Es lag nicht zuletzt am Maschinenbau, dass die deutsche Wirtschaft vergleichsweise gut durch die Finanz- und Euro-Krise kam. Wie erfolgreich die deutschen Maschinenbauunternehmen sind, zeigt der extrem hohe Exportanteil. Die Branche erwirtschaftete 2012 allein 149 Mrd EUR (72% ihres Gesamtumsatzes) im Export, vor allem mit China, den USA und Frankreich. Ein Naturgesetz ist dieser Erfolg sicher nicht, denn wo viel Geld verdient wird, da schläft die Konkurrenz nicht.

Von Stefan Fischer, Regionalleiter für Firmen­kunden in Stuttgart, Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV)

Tatsächlich machen deutschen Unter­nehmen zunehmend Wettbewerber aus Fernost und Osteuropa das Leben schwer, besonders im Massenmarkt standardi­sierter Maschinen. Neue Anbieter aus ­Ostasien können in ihren Ländern zunehmend auf bestens ausgebildete Fachkräfte zurückgreifen, während die Lohnkosten, vor allem in China, immer noch deutlich niedriger sind.

Das setzt Anbieter aus Deutschland, aber auch aus anderen europäischen Ländern, unter erheblichen Kostendruck. So mancher Branchenbeobachter unkt deshalb bereits, dass mittelfristig nur noch das absolute Premiumsegment des Maschinenbaus in Deutschland eine Perspektive habe, also Speziallösungen und der Sondermaschinenbau. Damit wäre aber bei weitem nicht mehr das heutige Umsatz- und Exportvolumen zu erwirtschaften.

Doch genauso wenig zwangsläufig wie der weitere Erfolg der Maschinenbauer ist der Niedergang der Branche. Die Ausgangssituation ist weiterhin gut, schließlich gibt es nicht erst seit gestern Wettbewerber, gegen die sich deutsche Maschinenbauer durchsetzen müssen. So wie die Unternehmen die Chancen der Globalisierung in der Vergangenheit ergriffen haben, so können sie auch die neuen Wettbewerbsbedingungen zum eigenen Vorteil nutzen.

Auf der langen Erfahrung deutscher Maschinenbauer mit der Internationalisierung ihres Geschäfts lässt sich aufbauen, um bei der Erschließung ausländischer Wachstumsmärkte weiterhin die Spitzenposition zu behalten. Für viele Anbieter stellt sich immer mehr die Frage, inwieweit das Modell des Exports aus Europa heraus noch tragfähig ist.

Besonders in großen Märkten spricht vieles für den Aufbau eigener Produktions­standorte. Aufgrund der knappen Ressourcen – gerade bei kleineren mittelständischen Betrieben – ist eine sinnvolle strategische Zusammenarbeit beim Marktaufbau bzw. -ausbau eine interessante Option. Die Präsenz vor Ort kann die Erschließung absatzstarker Länder in jedem Fall entscheidend voranbringen.

Auch eine stärkere Vernetzung mit Zulieferern aus aufstrebenden Ländern wie China ist ein sinnvoller Teil der Interna­tionalisierungsstrategie. Kostenvorteile in Asien und Osteuropa können auch von deutschen Anbietern genutzt werden, indem Zulieferer aus diesen Regionen in die Herstellung eingebunden ­werden. Auf diese Weise kann der deutsche Maschinenbau ein besseres Preis-Leistungs-Angebot bieten und dem steigenden Konkurrenzdruck entsprechend begegnen.

Ein weiterer Trend in der Branche spricht für eine stärkere Präsenz vor Ort in den Absatzmärkten: die zunehmende Forderung der Kunden nach maßgeschneiderten Produktlösungen. Diesem Kundenwunsch begegnet der Maschinenbau in der Regel mit der Ausweitung seines ­Produktportfolios. Dem sind jedoch Grenzen gesetzt, da sich durch die steigende Variantenzahl die Kosten pro Variante erhöhen.

