzte von Berg in einem Vortrag auf dem  „Coface Kongress Länderrisiken“. Die USA, die bei der Impfkampagne schnell vorankamen, wurden dagegen nicht hochgestuft, da die politische Unsicherheit im Vorfeld der Urteilsverkündung zur Tötung von George Floyd erhöht war. Die Länderrisikoeinschätzung von Coface spiegelt die Wahrscheinlichkeit von erhöhten Zahlungsausfällen in einem Land in den nächsten sechs Monaten wider.

Globale BIP-Prognose auf 5,1% korrigiert

Die globalen Konjunkturaussichten fallen für das Jahr 2021 weiterhin positiv aus. Coface hat die Prognose für das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das Jahr 2021 von 4,5% auf 5,1% korrigiert. Dies ist in erster Linie einer besseren Entwicklung der wirtschaftlichen Aktivität in vielen Schwellenländern zum Ende des Jahres 2020 geschuldet. Da die zweite Pandemiewelle deutlich größere und längere Ausmaße angenommen hat, als dies vorab angenommen wurde, starteten viele große Volkswirtschaften in Europa mit einem negativen BIP-Wachstum ins Jahr 2021. Das drückt die Konjunkturprognosen für Frankreich (BIP-Wachstum für 2021 von zuvor 7,1% auf 5,4% revidiert), Spanien (von 6,4% auf 6,1%) und Italien (von 5,1% auf 4,2%) ebenso wie für das Vereinigte Königreich (von 5,9% auf 4,0%).

Die Länderrisikoeinschätzung von Coface für Deutschland bleibt zum Ende des ersten Quartals 2021 jedoch bei A3. „In gewisser Weise ist das ärgerlich. Der Fokus der deutschen Wirtschaft auf dem verarbeitenden Gewerbe ist derzeit eine sehr gute Ausgangsposition für eine deutliche Belebung und damit einhergehend auch für eine Aufwärtsrevision der Länderrisikoeinschätzung. Der große Knackpunkt bleibt aber die Impfkampagne. Lange Zeit stagnierte die Zahl der täglichen Impfungen. Hinzu kamen das Hin und Her über den Einsatz des Impfstoffs von AstraZeneca sowie die Lieferengpässe des Unternehmens“, sagte von Berg.

Weniger Arztbesuche aufgeschoben, mehr Bedarf an Kartonagen

In der aktuellen Beurteilung der Branchenrisiken verbesserten sich die Einschätzungen für die Pharmaindustrie (von mittleres auf niedriges Risiko), die Papier- (von hohes auf mittleres Risiko) und die Metallbranche (von sehr hohes auf hohes Risiko). Der Ausblick für die Pharmaindustrie hat sich aufgehellt, weil die Pharma-Rohstoffknappheit großteils abgenommen hat und weil im aktuellen Lockdown Arztbesuche seltener aufgeschoben werden. Dadurch hat sich die Medikamentennachfrage normalisiert. „Deutschland profitiert zudem vom starken Fokus auf Forschung und Entwicklung. Gerade im Bereich der Behandlung von Covid-19 wird aktuell viel investiert“, erläuterte von Berg.

Der Papiersektor wird zum einen beflügelt von der hohen Nachfrage nach medizinischen Produkten wie Masken, zum anderen von der Verpackungsindustrie und deren Nachfrage nach Kartonagen, die im E-Commerce genutzt werden. Ein Manko bleibt allerdings die weiterhin sinkende Nachfrage nach hochwertigen Papieren, da immer weniger Druck-erzeugnisse wie Magazine oder Zeitungen gelesen werden.

„Die Metallbranche profitiert vor allem von der Belebung des Maschinenbaus und des globalen Automobilmarktes, bleibt aber auch auf der neuen Risikostufe eines unserer Sorgenkinder“, sagte von Berg. Gerade die Rohstoffknappheit, bspw. von Aluminium, bremse derzeit die Produktion stellenweise aus. Die Risikoeinschätzung von Coface spiegelt die Wahrscheinlichkeit von erhöhten Zahlungsausfällen in einer Branche in den nächsten sechs Monaten wider.

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