Die deutsch-afrikanischen Handelsbeziehungen sind – zurückhaltend formuliert – ausbaufähig. Die deutschen Lieferungen nahmen in den ersten vier Monaten 2016 zwar um 3,2% zu. Doch mit einem Anteil von 2,1% an den deutschen Exporten ist Afrika noch kein bedeutender Absatzmarkt für deutsche Produkte. Dabei fehlt es nicht am Bedarf, sondern an Liquidität bei den Unternehmen und an Eigenkapital bei den lokalen Banken. Gemeinsame Finanzierungen mit internationalen Instituten schaffen Abhilfe.

Von Christian Toben, Regional Head Financial ­Institutions Africa, Commerzbank AG

Datei als PDF (Download)

Afrika ist der zweitgrößte Erdteil, hier leben 16% der Weltbevölkerung – doch am deutschen Außenhandel hat der Kontinent nur einen Anteil von 2%. Dabei ist die Attraktivität insbesondere Subsahara-Afrikas seit der Jahrtausendwende deutlich gestiegen: Das durchschnittliche Wirtschaftswachstum lag bei 6% pro Jahr, mehrere Länder gehörten sogar zu den weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften.

Fallende Rohstoffpreise und die Schwäche Chinas haben diese Wachstumsperiode in den vergangenen Jahren unterbrochen und führten vor allem in stark von Erdölexporten abhängigen Ländern wie Angola und Nigeria zu großen Problemen. Andere Länder wie Côte d’Ivoire, Kenia und Kamerun sind davon weniger betroffen bzw. befinden sich auf dem Weg der erneuten Stabilisierung und sind nach wie vor interessante Märkte für die deutsche Wirtschaft. Aber auch in Ländern wie Nigeria und Angola besteht generell ein Nachholbedarf insbesondere im Infrastrukturbereich. Viele Länder, deren Wirtschaft auf den Erdölsektor fokussiert war, erkennen mit den aktuell schwachen Erdölpreisen die Notwendigkeit, Importe mittels lokaler Produktion zu substituieren.

Die Gründe für die zögerliche Entwicklung der bilateralen Handelsbeziehungen mit Subsahara-Afrika sind vielfältig. Eine große Rolle spielt natürlich die geringe Kaufkraft weiter Bevölkerungsschichten, die den Absatz von Qualitätsprodukten und Markenartikeln „made in Germany“ erschwert – sie werden zwar hoch geschätzt, doch nur wenige können sie sich leisten. Hier wäre ein Umdenken deutscher Exporteure in Richtung „just enough“ hilfreich: Produkte für den afrikanischen Markt müssen nicht unbedingt mit dem neuesten Hightech-Feature ausgestattet sein. Die Reduktion auf Grundfunktionen und der Verzicht auf Modellvarianten senken die Kosten und machen die Produkte für einen größeren Kreis von Käufern erschwinglich – wie es Chinesen und Inder bereits mit großem Erfolg in Afrika praktizieren.

Wenig entwickeltes Finanzsystem

Gebremst werden die deutsch-afrikanischen Wirtschaftsbeziehungen aber auch durch die Unsicherheit mancher Unternehmen im Blick auf die Verlässlichkeit und technische Leistungsfähigkeit des Finanzsystems in Afrika – gerade angesichts aktuell steigender Verschuldungen und der Abwertung vieler Währungen. Was ist das Akkreditiv einer afrikanischen Bank wert, deren Namen der Exporteur noch nie gehört hat? Wird sie ihre Zahlungsversprechen im Fall des Falles einlösen?

In der Tat ist das afrikanische Finanzsystem im weltweiten Vergleich am wenigsten entwickelt. Nur 23 Prozent aller Afrikaner besitzen ein Bankkonto, und viele afrikanische Unternehmen klagen, dass sie von ihren Banken nicht die Unterstützung bekämen, die sie benötigten. Gerade die Anforderungen bei der Abwicklung und Finanzierung des weltweiten Handels überfordern derzeit viele afrikanische Institute. Sie verfügen über zu wenig Eigenkapital, so dass sie bei der Übernahme von lokalen Kunden- und Projektrisiken schnell an Grenzen stoßen. Große Volumina lassen sich selbst bei beherrschbarem Risiko allein lokal nicht finanzieren.

Kooperation mit internationalen Geschäftsbanken

Gleichwohl ist das kein Grund, die Geschäftschancen in Afrika ungenutzt zu lassen. In Kooperation mit lokalen afrikanischen Banken können internationale Geschäftsbanken die Ressourcen bereitstellen, die zur Finanzierung des Außenhandels benötigt werden, sowie den wachsenden Bedarf an Absicherungsinstrumenten und strukturierten Handelsfinanzierungen abdecken.

Das mögliche Nichtzahlungsrisiko der eröffnenden lokalen Bank bei einem Akkreditiv kann beispielsweise durch die Akkreditivbestätigung einer namhaften internationalen Geschäftsbank ausgeschaltet werden. Die Bank wird diese Bestätigung, also ein eigenes Zahlungsversprechen, aber nur abgeben, wenn sie das Risiko bewerten und akzeptieren kann. Grundlage dafür ist eine Due Diligence der beteiligten Parteien – also der Bank und ihres Kunden. Hinzu kommt eine Überprüfung im Blick auf Compliancevorgaben, um Sanktionsverstöße, Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung etc. auszuschließen.

