Indiens Wirtschaft kommt nur langsam voran. Die Abwertung der Landeswährung verschärft die Schieflage der Leistungsbilanz. Grundsätzlich geht das Volumen der Neuinvestitionen zurück. Doch in einigen Bereichen herrscht weiter rege Nachfrage. Hier entdecken Exporteure die ECA-gedeckte Exportfinanzierung als zusätzlichen Wettbewerbsvorteil wieder.

Von Luis-Miguel Gutiérrez, Büroleiter Mumbai, KfW IPEX-Bank

Das wohl prominenteste Infrastrukturvorhaben Indiens ist derzeit die langfristige Entwicklung eines Industriekorridors zwischen Delhi und Mumbai mit einem Investitionsvolumen von alleine 90 Mrd USD. Es bietet deutschen Unternehmen zahlreicher Sektoren Absatz- und Investitionschancen. Langfristig soll der Korridor in verschiedenen Erweiterungsstufen die wichtigen Wirtschaftszentren Delhi, Mumbai, Chennai und Bangalore verbinden.

Kurz- bis mittelfristig soll eine Reihe anderer Vorhaben der öffentlichen Hand umgesetzt werden. So befinden sich z.B. diverse Projekte im öffentlichen Personennahverkehr wie die Erweiterung der Metro Delhi in den Vorort Gurgaon, der Mumbai Elevated Rail Corridor oder die Monorail in Kerala in unterschiedlich fortgeschrittenen Projektphasen.

Darüber hinaus bietet die Privatwirtschaft den deutschen Exporteuren weiterhin gute Geschäftsmöglichkeiten. Die wichtigsten Unternehmen Indiens erweitern nach wie vor ihre Kapazitäten, und ausländische Investoren z.B. im Automobilsektor entdecken Indien trotz jüngst rückläufiger Absatzzahlen als interessanten Produktionsstandort für lokale und internationale Absatzmärkte.

Gute Absatz- und Investitionschancen finden sich für die deutsche Wirtschaft gerade in den Segmenten, in denen die deutschen Exporteure stark sind. Maßgeblich ist allerdings für deutsche Exporteure, dass sie sich geschickt positionieren und ihren Bestellern bereits in einem frühen Stadium einen Mehrwert bieten, denn Indien sieht sich derzeit vor einer Reihe von Herausforderungen, die Auswirkungen mitunter auch auf die Absatzmöglichkeiten deutscher Exporteure haben können.

Hat das hohe Wirtschaftswachstum Indiens deutschen Exporteuren jüngst noch zahlreiche Absatzchancen beschert, so ist das Wachstum nun aufgrund der schwelenden Inflation und hoher Zinsen ins Stocken geraten und auf das niedrigste Niveau der letzten zehn Jahre gesunken.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Rupie gegenüber dem US-Dollar jüngst drastisch abgewertet hat, was die Rahmenbedingungen für Exporteure und Besteller verschärft hat. Sie verlor seit Jahresbeginn 2013 rund 20% gegenüber dem Euro und notierte Ende August bei 90 INR/EUR.

Da Indien von Rohstoffimporten insbesondere zur Energieerzeugung abhängig ist, ist es nicht verwunderlich, dass die oberste Priorität der RBI derzeit auf der Stabilisierung der Rupie liegt, und zwar auch unter Inkaufnahme einer weiteren Kontraktion der Wirtschaft.

Die Finanzierungskosten indischer Banken werden sich vor dem Hintergrund der von der RBI eingeleiteten Maßnahmen zur Aufwertung der Rupie erhöhen. Einzelne indische Banken haben bereits ihre Einlage- und Darlehenssätze angehoben. Da zudem langfristige Projekte oftmals nicht laufzeitkongruent durchfinanziert und teilweise weder gegen Währungs- noch gegen Zinsänderungsrisiken geschützt sind, erkennen Besteller zunehmend das Erfordernis, sich langfristig gegen diese Marktrisiken abzusichern.

