Wer international tätig ist, muss mit mangelnder Transparenz, Risiken und hoher Komplexität umgehen können. Durch den Einsatz von Avalen können die Risiken aus internationalen Geschäften minimiert und effektiv gesteuert werden. Die Stellung von Avalen bedeutet aber auch immer eine Belastung der Kreditlinien. Daher nehmen der sichere Umgang mit Avalen und ein aktives Avallinienmanagement eine Schlüsselrolle im Treasury von international agierenden Unternehmen ein.

VVon Klaus-Walter Müller, Head of Trade Deal Solutions Team Deutschland, Deutsche Bank AG

Die weiter anhaltende Finanz- und Wirtschaftskrise hat für deutsche Unternehmen vielerlei Auswirkungen. Unter anderem sind die europäischen Peripherieländer wie Spanien und Italien dazu gezwungen, ihre großen Leistungsbilanzdefizite abzubauen. Dies führt dazu, dass deutsche Exporte in diese Länder in den vergangenen Monaten zurückgegangen sind. Weltweit gesehen, sind deutsche Exporte allerdings wieder angestiegen und somit weiterhin der Motor der deutschen Wirtschaft (Quelle: Deutsche Bank Research). Dies liegt daran, dass deutsche Unternehmen vermehrt in andere Wirtschaftsräume der Welt exportieren.

Dieser zunehmend diversifizierte Handel stellt Unternehmen allerdings vor die Herausforderung, die damit zusammenhängenden Risiken möglichst effizient zu steuern. Dazu können Unternehmen unterschiedliche Arten von Avalen nutzen. Dies sind Bürgschaften in Form von unbesicherten Krediten, bei denen eine Bank gegen Zahlung einer Provision das Zahlungsausfallrisiko des exportierenden Unternehmens übernimmt.

Die Ausstellung und der Erhalt von Avalen sind komplexe Prozesse: Warenlieferungen und Zahlungen entlang der Wertschöpfungskette sollen durch Avale abgesichert werden. Diese sind in den meisten Fällen abstrakt, d.h. losgelöst vom Grundgeschäft, und beinhalten somit nicht unerhebliche Risiken für das Unternehmen. Die richtige Handhabung von Avalen erfordert ein hohes Maß an Fachwissen und Expertise der Mitarbeiter im Einkauf und Vertrieb, die mit dem Thema Stellung und Einforderung von Avalen betraut sind.

Unternehmensstrukturen mit Verbesserungsspotential

In international gewachsenen Unternehmensstrukturen existiert oft keine einheitliche Aufbauorganisation, die handelnden Personen sind dezentral angesiedelt, und es erfolgt lediglich ein auftragsbezogenener Informationsaustausch. Um den Gesamtkontext zu betrachten, fehlen häufig die Zeit bzw. die entprechenden Strukturen im Unternehmen.

Für international tätige Unternehmen ist es notwendig, eine zeitgemäße Aufbau­organisation zu implementieren, klare Verantwortungsregeln festzulegen und einen verbindlichen Prozessablauf zu definieren, um den steigenden Risiken aus dem internationalen Warenwirtschaftsverkehr zu begegnen und die Strukturen möglichst effizient zu halten.

Folgende Fragen sollten sich Unternehmen im Vorfeld stellen, um ein optimiertes Avalmanagement zu implementieren:

Aufbauorganisation

  • Wie ist das Unternehmen grundsätzlich im Avalbereich aufgestellt?
  • In welcher Unternehmenseinheit/welchen Unternehmenseinheiten sollen Avale herausgelegt/verwaltet werden (Treasury, Finanzen, Einkauf, Verkauf)?
  • Wo sollen Avale herausgelegt/verwaltet werden (zentrale oder dezentrale Organisation)?

Verantwortlichkeiten/Spielregeln

  • Nach welchen Regeln werden Avale herausgelegt, bzw. wann ist ein Aval zwingend erforderlich?
  • Wer trifft die Entscheidungen über die Herausgabe oder Hereinholung von Avalen?
  • Wie soll mit Grenz- und Ausnahme­fällen umgegangen werden? Welche Eskalationsstufen sind definiert?

Prozesse/Abläufe

  • Welche Prozesse für das Avalrisikomanagement sollen definiert werden, und wie sollen diese definiert werden?
  • Wie werden diese Prozesse umgesetzt, und für wen gelten diese?

Zum Abschluss sollten diese strategischen Fragen in einer Art Richtlinie oder Ablaufbeschreibung für das Unternehmen dokumentiert und von der Geschäftsleitung genehmigt werden. Unternehmen, die ihr Avalmanagement optimieren, sind in der Lage, Kosten einzusparen, Risiken transparent zu machen und die Abläufe effizienter zu gestalten.

