Indonesien gewinnt als Absatzmarkt und Investitionsstandort zunehmend an Attraktivität. Für 2011 wird ein reales BIP-Wachstum von 6,3% erwartet, das Pro-Kopf-Einkommen könnte erstmals die Grenze von 3.000 US$ durchbrechen. Ausländische Hersteller von Konsumgütern können von didser Entwicklung besonders profitieren, da der private Konsum das Rückgrat der indonesischen Volkswirtschaft bildet.

Von Christoph Witte, Direktor Deutschland Delcredere N.V.

Um die Attraktivität Indonesiens als Wirtschaftsstandort zu stärken und das wirtschaftliche Wachstum zu fördern, forciert die Regierung die dringend nötigen Investitionen in Bildung, Gesundheit und Infrastruktur. Hierfür werden zunehmend auch langfristige Public-Private-Partnerships mit ausländischen Investoren wichtig. Ein Problem Indonesiens bleiben allerdings weiterhin die geringe Rechtssicherheit und das bestehende Ausmaß von Korruption und Schattenwirtschaft.

Indonesien ist nach der Bevölkerungszahl das viertgrößte Land der Welt und zählt zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften innerhalb der G20. Es versucht, seinen Status als neues führendes Schwellenland auszubauen. Die makroökonomischen Fundamentaldaten des Landes haben sich in den vergangenen Jahren günstig entwickelt, Devisenreserven wurden aufgebaut, die Auslandsverschuldung wurde deutlich reduziert. Die Zahlungsbilanz hat sich verbessert, seitdem der feste Wechselkurs der Rupiah aufgegeben wurde. Auch der Bankensektor wurde nach der Asienkrise reformiert. Da nur geringfügig in „faule“ amerikanische Vermögenswerte investiert wurde, die Banken angemessen mit Kapital ausgestattet sind und einer verbesserten Aufsicht unterliegen, ist Indonesiens solider Bankensektor gut durch die Finanzkrise von 2008 gekommen – obwohl auch hier die Branche von anfänglichen Kapitalabflüssen und der weltweiten Kreditklemme betroffen war. Für die wenigen „faulen“ Kredite wurden ausreichend Rücklagen gebildet, Firmenschulden in ausländischer Währung wurden weitgehend abgebaut. Im Gegensatz zu den Nachbarländern Thailand und Malaysia, die durch die Finanz- und Wirtschaftskrise in die Rezession stürzten, erholte sich Indonesien schnell.

Vielversprechende Aussichten trotz struktureller Schwachstellen

Indonesien weist ein stabiles Wirtschaftswachstum auf. Angesichts der starken wirtschaftlichen Dynamik dürfte das BIP-Wachstum von 6% im Jahr 2011 auf 7% im Jahr 2015 steigen. Die überwiegend marktwirtschaftliche Orientierung und der Privatverbrauch in Höhe von 60% des BIP sind wichtige Gründe für die Widerstandsfähigkeit und das Wachstumspotential der indonesischen Wirtschaft. Eine wachsende Mittelschicht, zunehmende ausländische Direktinvestitionen (ge-schätzt 30% Zuwachs im Jahr 2010) und steigende Aktienkurse zeugen von der Zunahme des Vertrauens in die Wirtschaftsentwicklung, sowohl im Inland als auch im Ausland. Attraktive Renditen haben den Kurs der Rupiah allmählich wieder auf das Vorkrisenniveau ansteigen lassen. Zusammen mit einer vorsichtigen Geldpolitik kann so die Inflation auf einem relativ niedrigen Niveau gehalten werden.

