Lange Zeit stand Mosambik nicht an oberer Stelle auf der Liste deutscher Investoren. Andere Länder Afrikas boten viel mehr ­Möglichkeiten als die ehemalige portugiesische Kolonie an Afrikas Ostküste, die sich nur langsam von den schweren Folgen des bis 1992 andauernden Bürgerkriegs erholte. Umso positiver fällt der Wandel in den vergangenen zehn Jahren auf. Stetig steigendes Wirtschaftswachstum und Rohstoffreichtum machen Mosambik zu einem interessanten Ziel für ausländische Investoren.

Von Ingo Dieter Tuchnitz, Vice President, Financial Institutions – Emerging Markets, BHF-BANK

2014 ist für Mosambik in politischer Hinsicht ein richtungweisendes Jahr: Im Oktober werden die Parlaments- und die Präsidentschaftswahlen stattfinden. Obwohl der derzeitige Präsident aufgrund des Erreichens der verfassungsmäßig maximal vorgesehenen zwei Amtsperioden nicht mehr kandidieren kann, geht man davon aus, dass die aktuelle Regierung der Frelimo fortbestehen wird. Berichte über Unruhen und Kämpfe zwischen Frelimo und der Oppositionspartei Renamo sorgen zurzeit für Beunruhigung. Trotz der gegenwärtig prekären Sicherheitslage in Zentralmosambik lohnt sich für den mittelständischen Unternehmer ein genauer Blick auf das afrikanische Land, denn es bieten sich vielversprechende Chancen für gewinnbringende Investitionen.

In den 1980er Jahren wurde eine positive Entwicklung von Mosambiks Wirtschaft durch den Bürgerkrieg, die Abwanderung portugiesischer Fachkräfte sowie große Überschwemmungen gehemmt. Erst zu Beginn der 1990er Jahre wurden in Mosambik Reformen in Richtung marktwirtschaftlicher Strukturen eingeleitet. Seitdem zeichnet sich ein sehr positiver Aufwärtstrend ab. Die jährlichen Wachstumsraten liegen bei ca. 7%. Mosambik profitiert von seiner hervorragenden geographischen Lage: Die Industriemetropole Johannesburg ist per Flugzeug in 45 Minuten zu erreichen; Mosambiks Hauptstadt Maputo gilt als wichtiger Hafen für den Import aus und den Export nach Südafrika. Entsprechend dynamisch entwickelt sich der Güterverkehr zwischen den beiden Wirtschaftsräumen. Auch das Binnenland Simbabwe muss aufgrund geographischer Gegebenheiten oftmals einen mosambikanischen Hafen für Im- und Exporte nutzen, ebenso Malawi.

Für die früher stark auf Fischerei und den Agrarbereich ausgerichtete Wirtschaft spielen Einnahmen aus dem Aluminium-, Kohle- und Energiesektor eine immer größere Rolle. In Mosambik hat der Industrialisierungsprozess begonnen. Die wirtschaftliche Dynamik wurde seit Beginn des neuen Jahrtausends vor allem durch Investitionen in Großprojekte getrieben: Nach der Erweiterung einer der weltweit größten Aluminiumschmelzen, Mozal, sowie dem Ausbau einer Erdgas-Pipeline zwischen den Gasfeldern im Indischen Ozean und Südafrika sind derzeit weitere Großprojekte im Bereich Bergbau und im Erdöl-, Erdgas- und Energiesektor in der Planung oder bereits in der Umsetzung.

Der Norden des Landes ist reich an mineralischen Rohstoffen, wie z.B. Kohle. Um diese zu den Häfen an der Küste des Indischen Ozeans zu bringen, wird derzeit eine Eisenbahnlinie aus der Region Moatize durch das Nachbarland Malawi zur mosambikanischen Küstenstadt Nacala gebaut. Dort befindet sich ein „natür­licher“ Tiefseehafen, der u.a. für Kohle­exporte in Richtung Asien und Europa genutzt werden kann. Die Leit- und Sicherheitstechnik wird hier von einem deutschen Unternehmen geliefert. Eine Vervielfachung der Kohleexporte wird erwartet.

Mosambik befindet sich in einem wirtschaftlichen Transformationsprozess. Bisher profitierte die breite Bevölkerung in nur geringem Ausmaß vom Fortschritt des Landes. Rund die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung kann weder lesen noch schreiben. Auch die medizinische Versorgung im Land ist immer noch prekär. Ausbildung ist somit ein zentrales Thema bei Ausschreibungen von Projekten in Mosambik und steht ganz oben auf der politischen Agenda.

