Internationale Unternehmen erwarten von ihren Bankpartnern umfassende (Risiko-)Expertise, innovative Finanzierungslösungen und exzellenten Abwicklungsservice im Exportgeschäft – in unmittelbarer Nähe und zeitnaher Verfügbarkeit zu den zentralen Exportabteilungen und dem Group Finance/Treasury. Darüber hinaus spielt ebenso die Versorgung der Tochtergesellschaften und Niederlassungen im Ausland mit lokalen, aber integrierten Bankleistungen unverändert eine wichtige Rolle.

Von Eric Müller, Leiter Corporate Banking Services (CBS), EMEA , Deutsche Bank AG

Globales Finanz- und Risikomanagement ist unverändert ein zentrales Thema in internationalen Unternehmen mit dem eindeutigen Trend, Transparenz und Effizienz in den nächsten Jahren weiter zu erhöhen. Konzerneinheitliche Treasury- und Accountingsysteme (wie z.B. SAP, Oracle), standardisierte Transaktionsplattformen (wie z.B. FXAll, 360T), neue Zahlungsverkehrssysteme (wie z.B. SEPA) oder „SWIFT for Corporates“ unterstützen diese Entwicklung entsprechend. Gleichzeitig ermöglichen weitere Liberalisierungen lokaler Devisenbestimmungen (wie vor einiger Zeit in China), Konzernliquidität weltweit besser zu nutzen und die Finanzierung ausländischer Konzerngesellschaften flexibler zu gestalten.

Leben wir deshalb bereits in einer aus zentraler Perspektive perfekten Welt mit uneingeschränkter Transparenz und standardisierten/automatisierten globalen Lösungen im Group Finance/Treasury? Dies ist (noch) nicht der Fall, und viele globale Unternehmen werden (oder wollen aus individuellen Unternehmensgründen) eine uneingeschränkte Zentralisierung aller Finanz- und Bankgeschäfte auch in den nächsten Jahren nicht realisieren.

In diesem Zusammenhang bieten globale Banken mit internationalem Filialnetzwerk und Fokus auf Transaction-Banking- Services Vorteile für die zentralen Exportabteilungen, für Group Finance/Treasury sowie für die weltweiten Konzerngesellschaften vor Ort. Aber wie können die Erwartungen aller Beteiligten, die nicht immer übereinstimmend sind, erfüllt werden?

Die lokalen Niederlassungen bzw. Tochtergesellschaften und auch Joint-Venture-Gesellschaften erwarten von ihren lokalen Bankpartnern umfassende Beratung und innovative Lösungen in folgenden Bereichen: Cash- und FX-Management, Trade- und Supplier-Finance, lokale Finanzierungen und selektiv ebenso Asset-Management. Aus der lokalen Perspektive der Konzerngesellschaft kommen hierfür zwei Bankengruppen als Partner in Frage – lokale Banken oder regionale/globale Banken mit Niederlassungen und Betreuungsteams vor Ort.

Globale Banken mit eigenem internationalem Filialnetzwerk und Fokus auf Transaction-Banking-Services haben sich in den letzten Jahren immer mehr mit folgendem Ansatz weltweit positioniert: lokal und zentral kompetitiv durch integrierte Lösungen und vernetzte Betreuungsteams.

Falls im lokalen Benchmarking die Niederlassung und das Team der globalen Bank mindestens mit jeder lokalen Bank vergleichbar sind (inkl. Counterparty-Rating) bzw. nur unwesentliche Bankdienstleistungen nicht dargestellt werden können, lässt sich über die weitgehend austauschbaren lokalen Services für die Auslandsgesellschaften hinaus ebenso ein großer Nutzen für das Group Finance/ Treasury darstellen. Ein Konsens zur Entscheidung über den lokalen Bankpartner zwischen den lokalen Konzerngesellschaften und Group Finance/Treasury ist in der Tat entscheidend.

Für die Konzerngesellschaften vor Ort wird als Basis die komplette Bandbreite der lokal notwendigen Bankdienstleistungen bereitgestellt. Die Betreuung erfolgt durch lokale Firmenkundenbetreuer, die eng mit lokalen Produktspezialisten sowie dem globalen Firmenkundenbetreuer und/oder Produktspezialisten zusammenarbeiten. Eigentlich ein trivialer Aspekt, aber hier unterscheiden sich auch globale Banken voneinander. Die zeitnahe Kommunikation und die professionelle Koordinierung zwischen den diversen lokalen Firmenkundenbetreuern weltweit, den lokalen Produktspezialisten und dem globalen Firmenkundenbetreuer und/oder Produktspezialisten sind das Geheimnis des Erfolgs.