Institute wie die Commerzbank besitzen deshalb Repräsentanzen in vielen Ländern Afrikas, zu deren Hauptaufgaben die Pflege der Beziehungen zu Politik und Finanzwirtschaft vor Ort gehört. Die Aufmerksamkeit gilt insbesondere den Korrespondenzbanken – ausgewählten lokalen Banken, mit denen ein internationales Institut langjährige Geschäftsbeziehungen und Kontoverbindungen unterhält. In der bewährten Zusammenarbeit mit einer solchen Korrespondenzbank lassen sich viele Handelsgeschäfte reibungslos und professionell abwickeln. In einigen Ländern haben lokale afrikanische Banken in den vergangenen Jahren sogar einen „German Desk“ eingerichtet, dieses speziell, um den Anforderungen deutscher Unternehmen besser nachkommen zu können.

Auf den Aufbau eines eigenen Filialnetzes verzichten internationale Geschäftsbanken in der Regel, weil die lokalen Banken viel besser in der Lage sind, vor Ort Risikoprüfungen und Unternehmensbewertungen vorzunehmen. Auch unterliegen die Bonitätsanforderungen lokaler afrikanischer Banken häufig anderen Regeln als die internationaler Geschäftsbanken. Aufgrund ihrer lokalen Präsenz können sie zudem mit Kunden spezielle Besicherungsstrukturen vereinbaren, die im Schadensfall einen unkomplizierten Zugriff und bessere Verwertungsmöglichkeiten für die Sicherheiten erlauben.

Akkreditive sind Standard

Das häufigste Instrument für die Zahlung und Absicherung von Liefergeschäften mit Abnehmern in Afrika ist das unwiderrufliche Akkreditiv. In diesem Fall übernimmt die eröffnende Bank das Zahlungsrisiko des Abnehmers. Eine zusätzliche Sicherheit bietet die schon erwähnte Bestätigung des Akkreditivs durch eine zweite Bank.

Die Abwicklung eines Außenhandelsgeschäfts über ein Akkreditiv setzt die notwendige Liquidität beim Importeur voraus. Oft wird sie aber erst durch die Vermarktung der importierten Waren oder den produktiven Einsatz der importierten Investitionsgüter generiert. Dann stellt sich die Frage nach einer mittel- oder langfristigen Handelsfinanzierung. Sofern lokale Banken dies nicht darstellen können, stellt eine internationale Geschäftsbank diese Mittel der lokalen afrikanischen Bank zur Verfügung, die sie an ihren Kunden weiterleitet und auch das Risiko übernimmt.

In der Regel liegt dem die Absicherung der Tilgungs- und Zinsforderungen durch eine Exportkreditgarantie eines anerkannten staatlichen Exportkreditversicherers zugrunde. Die Hermesdeckung sichert in der Regel 95% der wirtschaftlichen und politischen Risiken ab.

Absicherungsmöglichkeiten wurden erweitert

Lange Jahre sicherte der Bund in vielen Ländern Subsahara-Afrikas ausschließlich Geschäfte mit privaten Bestellern und zu kurzfristigen Zahlungsbedingungen ab. Absicherungen für Geschäfte mit dem öffentlichen Sektor waren dagegen nur in Ausnahmefällen möglich. Nun ist aber die Wirtschaftsstruktur in Subsahara-Afrika sehr stark staatlich geprägt: Viele Projekte werden entweder direkt von Staatsunternehmen oder von staatlich kontrollierten Unternehmen durchgeführt.

Während Exporte und deren langfristige Finanzierung an gute private Importeure/Kreditnehmer in Afrika grundsätzlich durch staatliche Exportkreditgarantien abgesichert werden können, besteht nun auch seit Ende 2014 die Möglichkeit, Lieferungen und Leistungen an öffentliche Besteller in Äthiopien, Ghana, Mosambik, Nigeria und Tansania zu mittel- und langfristigen Zahlungsbedingungen durch staatliche Exportkreditgarantien abzusichern. Im ersten Halbjahr 2015 folgte die Öffnung der Deckungspolitik für den Senegal und Uganda.

Die Absicherungsmöglichkeiten erstrecken sich über die gesamte Wertschöpfungskette und reichen von der Produktionsphase bis zur Bezahlung der letzten Tilgungsrate des finanzierten Geschäfts. Dazu müssen entsprechende Sicherheiten des jeweiligen nationalen Finanzministeriums oder der nationalen Zentralbank vorliegen. Für Äthiopien, Ghana, Mosambik und Tansania sind darüber hinaus zusätzliche, projektbezogene Risikominderungsmaßnahmen erforderlich. Dazu zählen etwa Schuldendienstreservekonten des Kreditnehmers in z.B. Deutschland und/oder die Einbindung von Dritten in die Zahlungsverpflichtung. In manchen Fällen mag der Bund die Bestellung dinglicher Sicherheiten vor Risikobeginn verlangen.

Keine Deckungsmöglichkeiten bestehen derzeit für die Demokratische Republik Kongo, Sierra Leone, Somalia, den Sudan und Syrien.

Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen

Die enge Zusammenarbeit internationaler Banken mit lokalen afrikanischen Instituten beseitigt die Hemmnisse für eine Intensivierung der Handelsbeziehungen mit Deutschland. Sie kann entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung des Kontinents beitragen. Für den Deutschen Exporteur ist jedoch abschließend festzuhalten, sich vor Geschäftsabschluss von einer erfahrenen Bank beraten zu lassen, insbesondere bei Ländern mit Devisenrestriktionen.

Kontakt: christian.toben@commerzbank.com

Aktuelle Beiträge