Große Erdgasvorkommen im Norden vor der Küste animieren internationale Unternehmen zu Investitionen im Bereich der Gasförderung und -verflüssigung für den Export und den Ausbau der dringend benötigten Infrastruktur. Bereits im Jahr 2006 veränderte sich mit der Inbetriebnahme der Erdgas-Pipeline nach Südafrika die Struktur der Exporterlöse grundlegend. Es ist davon auszugehen, dass Erdgas innerhalb der kommenden fünf Jahre neben Aluminium das wichtigste Exportgut Mosambiks werden wird. Die Erdöl­funde an Mosambiks Küste lassen zudem darauf schließen, dass auch die Erdölförderung und der anschließende Export mittelfristig ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig werden könnten.

Große Teile von Mosambiks Haushalt werden derzeit noch über Budgethilfen und Gebergelder, u.a. aus der EU, finanziert. Hier wird für die kommenden Jahre eine Verringerung erwartet – mehr als kompensiert wird dieser Rückgang voraussichtlich durch Direktinvestitionen in anstehende Großprojekte, Erlöse aus internationalen Anleihe-Emissionen und die stark steigenden Förderabgaben aus den Erdgas- und Bergbauprojekten.

China hat den Wachstumsmarkt Mosambik bereits für sich entdeckt und investiert in Infrastrukturprojekte und Rohstoffgewinnung. Als weiterer Großinvestor tritt Brasilien auf. Die Beziehungen zwischen Brasilien und den portugiesischsprachigen Ländern in Afrika profitieren von den gemeinsamen historischen und sprachlichen Wurzeln. Traditionell enge wirtschaftliche und politische Beziehungen bestehen auch zum Nachbarland Südafrika, dem gegenwärtig wichtigsten Handelspartner Mosambiks, sowie, aus historischen Gründen, zu Portugal.

Nach dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 1992 hat sich Deutschland auf politischer Ebene am Wiederaufbau des Landes beteiligt und sich vor allem für die Förderung demokratischer Strukturen engagiert. Viele Mosambikaner haben ihr Studium in der ehemaligen DDR absolviert, sprechen sehr gut Deutsch und fungieren als Bindeglied. Nicht zuletzt durch vielfältige kulturelle Verbindungen lohnt sich für deutsche Unternehmer ein Blick auf Mosambik als Investitionsziel. Auf Basis langjähriger Erfahrungen der BHF-BANK als Finanzierungspartner auf dem afrikanischen Kontinent lässt sich feststellen, dass Mosambik ein sehr vielversprechender, aber kein einfacher Markt ist. Ein ausländischer Investor muss mit Bürokratieproblemen rechnen. Obwohl sich Mosambik in die richtige Richtung bewegt, mahnen der Internationale Währungsfonds (IWF) und weitere internationale Stellen weitere Reformen im Land an.

Exporte aus Deutschland können u.a. unter Einbindung langfristiger Hermes-Deckungen oder kurzfristiger Akkreditivbestätigungen über die BHF-BANK abgesichert werden. Einige deutsche mittelständische Unternehmen sind bereits in Mosambik engagiert. Sie nutzen die Entwicklungschancen im Bau- und Energiesektor, dem Telekommunikationsbereich sowie dem Medizin- und Pharmabereich. Ein möglicher weiterer Ansatz, in Mosambik aktiv zu werden, wäre der indirekte Weg über die BRICS-Staaten oder Portugal. So könnte ein deutscher Unternehmer von seiner Fertigungsstätte in einem dieser Länder den mosambikanischen Markt beliefern. Unabdingbar für beide Varianten ist der passende Bankpartner mit ausgewiesener Expertise in der Außenhandelsfinanzierung, der gemeinsam mit lokalen Banken ein Finanzierungspaket ausarbeitet und die Exporte entsprechend absichert.

Insgesamt befindet sich Mosambik gegenwärtig in einer sehr interessanten und dynamischen Phase der Entwicklung. Der Staat emittierte 2013 über die
Mozambique Tuna Company eine erste Anleihe im internationalen Markt im Wert von 500 Mio USD. Dass diese Anleihe im Dezember in den JP Morgan Emerging Markets Bond Index aufgenommen wurde, zeigt, wie groß das derzeitige internationale Interesse an dem afrikanischen Land ist. Ausländische Unternehmer sollten sich vorab gut über die Gegebenheiten in der mosambikanischen Industrie, Wirtschaft, Politik und über die Sicherheitslage informieren, um vom Potential des Landes zu profitieren. Einen Bankpartner an seiner Seite zu wissen, der die Gepflogenheiten im Land kennt und dabei helfen kann, vertrauensvolle Beziehungen aufzubauen, stellt dabei eine nicht zu unterschätzende Hilfe dar.

Kontakt: ingo.dieter.tuchnitz[at]bhf-bank.com

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