Die Verantwortlichen in Group Finance/Treasury und in der zentralen Exportabteilung erwarten von ihren globalen Bankpartnern u.a. Proaktivität und zeitnahe Lösungen. Der globale Firmenkundenbetreuer bzw. Produktspezialist sollte potentielle lokale Herausforderungen und hierfür geeignete Lösungen vorstellen, bevor diese tatsächlich vor Ort entstehen bzw. konzernintern bereits bekannt sind.

Dies lässt sich nur durch eine optimale Vernetzung und exzellente, regelmäßige Kommunikation innerhalb der globalen Netzwerkbanken darstellen – ein Vorteil für globale Banken, die entweder seit Jahrzehnten im jeweiligen Land Firmenkundengeschäft anbieten oder etablierte lokale Banken erworben und vollständig technisch und kulturell integriert haben.

Über die einheitliche tägliche Bereitstellung standardisierter elektronischer Kontoinformationen weltweit, valutenkompensiertes, währungsübergreifendes und grenzüberschreitendes Cashpooling und/oder Multi-Purpose-Umbrella-Facilities mit einheitlicher Dokumentation hinaus lassen sich mit globalen Banken ebenso internationale Payment-/Collection-Factory- und Inhouse-Banking-/
Shared-Service-Center-Lösungen sowie Supplier-Finance-Programme sukzessive viel einfacher realisieren als mit diversen lokalen Banken. Selbst wenn die letztgenannten Themen noch nicht auf der Finanzagenda der jeweiligen globalen Unternehmen stehen, kann schon heute zumindest das Fundament für eine weitere, individuell skalierbare Standardisierung und Zentralisierung gelegt werden.

Dieser weltweit integrierte Betreuungsansatz globaler Banken lässt sich nur durch eine gezielte Kundensegmentierung mit klarem Profil gewährleisten. Nicht alles für alle, also für jeden Unternehmenskunden in aller Welt, sondern Premiumservice und -betreuung für globale Unternehmen mit zahlreichen, komplexen Auslandsgesellschaften ermöglichen den richtigen Fokus und die entsprechende Betreuungsintensität für diese globalen Unternehmenskunden.

Die Deutsche Bank hat dies in den letzten Jahren weltweit etabliert und verfügt in ihren drei Heimatmärkten Deutschland, Niederlande und Europa, aber auch in Asien, im Mittleren Osten und in Nord- und Südamerika über lokale Firmenkundenteams, die fokussiert Auslandsgesellschaften internationaler Konzerne betreuen – in enger Abstimmung mit lokalen Produktspezialisten und dem globalen Firmenkundenbetreuer bzw. Produktspezialisten.

Banking ist in der Tat „People’s Business“ – nichtsdestotrotz spielen selbstverständlich die lokalen Produkte und Services für die Konzerngesellschaften im Ausland eine entscheidende Rolle. Die Deutsche Bank legt in diesem Zusammenhang sehr viel Wert darauf, alle wesentlichen lokal nachgefragten Firmenkundenlösungen anzubieten. Fast Collect in Polen, Supplier Finance in Portugal, Riba Services in ­Italien, LCR Collections in Frankreich ­sollen beispielhaft erwähnt sein, wobei all diese lokalen Services mit standar­disierten, zentralen Lösungen bereits heute kombiniert bzw. komplett integriert ­werden können. In zahlreichen ­Ländern wie z.B. in Polen, Spanien, Italien und Portugal werden ebenso Personal-Banking-Services für lokale Mitarbeiter angeboten.

Textkasten: Präsenz vor Ort

Das lokale Geschäft mit Tochtergesellschaften bzw. Niederlassungen globaler Unternehmen steht im Fokus der Deutschen Bank weltweit und wird konsequent weiter ausgebaut. Der Geschäftsbereich Global Transaction Banking ist (Stand Juni 2011) mit rund 5.000 Mitarbeitern in mehr als 40 Ländern vertreten und betreut weltweit Kunden in mehr als 190 Ländern (www.db.com/gtb).

Kontakt: eric.mueller[at]db.com

Aktuelle Beiträge