Modulare Maschinenkonzepte bieten hier eine Chance, den Kostenzuwachs einzugrenzen. Dazu ist es erforderlich, dass vermehrt Kompetenzen in der Produkt­entwicklung aufgebaut werden und der Kunde verstärkt in den Entwicklungs­prozess einbezogen wird, um individua­lisierte Konzepte anbieten zu können. Je näher man dem Kunden ist, desto besser.

Auch bei der Forderung nach ressourceneffizienten Herstellungsprozessen haben deutsche Maschinenbauer grundsätzlich eine gute Ausgangsposition. Kunden sind nicht mehr bereit, in Maschinen zu investieren, durch die hohe Betriebskosten in der Anwendung ent­stehen.

Für die deutschen Maschinenbauer bietet dies eine Chance, sich gegenüber dem Wettbewerb zu behaupten, denn bei „Green Technologies“ haben deutsche Unternehmen eine traditionell starke Position. Hier bieten sich Allianzen und Kooperationen mit anderen Unternehmen aus Mitteleuropa an, die auf diesem Gebiet bereits weit vorangeschritten sind – auch außerhalb des Maschinenbaus.

Alle genannten Optionen, die der deutsche Maschinenbau hat, um seine internationale Spitzenposition zu behaupten, setzen eines voraus: eine gesunde finanzielle Basis und möglichst flexible Finanzierungsmöglichkeiten. Denn sowohl für den Aufbau dezentraler Produktionsstandorte als auch für die Entwicklung kundenindividueller und ressourcenschonender Maschinen sind erhebliche Investitionen nötig.

Viele Unternehmen haben die strategische Bedeutung der Finanzbasis erkannt und streben nach Cashoptimierung, solider Finanzierung, Kontinuität bei den Investitionen sowie systematischem Risikomanagement – eine essentielle Querschnittsaufgabe, die von der Auftrags­annahme bis weit über die Geldströme hinausreicht.

Bei dieser zunehmend erfolgsentscheidenden Frage nach Finanzierungsmöglichkeiten kann der deutsche Maschinenbau im internationalen Wettbewerb einen Trumpf ausspielen: die trotz aller Inter­nationalisierung immer noch starke regionale Verwurzelung, nicht zuletzt weil sich ein Großteil der Unternehmen in Familienbesitz befindet. Gerade Banken und Unternehmen aus derselben Region sprechen dieselbe Sprache, können auf Augenhöhe miteinander verhandeln und auf einem gegenseitigen Vertrauenspolster aufbauen, das besonders in Krisen­zeiten äußerst wertvoll ist.

Denn eines ist sicher: Die Frequenz von externen Schocks und Krisen wird in der immer stärker vernetzten Weltwirtschaft eher zu- als abnehmen. Das setzt eine hohe Flexibilität bei den Unternehmen voraus, gerade auch in der Finanzierung. Dass mittelständische Unternehmen in Deutschland auf Banken zurückgreifen können, die ebenso mittelständisch aufgestellt sind wie sie, die ein über viele Jahre gewachsenes Verständnis der Branche haben und entsprechend die besonderen Anforderungen der Unternehmen verstehen – davon können Wettbewerber in vielen anderen Ländern nur träumen.

Dieser Aspekt wird bei der Einschätzung des deutschen Maschinenbaus gern übersehen. Für den zukünftigen Erfolg der Branche werden die besonderen Stärken mittelständischer Banken aber noch eine entscheidende Rolle spielen – sofern sie von den Unternehmen genauso genutzt werden wie die Chancen der weiteren Internationalisierung, der Individualisierung von Maschinen und der Ressourceneffizienz.

Die Broschüre „Unternehmen Spezial Maschinenbau“ können Sie kostenlos
bei der Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV) bestellen über: stefan.fischer[at]btv-bank.de oder hier downloaden:
www.btv.at/pageflips/Unternehmen_Spezial_Deutschland/index.html

Kontakt: stefan.fischer[at]btv-bank.de

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