Die KfW IPEX-Bank leistet einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der deutschen und europäischen Exportwirtschaft in diesem Umfeld. Sie hat sich auf dem indischen Markt gut positioniert und ihre traditionelle Geschäftsstrategie, die auf den Ausbau von langfristigen Beziehungen mit Kunden aus dem Unternehmens- und Finanzsektor ausgerichtet ist, erfolgreich etabliert. In Indien begleitet sie seit über 50 Jahren Exporteure bei der Finanzierung ihrer Absätze bereits in sehr frühen Projektphasen. Seit 2007 ist sie mit einer Repräsentanz in Mumbai mit der regionalen Zuständigkeit Indien, Bangladesch und Sri Lanka fest verankert.

In einem Markt wie Indien, in dem nicht nur die Qualität des Produkts, sondern auch der Preis eine wichtige Rolle spielen, haben deutsche Exporteure die Chance erkannt, sich durch begleitende Finanzierungen für Lieferungen und Investitionen einen wichtigen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen. Dies ist umso wichtiger geworden, seit die internationale Konkurrenz auf dem indischen Markt, insbesondere die aus Japan und Korea, zunehmend härter wird.

In dieser Situation hat die ECA-gedeckte Finanzierung deutlich an Attraktivität gewonnen. Die Besteller begreifen diese Finanzierungsform, insbesondere in Kombination mit CIRR-Finanzierungen, als einen idealen Zugang zu einem langfristigen, günstigen und im Falle von CIRR-festverzinslichen Darlehen.

Selbst wenn ein Unternehmen über keine Einnahmen in Fremdwährungen wie US-Dollar oder Euro verfügt, ist eine CIRR-Finanzierung zuzüglich der Versicherungsprämie sowie der Kosten einer Währungsabsicherung gegen die Abwertung der Rupie für die lokalen Unternehmen oftmals günstiger als ein Lokalwährungsdarlehen über die indische Hausbank. Hinzu kommt, dass die Kosten zur Währungsabsicherung derzeit leicht invers sind und bei langen Laufzeiten etwas niedriger notieren.

Nicht nur kleine und mittlere Unternehmen haben dies erkannt, sondern ebenfalls Wirtschaftsriesen wie Reliance Industries Limited. Im Jahr 2012 wurde zwischen Reliance Industries und einem von der KfW IPEX-Bank geführten internationalen Konsortium ein Kreditvertrag über 2 Mrd USD geschlossen, unter dem Lieferungen modernster deutscher Anlagentechnik meist mittelständischer Exporteure finanziert werden.

Als pragmatische Alternative zum klassischen Bestellerkredit gilt weiterhin das ECA-gedeckte oder ungedeckte Onlending, auch „2-Step Loan“ genannt. Beim Onlending vergibt die KfW IPEX-Bank einen Kredit an eine lokale Bank, die diesen dann an ihren indischen Besteller weiterleitet. Das Projekt- bzw Bestellerrisiko trägt die indische Bank. Die KfW IPEX-Bank übernimmt lediglich das Adressrisiko der indischen Bank.

Der Vorteil dieser Finanzierung ist die vergleichsweise schlanke Abwicklung, da die KfW IPEX-Bank bereits entsprechende Rahmenabkommen mit lokalen Partnerbanken vorhält. Darüber hinaus können Wechselkursrisiken von der indischen Bank mitigiert werden, ohne dass sich der Besteller selbst absichern muss. Insbesondere kleinere Finanzierungen oder Vorhaben, deren Risiken von indischen Banken alleine schon aufgrund deren geographischer Nähe besser beurteilt werden können, können hierüber mit einem Zinsvorteil für den Besteller finanziert werden.

Viele deutsche Exporteure haben erkannt, wie sie in einem schwierigen Markt durch die intelligente Steuerung von Finanzierungen, selbst wenn diese zunächst nicht gefordert sind, ihre Kunden unterstützen und sich hierdurch einen Wettbewerbsvorteil verschaffen können.

Kontakt: Luis-Miguel.Gutierrez[at]kfw.de

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