Während die wirtschaftlichen Ungleichgewichte zwischen Nord- und Südeuropa die Euro-Zone auf eine harte Probe stellen, bereiten sich die baltischen Staaten auf die weitere Integration in den gemeinsamen Währungsraum vor. Estland gelang der Beitritt zur Euro-Zone bereits 2011, Lettland und Litauen wollen 2014 und 2015 folgen. Es locken Wechselkursstabilität und ausländische Investitionen.

Von Gunther Schilling, Redaktionsleiter ExportManager, F.A.Z.-Institut

Das erste Beitrittsjahr schloss Estland mit einem Rekord ab. Die reale Wachstumsrate des Landes erreichte 2011 mit 7,6% den höchsten Wert innerhalb der EU. Seither hat sich das Wachstum zwar abgeschwächt, doch mit über 3% bleibt die Konjunktur lebhaft. Erfolgsrezepte sind neben der Wechselkursstabilität niedrige Fehlbeträge in Haushalt und Leistungsbilanz sowie eine insgesamt geringe öffentliche Verschuldung. Ausländische Investoren setzen auf Zukunftsbranchen wie Elektronik und profitieren von einem ausgezeichneten Geschäftsumfeld.

Die estnische Wirtschaft wird insbesondere von der Binnennachfrage angetrieben, die von den niedrigen Zinsen sowie der sinkenden Arbeitslosenzahl profitiert. Estlands Außenhandel stützt sich zudem auf Länder außerhalb der Euro-Zone, deren Währungen zum Teil gegenüber dem Euro aufgewertet haben. So ist Schweden nicht nur ein wichtiger Absatzmarkt, auch ein Großteil der ausländischen Direktinvestitionen stammt von dort. Trotzdem ist Estland auch fest in der Euro-Zone verankert. So nehmen Finnland und Deutschland bedeutende Teile der estnischen Exporte ab.

Lettland legte Ende Januar 2013 eine weitere Etappe auf dem Weg zur Einführung des Euro zurück. Mit der Annahme eines Gesetzes über den Beitritt zur Euro-Zone und die Währungsumstellung von Lats auf Euro ist der Weg in Lettland frei. Nun bedarf es noch eines Konvergenzberichts der EU zur Beitrittsreife des Landes. Darin dürfte die Einhaltung der Konvergenzkriterien von Maastricht bestätigt werden. Anfang März 2013 stellte die lettische Regierung in Brüssel den Antrag zur Einführung des Euro. Der Beitritt zur Euro-Zone soll zum 1. Januar 2014 erfolgen.

Ebenso wie Estland verzeichnete Lettland in den vergangenen zwei Jahren ein hohes Wachstum, das sich auch 2013 leicht abgeschwächt fortsetzen dürfte. Der Außenhandel profitierte ebenfalls von einer leichten Abwertungstendenz gegenüber den wichtigen Partnern Schweden und Russland. Zudem genießt das Land bei den Investoren bereits einen Beitrittsbonus, der durch die politische Stabilität noch gesteigert wird. Allerdings liegt der Entwicklungsstand des Landes noch weit unter dem Durchschnitt der EU.

Die Voraussetzungen für die Einführung des Euro sind auch in Litauen geschaffen. Zwar lag die Inflationsrate 2012 mit 3,2% an der Obergrenze des entsprechenden Maastricht-Kriteriums. Doch der Preis-trend weist für 2013 auf eine moderatere Teuerung hin. Die Staatsverschuldung und die monetären Indikatoren liegen ohnehin im akzeptablen Rahmen. Für die Außenwirtschaft birgt der Euro Vorteile bei der finanziellen Abwicklung mit den Eurostaaten. Einige der wichtigsten Zielmärkte, wie Polen und Russland, verfügen zwar noch über eigene Währungen. Hier macht sich allerdings die Abwertung des Euro positiv bemerkbar, da die Landeswährung Litas diesem Abwertungstrend folgt und Wettbewerbsvorteile erzeugt.

Kontakt: g.schilling[at]faz-institut.de

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