Notwendigkeit des Avalrisiko­managements

Durch die intensiven Erfahrungen in der Betreuung von Kunden im internationalen Geschäft haben ausgewählte Banken Kenntnisse über Prozesse und Organisationen von Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen erworben. Dieses Know-how kann der Produktspezialist dem Kunden zur Verfügung stellen und somit helfen, das kundenseitige Fachwissen im Avalmanagement zu stärken, Risiken in Avalprozessen aufzuzeigen und Prozesse in Unternehmen zu optimieren.

Die Lösungen unter der Bezeichnung „Avalrisikomanagement“ beinhalten Dienstleistungen rund um eine einzelne Transaktion bis hin zur Optimierung der Prozesse und Strukturen im Avalmanagement entlang der Wertschöpfungskette der Unternehmen.

Bausteine des Avalrisikomanagements Transaktionsbezogene Bausteine

  • Textvorschlag zur Avalerstellung: Auf Basis der Vertragsdokumentation werden Textempfehlungen erstellt.
  • Rückforderung von Avalen: Indirekte oder unbefristete Avale bedürfen der Rückgabe des Originalavales oder einer Entlastungserklärung des Begünstigten.

Prozessbezogene Bausteine

  • Prozessanalyse von eingehenden und/oder auszustellenden Avalen: Analyse der Prozesse der involvierten Abteilungen (Einkauf, Vertrieb und Finanzen), Standards im Avalgeschäft, Kompetenzregelungen, Aufbauorganisation, Erstellung einer Stärken-Schwächen-Analyse.
  • Entwicklung eines Konzepts zur Optimierung der Prozesse und der Aufbauorganisation:
    – Definition von klaren und eindeutigen Standards für die Prozessabläufe und die Kommunikation,
    – Aufbau von Kompetenzregelungen (wann muss ein Aval eingeholt werden, wann darf ein Aval gestellt werden? Wer trifft die Entscheidungen?),
    – Erarbeitung von Tools für das Avalmanagement.
  • Neugestaltung von Richtlinien und Arbeitsabläufen: Dokumentation der Prozesse, der Kommunikationswege und des Berichtswesen in Bezug auf Ihr Avalmanagement in einer Richtlinie/Ablaufbeschreibung.
  • Portfoliotransparenz und Risiko-Reporting: Erstellung einer Systematik für ein regelmäßiges Reporting zur transparenten Darstellung des Avalportfolios unter Risikoaspekten, inkl. z.B. Avalfälligkeiten und wirtschaftlicher Laufzeiten, Avalarten, Überblick über direkte und indirekte Avale, Länderrisiken.

Fazit

Das Management von Risiken mit Avalen bietet Unternehmen verschiedene Vor­teile:

Das Unternehmen profitiert von Kenntnissen der Produktspezialisten in der Bank über Aufbauorganisationen und Prozessstrukturen, welche diese durch ihre jahrelangen Erfahrungen in der Betreuung international tätiger Kunden gesammelt haben.

Neben der banküblichen Beratung rund um die Abwicklung einzelner Transaktionen werden die ganzheitlichen Prozesse und Strukturen des Unternehmens individuell betrachtet, analysiert und optimiert.

Während einzelne Abteilungen bisher autark die Abwicklung der Avale be­trieben haben, werden durch die Durchführung einzelner Bausteine aus dem Avalrisikomanagement die Abteilungen miteinander verknüpft. Ingesamt wird das Risikobewusstsein über die bestehenden Risikopositionen aus eingegangenen Avalgeschäften und den Prozessen im Avalmanagement gestärkt und die Kommunikation zwischen den Bereichen erhöht.

Weiterhin können Vorlagen für Avaltexte erarbeitet werden, die die Grundlage
für den Vertrieb bilden und gleichermaßen der Sachbearbeitung die tägliche Arbeit erleichtern, und ein einheitliches Reporting für das Treasury implemen-tiert werden. Eine effektivere Rückforderung von Avalen verkürzt die Laufzeiten auf Transaktionsebene und senkt so die ­Kosten.

Diese Punkte führen dazu, dass Risiken reduziert, Prozesse verschlankt und die Kommunikation verbessert werden können. Es ist demnach zu empfehlen, sich intensiv mit diesem Thema zu beschäf­tigen.

Textkasten: Thema Avale im ExportManager

Bereits im ExportManager 5/2011 haben wir über syndizierte Avalkredite berichtet, die größere Volumina über eine längere Laufzeit ermöglichen. Der Autor Klaus-­Walter Müller rät, die Finanzierung bei vollen Auftragsbüchern zu sichern. Bei guter Bonität seien die Konditionen günstig. Mit der Umsetzung von Basel III könnte sich dies ändern, da dann auch Eventualverbindlichkeiten als risiko­gewichtete ­Aktiva behandelt würden.

Kontakt: klaus-walter.mueller[at]db.com

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