Während die Staaten des Euro-Raums unter der Schuldenkrise leiden, profitieren die Kronenländer Dänemark, Norwegen und Schweden von ihrer Eigenständigkeit und soliden Staatsfinanzen. Norwegen und Dänemark schwächeln zwar, in Schweden und Finnland wachsen die Wirtschaft und die Importe aus Deutschland aber kräftig. Die Aufwertung der Währungen in Schweden und Norwegen gegenüber dem Euro verschafft Anbietern aus dem Euro-Raum Preisvorteile.

Von Gunther Schilling, Redaktionsleiter ExportManager, F.A.Z.-Institut

Norwegen leidet unter den typischen Symptomen der „holländischen Krankheit“: Hohe Erträge aus dem Rohstoffexport machen Investitionen in anderen Wirtschaftssektoren unattraktiv und treiben die Preise. In realer Rechnung macht sich die Offshoreförderung von Öl und Gas zudem negativ bemerkbar. Während die Wirtschaftsleistung auf dem Festland im ersten Halbjahr 2011 real um 2,4% stieg, nahm das reale BIP einschließlich Öl- und Gassektor im ersten Quartal 2011 nur um 0,9% zu und ging im zweiten Quartal sogar um 0,4% zurück. Zudem wertet die Landeswährung auf und belastet die Industrie. Die Norwegische Krone gewann innerhalb der vergangenen zwei Jahre 19% gegenüber dem Euro.

Das hält das Land leider auch vom Bezug deutscher Waren ab, obwohl deren Finanzierung keine Schwierigkeiten machen würde. Nach norwegischer Statistik importierte das Land in den ersten sieben Monaten 2011 für 33,8 Mrd NOK Waren aus Deutschland, das entsprach einem Zuwachs von nur 5,6% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Dagegen legten die Importe aus Spanien um 92,4%, aus Irland um 40,7% und aus der (teuren) Schweiz um 19,6% zu. Hier besteht also durchaus noch Potential, zumal einige für Deutschland interessante Warengruppen deutlich zulegten.

Dänemark erholt sich weiterhin nur verhalten von der Finanz- und Wirtschaftskrise, doch der Exportmotor springt wieder an und lässt auch die Importnachfrage steigen. Das reale BIP lag zuletzt im zweiten Quartal 2011 um 2% über dem Vorjahreswert. Insbesondere die benachbarten Konjunkturlokomotiven Deutschland und Schweden sind wichtige Zielmärkte Dänemarks. Dadurch steigen auch die Investitionen, die zum Teil in die Nachfrage nach deutschen Investitionsgütern fließen. Dänemark ist beispielsweise ein wachsender Markt für umweltschonende Energietechnik.

Die Aussicht auf geringe wirtschaftliche Wachstumsraten von real unter 2% in diesem und wohl auch im nächsten Jahr hat die Regierung zur Auflage eines neuen Konjunkturprogramms bewogen. So sollen 1,5 Mrd Euro die private Nachfrage und den Immobilienmarkt stützen. Die Immobilienpreise in Dänemark haben während der Finanzkrise stärker nachgegeben als beispielsweise in Schweden und Norwegen. Auch haben sich die Banken stark auf Hypothekenkredite gestützt und leiden nun unter Kreditausfällen.

Finnland profitiert als Mitglied des Euro-Raums von dem großen gemeinsamen Binnenmarkt und Preisvorteilen gegenüber einigen Handelspartnern mit stärkerer Währung. Solide Staatsfinanzen halten die langfristigen Zinssätze niedrig und erleichtern die Kreditaufnahme. Eine hohe Konsumneigung stabilisiert die Nachfrage und lässt auch die Importe aus Deutschland kräftig steigen. Die Leistungsbilanz erzielt dennoch Überschüsse, die Bonität des Landes gilt als erstklassig.

Das Land schloss das erste Halbjahr 2011 mit einem realen Wirtschaftswachstum von über 4% ab, das Haushaltsdefizit bewegt sich deutlich unter der Maastricht-Grenze von 3% des BIP. Lediglich die Inflationsrate lag im Juli 2011 mit 3,7% deutlich über dem Durchschnitt des Euro-Raums (2,5%). Vor allem Brennstoffe, Wohnen einschließlich Nebenkosten und Nahrungsmittel verteuerten sich.

