Während die Exporte der italienischen Konjunktur 2014 etwas Auftrieb geben, leidet die französische Außenwirtschaft unter ­mangelnder Wettbewerbsfähigkeit. Dort erhält die Binnennachfrage etwas Auftrieb. In beiden Ländern besteht jedoch Reform­bedarf, und insbesondere Frankreich muss sich dem Abbau seiner Defizite in Haushalt und Leistungsbilanz widmen.
Coface bewertet Frankreich (A3) jedoch weiterhin besser als Italien (B).

Von Dr. Dirk Bröckelmann, Economic Research, Coface, Niederlassung in Deutschland

Exportwirtschaft lässt Italien hoffen

Nachdem die Rezession das Land auch im vergangenen Jahr noch fest im Griff hatte, könnte 2014 eine leichte Konjunkturbelebung einsetzen. Der Binnenkonsum wird zu dieser positiven Entwicklung allerdings nicht beitragen können, denn weder von der öffentlichen noch von der privaten Nachfrage sind nennenswerte Impulse zu erwarten. Da sich der leichte Konjunkturaufschwung im Wesentlichen in längeren Arbeitszeiten und weniger in der Schaffung neuer Arbeitsplätze niederschlägt, bleibt die Arbeitslosenquote mit 12% auf einem hohen Niveau, wodurch die positiven Auswirkungen der Lohn- und Gehaltserhöhungen abgeschwächt werden.

Immerhin kann mit einer allmählichen Lockerung der Voraussetzungen für die Gewährung von Bankdarlehen gerechnet werden. Damit dürfte sich die bislang rückläufige Tendenz bei der Kreditvergabe langsam wieder ins Gegenteil wenden, was für den Konsum und die Investitionstätigkeit leichten Aufwind bringen könnte.
Dieser Hoffnungsschimmer betrifft vor allem die Exportunternehmen, die ihre Umsätze durch die anziehende Nachfrage aus dem Ausland aller Voraussicht nach steigern werden. Durch die Stagnation der Lohnstückkosten kann das Land bei der Wettbewerbsfähigkeit wieder Boden gutmachen. Insbesondere in den Schwellenländern dürfte sich die starke Aufstellung der italienischen Unternehmen im Maschinenbau und in der Metallverarbeitung auszahlen.
Trotzdem ist die Lage der italienischen Unternehmen nach wie vor besorgnis- erregend. Die von Coface verzeichnete Zahlungsmoral lässt nach wie vor sehr zu wünschen übrig und liegt unter dem europäischen Durchschnitt. Darin spiegelt sich nicht nur die allgemeine wirtschaftliche Schieflage des Landes wider, sondern insbesondere auch die zahlenmäßig hohe Bedeutung, die Kleinstunternehmen mit schwacher Kapitalausstattung in der Unternehmenslandschaft einnehmen. Auch die Zahlungsrückstände der öffentlichen Hand, die für Europa überdurchschnittlich hoch sind, tragen zur allgemeinen Misere bei. Die Tatsache, dass der Staat kürzlich einen Zahlungsplan für offene Forderungen von Unternehmen aufgestellt hat, lässt hoffen, dass sich die Finanzlage der Firmen etwas entspannt.

Nach dem Rücktritt Enrico Lettas und der Übernahme der
Regierungsverantwortung durch den reformorientierten Parteivorsitzenden der Demokratischen Partei, Matteo Renzi, ist mit einer Verstärkung der Reformanstrengungen zu rechnen. Allerdings werden es sich die beiden Oppositionsparteien „Forza Italia“ und die Fünf-Sterne-Bewegung von Beppe Grillo nicht nehmen lassen, ihre Angriffe im Vorfeld der Europawahlen im Mai 2014 zu intensivieren.

