Gerade hat die frühere portugiesische Kolonie eine schwere Rezession überwunden, da droht bereits der nächste Einbruch bei den lebenswichtigen Einnahmen aus dem Glücksspiel. Das ist in der Volksrepublik China bislang lediglich in Macau und Hongkong erlaubt. Nun wollen auch andere Destinationen von der Spielfreude der Chinesen profitieren. Aus der chinesischen Regierung kommen Forderungen nach einer Diversifizierung der Wirtschaft Macaus.

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Konkurrenz auf der Urlaubsinsel Hainan

Nachdem Peking bisher stets dementiert hat, Glücksspiel auch an anderen Standorten in der Volksrepublik zu legalisieren, wird nun doch ein Pilotprojekt diskutiert. Die Regierung könnte auf der bei Touristen beliebten Insel Hainan Onlineglücksspiele und langfristig möglicherweise auch konventionelle Kasinos genehmigen. Ziel wäre es, Hainan für chinesische Touristen und Glücksspieler attraktiver zu machen, lokale Einnahmen zu erhöhen und Kapitalabflüsse aus dem Festland zu reduzieren.

Gleichzeitig würde der größere Zugang zu kontrolliertem, legalem Glücksspiel den Kampf gegen das illegale Glücksspiel stärken. Sollte dieses Vorhaben umgesetzt werden, so wäre dies eine Abkehr vom bisherigen Glücksspielverbot auf dem chinesischen Festland und gleichzeitig eine potentielle Bedrohung für die wirtschaftliche Zukunft Macaus, das in hohem Maße von der Monopolstellung abhängig ist, die es innerhalb der Volksrepublik genießt.

Kampf gegen Korruption

Neben der anhaltenden Antikorruptionskampagne und einer strengeren Regulierung von Kapitalabflüssen unter Xi Jinping wäre die nun vorgeschlagene Maßnahme ein weiterer Schock für Macau. Da Glücksspiel und Kasinos in China ausschließlich in Macau und Hongkong legal sind, hat Macau sich seit 2006 zum Glücksspielmekka entwickelt, das Las Vegas in Sachen Umsatz weit hinter sich lässt. Mit der Einleitung einer chinaweiten Antikorruptionskampagne im Jahr 2014 trübte sich die Lage jedoch.

Viele Parteifunktionäre haben ihre Luxusausgaben und Glücksspielaktivitäten (zumindest in Macau) drastisch reduziert. Infolgedessen ist die Zahl der chinesischen Besucher in Macau, die zwei Drittel der Gesamtbesucherzahl ausmachten, zurückgegangen, und die Glücksspieleinnahmen sind drastisch gesunken. Die ehemalige portugiesische Kolonie stürzte in eine drei Jahre währende Rezession und musste einen 25%igen Rückgang der realen Wirtschaftstätigkeit hinnehmen. Gleichzeitig hat Macau auf Drängen Xis langsam begonnen, sich der neuen Realität anzupassen: Die Glücksspielindustrie wurde familienfreundlicher ausgerichtet, und der nicht glücksspielbasierte Tourismus sowie Finanzdienstleistungen wurden ausgebaut. Dadurch konnte die Abhängigkeit von der Glücksspielindustrie leicht reduziert werden (von 70% der gesamten Exporterlöse im Jahr 2014 auf 65% im Jahr 2016).

Wirtschaftswachstum in Gefahr

Im vergangenen Jahr wies das BIP-Wachstum in der Sonderverwaltungsregion Macau dank der robusten chinesischen Konjunktur wieder einen positiven Wert auf und stieg sogar auf eine unerwartet hohe Rate von 13,4%. Günstige mittel- bis langfristige Wachstumsprognosen von über 5% könnten das Hainan-Projekt nun in Frage stellen. Denn es würde das auch für die Zentralregierung attraktive Wachstumspotential Macaus aller Wahrscheinlichkeit nach drosseln. Die Antikorruptionsanstrengungen der Regierung dürften allerdings anhalten.

Die chinesischen Besucherströme nach Macau und damit die Staatseinnahmen der Sonderverwaltungsregion werden unweigerlich zurückgehen, wenn die Regierung Glücksspiel und möglicherweise Kasinos auch anderenorts in China zulässt. Dies würde ebenfalls milliardenschwere Investitionspläne für Kasinoresorts gefährden und die Lizenzverlängerung der Kasinobetreiber unterwandern.

Auswirkungen auf das Länderrisiko

Die Wirtschaft Macaus wird jedoch nicht nur von der möglichen Konkurrenz aus Festlandchina bedroht, sondern auch von der Zunahme der Kasinos in Ländern wie Australien, den Philippinen und Singapur, die von der Glücksspielbegeisterung der wachsenden asiatischen Mittelschicht zu profitieren suchen. Tatsächlich lässt sich in der Region, und ganz besonders in China, eine rasch ansteigende Nachfrage nach Glücksspielangeboten beobachten. Dies dürfte der Grund dafür sein, dass die chinesische Regierung dieses Potential auf dem Festland ausschöpfen möchte. Wenn Macau durch die wachsende Konkurrenz in größerem Maße Einnahmeeinbußen erleidet, dürfte dies eine Verschlechterung des wirtschaftlichen sowie des mittel- bis langfristigen politischen Risikos in Macau zur Folge haben.

Ausführliche Länderberichte finden Sie auf der Internetseite www.credendo.com.

c.witte@credendo.com

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