Schweden konnte im ersten Halbjahr 2011 seine Wirtschaftsleistung noch stärker als Finnland steigern, die Wachstumsrate dürfte wie 2010 erneut im Bereich von 5% liegen. Vor allem die Anlageinvestitionen legen kräftig zu, was deutschen Lieferanten mit einem wachsenden Anteil an den schwedischen Importen zugutekommt. In den ersten sieben Monaten 2011 nahmen die schwedischen Importe um 9% zu, die Exporte erhöhten sich sogar um 11%.

Auch der Konsum wächst kräftig und deutlich stärker als beispielsweise der in Deutschland, auch wenn die Zuwachsraten zuletzt schwächer ausfielen. Ebenso wie Finnland verzeichnet Schweden eine hohe Teuerungsrate von zuletzt 3,3% im Juli 2011. Dämpfend auf die Inflation wirken die Aufwertung der Schwedischen Krone und die höheren Zinssätze.

Trotz solider staatlicher Finanzen weist der Unternehmenssektor einige Schwächen auf. So musste der Autobauer Saab Anfang September 2011 Gläubigerschutz beantragen, nachdem wegen hoher Verluste die finanziellen Reserven aufgebraucht waren. Ericsson, Hersteller von Mobiltelefonen in einem Gemeinschaftsunternehmen mit Sony, litt im zweiten Quartal unter Produktionsausfällen durch das Erdbeben in Japan.

Die nordeuropäischen Staaten verfügen über einige international bedeutende Unternehmen, die die globale Verflechtung der nordischen Volkswirtschaften weit vorangetrieben haben. Dazu zählen neben Ericsson und der finnischen Nokia, die als Anbieter von Handys und Smartphones weltweit aktiv sind, die schwedischen Nutzfahrzeughersteller Volvo und Scania.

In Schweden und vor allem Finnland sitzen die führenden Unternehmen der Holz- und Papierindustrie. Norwegen hat zur Erschließung seiner Öl- und Gasvorkommen leistungsfähige Dienstleister und Produzenten aufgebaut. Bekannte Marken sind auch die schwedische Modekette H&M, die dänische LEGO-Gruppe sowie der Möbelhändler IKEA, der allerdings in den Niederlanden sitzt.

Textkasten 1: Positive Zahlungserfahrungen

Coface analysiert und bewertet regelmäßig 156 Länder. A1 bis A4 entsprechen Investmentgrades, B bis D stehen für mittleres bis hohes Risiko. Neben Norwegen, Schweden und der Schweiz wird in Europa auch Luxemburg wieder stabil auf A1 eingestuft. Die Bewertungen der großen europäischen Volkswirtschaften Frankreich und Deutschland sind mit positiver Aussicht versehen, liegen aber ebenso wie die Dänemarks und Finnlands noch bei A2.

Delcredere bewertet Finnland und Schweden hinsichtlich der wirtschaftlichen Risiken entsprechend ihrer höheren Dynamik derzeit mit der Bestnote A. Dänemark und Norwegen weden dagegen mit B eingestuft. Das kurzfristige politische Risiko ist in allen vier Ländern gering.

D&B setzte das Länderrating Schwedens Anfang Mai 2011 von DB2 auf DB1d und damit in die beste Risikoklasse. Begründet wurde dies mit der schnellen wirtschaftlichen Erholung. Auch Norwegen wird mit DB1d bewertet. Dagegen werden Finnland (DB2a) und Dänemark (DB2b) noch etwas schwächer eingeschätzt.

Textkasten 2: Konkurrenzfähige Nordeuropäer

Schweden und Finnland führen in der jüngsten Auswertung des World Economic Forum die Rangliste der globalen Wettbewerbsfähigkeit hinter der Schweiz und Singapur an. Während Schweden den 2. Platz an Singapur abtreten musste, gelang Finnland ein Sprung um drei Plätze an den USA, Deutschland und Japan vorbei. Dänemark nimmt den 8. Rang ein und konnte sich um einen Platz verbessern. Norwegen fiel dagegen gegenüber 2010 um zwei Plätze auf Rang 16 zurück.

Kontakt: g.schilling[at]faz-institut.de

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