Frankreich muss Wettbewerbs­fähigkeit stärken und Haushalt sanieren

Der für 2014 erwartete Aufschwung wird wahrscheinlich durch die hohe Arbeitslosigkeit (11% der Erwerbsbevölkerung), die mangelhafte Wettbewerbsfähigkeit und die Maßnahmen zur Sanierung des Staatshaushalts ausgebremst. Daran dürfte auch die mit subventionierten Arbeitsplätzen erzielte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt nichts ändern. Der wichtigste Wachstumsmotor werden wohl die Ausfuhren sein. Die wiedererstarkende europäische Wirtschaft dürfte für einen Anstieg bei den Ausfuhren sorgen, wenngleich dieser geringer ausfallen dürfte als die Steigerung der weltweiten Nachfrage. Bei den Konsumausgaben und den Investitionen ist mit einem leichten Zuwachs zu rechnen. In Anbetracht der niedrigen Inflationsrate dürfte die Kaufkraft der Privathaushalte nicht allzu stark unter den Steuererhöhungen zu leiden haben. Zudem haben die Haushalte immer noch die Möglichkeit, ihre Ersparnisse anzugreifen. Die langsam steigende Auslastung der Fertigungskapazitäten und der Impuls, der von der Freigabe der Steuergutschriften im Rahmen des „Pakts zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit“ ausgehen dürfte, könnten zu einer positiven Entwicklung bei den Investitionen führen.

In Anbetracht der knappen Gewinnspannen (28%) und der geringen Selbstfinanzierungsquote (67%) der französischen Unternehmen sind ihre Möglichkeiten begrenzt, den Aufschwung aus eigener Kraft zu schaffen. Im Vergleich zu deutschen Firmen sind französische Unternehmen vielfach zu klein, insgesamt nicht innovativ genug und zu wenig exportorientiert. Außerdem sind sie in den wachstumsstarken Schwellenländern nicht ausreichend präsent. In vielen Firmen sind die Produktionskosten zu hoch, um in unteren und mittleren Marktsegmenten wettbewerbsfähig zu bleiben, und die Ausrichtung auf höherwertige Marktsegmente gelingt nur mäßig.

Nach wie vor stecken viele Firmen in finanziellen Schwierigkeiten. Während bei den Unternehmen mittlerer Größe die Anzahl der Insolvenzen zurückgegangen ist, nimmt die Zahl bei den KMUs derzeit wieder zu. Nach einem leichten Anstieg auf rund 62.500 Insolvenzen im Jahr 2013 ist für das laufende Jahr jedoch nicht mit einer weiteren Zunahme zu rechnen, denn es sind bereits die ersten zögerlichen Anzeichen des Aufschwungs zu erkennen. Im Handel, der Textil- und Bekleidungsbranche und im Baugewerbe wird sich die Lage zunächst wohl noch weiter verschlechtern. Dabei bleibt die Bauindustrie mit Abstand die anfälligste Branche, da hier die Konjunktur weiterhin schwächelt (langsamer Preisverfall, Rückgang der Neubauvorhaben). Im Gegensatz dazu ist bei anderen Branchen eine Besserung der Lage in Sicht, so beispielsweise in der Papier- und Holzbranche oder der chemischen Industrie.

Das Haushaltsdefizit geht langsam zurück. Die Steuergutschriften und die im Haushalt 2014 vorgesehenen Ausgabensenkungen dürften zur Verringerung der Produktionskosten beitragen. Auch die staatlichen Maßnahmen zur Stützung des Arbeitsmarktes werden die Lage für die Unternehmen wohl etwas entspannen. Dennoch zählen die Staatsausgaben mit knapp 57% des BIP nach wie vor zu den höchsten der Euro-Zone. Das zeigt sich auch in der Steuerlast, die weit über dem europäischen Durchschnitt liegt.

Die Höhe der steuerlichen und sozialen Abgaben und die geringe Flexibilität bei Löhnen und Gehältern sowie deren Folgen für die Rentabilität der Unternehmen und die Ausweitung ihres Angebots werden sicher auch weiterhin ein zentrales Thema der wirtschaftspolitischen Debatte sein. Der gegenwärtige Anstieg der sozialen Unzufriedenheit, der sich auch im Ergebnis der anstehenden Kommunalwahlen und insbesondere der Europawahlen zeigen dürfte, wird die Regierung jedoch wohl trotzdem nicht dazu bewegen, tiefgreifende Strukturreformen durchzusetzen.

Kontakt: dirk.broeckelmann[at]coface.de

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