Außerdem konnte Indonesien eine allgemeine Verbesserung seines Risikoprofils erreichen. Eine erfolgreiche Konsolidierung ermöglichte den beeindruckenden Abbau der Staatsverschuldung von 92% im Jahr 1999 auf voraussichtlich nur noch 27% des BIP im Jahr 2010 – einer der niedrigsten Werte in Asien. Diese Entwicklung wurde durch den zunehmenden innerasiatischen Handel gestützt. Vor allem die Rohstoffnachfrage aus China und Indien trägt zu den guten Leistungen Indonesiens bei. Indonesien ist Nettoexporteur von Kraftstoffen, es wird Flüssiggas, Erdöl, aber auch Palmöl exportiert. Dieser Status ist ein großer Vorteil für eine Volkswirtschaft in einer Welt, die zunehmend auf Gas angewiesen sein wird, wenn die Ölvorkommen zur Neige gehen.

Die genannten positiven Entwicklungen werden allerdings durch nicht beherrschbare äußere Einflüsse wie Schwankungen der Weltmarktpreise für Rohstoffe, ungünstige Wetterbedingungen für die Landwirtschaft und sporadische Naturkatastrophen überschattet. Die öffentlichen Finanzen sind anfällig für externe Schocks. Die Einnahmenseite wird durch schwankende Preise für Öl und Gas, Zinsverpflichtungen von über 10% der Gesamteinnahmen und teure Kraftstoffsubventionen strapaziert.

Ausschlaggebend für die Entwicklung Indonesiens ist nicht nur die wirtschaftliche Entwicklung der Haupthandelspartner Japan und China, sondern auch die Stabilität der Rupiah. Diese ist durch die krisenbedingt lockere Geld- und Kreditpolitik der westlichen Länder gefährdet, da große Mengen an spekulativen Kapitalzuflüssen Indonesien erreichen. Die indonesische Zentralbank entgegnet dieser Gefahr mit einer Eindämmung der Kapitalimporte und einer Aufstockung der Devisenreserven, um dem Markt Liquidität zu entziehen und die Inflationsgefahr zu mindern.

Schnelle Reformerfolge entscheidend

Die indonesische Regierung muss durch Reformen dringend eine Erhöhung ihrer Steuereinnahmen erreichen, die sogar im regionalen Vergleich sehr niedrig ausfallen. Dies führt zu einem Mangel an staat­lichen Investitionen. Die derzeitige Infrastruktur Indonesiens ist sowohl im Straßen- als auch im Energieversorgungsbereich unzureichend, was zu häufigen Verkehrsstaus und Stromausfällen führt. Diese Aufgaben sind die wichtigsten Herausforderungen für die zweite Amtszeit von Präsident Yudhoyono. Die Infrastrukturmängel hemmen Indonesiens Entwicklung hin zu einer stabilen und starken Wirtschaftsmacht. Weil die staatlichen Investitionspläne auf keinen Fall zur Behebung der riesigen Engpässe ausreichen, muss mehr als die Hälfte des Investitionsbedarfs für die Infrastruktur durch private Investitionen gedeckt werden.

Die politische Stabilität stellt eine positive Entwicklung dar, doch sind weitere Maßnahmen von Präsident Yudhoyono und seinem Kabinett nötig. So hat die Bekämpfung der weitverbreiteten Korruption weiterhin hohe Priorität, genauso wie die Umgestaltung des Rechtssystems hin zu mehr Transparenz und Unabhängigkeit. Durch wirtschaftsfreundliche Maßnahmen soll ein international attraktives Umfeld in Indonesien geschaffen werden. Präsident Yudhoyono wird auch die Bekämpfung militanter Islamisten fortsetzen müssen, die er während der ersten Amtszeit erfolgreich durchführte. Die Terroranschläge in Jakarta im letzten Jahr erinnerten daran, dass das Netzwerk der Jemaah Islamiyah noch aktiv ist und dass die Bedrohung im Laufe der Zeit weiter anwachsen könnte, wenn sich das Wohlstandsgefälle auf dem Archipel verschärft. Es kann allerdings viele Jahre dauern, bis Fortschritte bei diesen tiefverwurzelten Problemen sichtbar werden.

Kontakt: c.witte[at]delcredere.eu

Aktuelle Beiträge