Das kroatische Parlament hat ein Gesetz zur Vorbereitung der Euro-Einführung im Jahr 2023 verabschiedet. Die hohe Inflation bildete die letzte Hürde für die endgültige Billigung durch die Europäische Kommission und die Europäische Zentralbank. Schon jetzt kommt der Euro in dem Land vielfach zum Einsatz.

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Mit großer Mehrheit hat das kroatische Parlament das Gesetz zur Vorbereitung der Euro-Einführung im kommenden Jahr verabschiedet. Die EU-Kommission hat am 1. Juni ihre Genehmigung erteilt. Die hohe Inflation hatte die Pläne der kroatischen Regierung erschwert, das entsprechende Konvergenzkriterium zu erfüllen. Gleichwohl halfen staatliche Anpassungsmaßnahmen sowie die Tatsache, dass die gesamte Euro-Zone unter der von außen verursachten, hohen Inflation leidet, Kroatien dabei, bald der 20. Mitgliedstaat der Euro-Zone zu werden.

Es hing an der Inflation

Der Euro-Beitritt Kroatiens bereits zum 1. Januar 2023 ist nun wahrscheinlich. So unterstreicht die jüngste Parlamentsabstimmung zur Vorbereitung der Euro-Umstellung die breite politische Unterstützung und die Entschlossenheit, die gemeinschaftliche Währung im kommenden Jahr in dem südosteuropäischen Staat einzuführen. Dies erforderte die Auseinandersetzung mit der wichtigen Frage der Preisstabilität, die derzeit von der hohen Inflation infolge stark steigender Nahrungsmittel- und Energiepreise beeinträchtigt wird. Im April stieg die Inflation auf einen Rekordwert von 9,4% gegenüber dem Vorjahr und lag damit über dem Euro-Zonen-Durchschnitt in Höhe von 7,4%.

Um die Belastungen abzumildern, hat die Regierung die Umsatzsteuer auf Energie-und Nahrungsmittel gesenkt, eine Obergrenze für Energiepreise eingeführt – und die Kroatische Nationalbank ihre Geldpolitik gestrafft. Im April bezifferte der Internationale Währungsfonds seine Einschätzung für Kroatiens Durchschnittsinflation für das aktuelle Jahr auf 5,9%, was immer noch leicht über dem erwarteten Durchschnitt der Euro-Zone von 5,3% liegt. Es ist jedoch möglich, dass die endgültige Teuerungsrate Ende dieses Jahres höher liegen wird. Aus diesem Grund herrschte hinsichtlich des Einführungsjahrs des Euro bis zuletzt eine gewisse Unsicherheit. Die Europäische Kommission zeigte sich bei ihrer Beurteilung jedoch verständnisvoll, da die Energie- und Nahrungsmittelpreiskrise kein rein kroatisches, sondern vielmehr ein globales Problem ist.

Drei Konvergenzkriterien werden von Kroatien erfüllt

Abgesehen von der Voraussetzung der Preisstabilität werden die übrigen drei Konvergenzkriterien von Kroatien erfüllt: Die öffentlichen Finanzen sind tragfähig (d.h. das Haushaltsdefizit und die Staatsverschuldung liegen in diesem Jahr jeweils unter 3% bzw. 80% des Bruttoinlandsprodukts), der Wechselkurs der Kuna gegenüber dem Euro ist weitgehend stabil, seit Kroatien 2020 dem Wechselkursmechanismus II beigetreten; auch den Anforderungen hinsichtlich der langfristigen Zinssätze wird entsprochen.

Angesichts seiner hohen Abhängigkeit vom Tourismus (vorwiegend aus den umliegenden EU-Staaten) wird Kroatien vom Euro als gesetzliches Zahlungsmittel profitieren. Im Übrigen findet der Euro in Kroatien bereits breite Anwendung, nicht nur im Tourismus, sondern etwa auch im Bankensektor oder bei der Denomination der Auslandsverschuldung. Die Euro-Einführung wird ein positiver Faktor für die Steigerung der Liquidität und Investitions­attraktivität Kroatiens sowie für die Senkung der Zinssätze. Da die kroatische Volkswirtschaft stark von der Pandemie getroffen wurde, insb. aufgrund der schweren globalen Tourismuskrise, sind solche Vorteile ausgesprochen begrüßenswert.

Nach einem Einbruch des realen BIP von 8,6% im Jahr 2020 legte die Wirtschaft 2021 um 10,4% zu, was u.a. einer kräftigen Belebung der Reiseindustrie zu verdanken ist. Die Aussichten für die diesjährige Tourismussaison sind vom Ende der Covid-19-Beschränkungen geprägt; das BIP-Wachstum könnte 2,7% betragen. Diese Zahl berücksichtigt bereits die Folgen des Kriegs in der Ukraine, also in erster Linie die hohen Rohstoffpreise, die sich auf das Konsumklima und die Erzeugerpreise in Kroatien auswirken.

Der Konflikt könnte angesichts der steigenden Lebenshaltungskosten in Europa jedoch auch mögliche Urlaubspläne beeinflussen. Die Sicherheitsfrage und die Furcht vor einer Ausweitung des Konflikts (die Entfernung zwischen Kroatien und der Ukraine beträgt weniger als 1.000 km) könnten sich ebenfalls negativ auswirken. Auch die anhaltenden Lieferengpässe und die steigende Gefahr einer Rezession in der EU beeinträchtigen Kroatiens künftige Wirtschaftsleistung. Folglich werden die Aussichten von einer schwächeren Binnen- und Auslandsnachfrage geprägt.

Risikobewertungen bleiben unverändert

Da Kroatien Nettoimporteur von Brennstoffen ist, könnten steigende Importkosten darüber hinaus zu einer leicht defizitären Leistungsbilanz führen, bevor ab 2023 wieder ein Überschuss erwirtschaftet wird. Diese Prognose wird in entscheidendem Maße von der Entwicklung der Tourismusbranche abhängen, da diese vor der Pandemie über 30% der gesamten Leistungsbilanzeinnahmen ausmachte. In den kommenden Monaten dürften Credendos Risikobewertungen einstweilen unverändert bleiben. Längerfristig bilden eine über den Erwartungen liegende Tourismussaison, die Euro-Einführung im Jahr 2023 sowie eine intensivere Nutzung der EU-Wiederaufbaufonds Faktoren für eine Verbesserung des Ausblicks.

Ausführliche Länderberichte finden Sie auf der Seite www.credendo.com

k.koch@credendo.com

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