Viele osteuropäische Banken kämpfen heute noch mit den Folgen der globalen Finanzkrise von 2008/2009. Das Trade Facilitation Programme (TFP) der European Bank for Reconstruction and Development (EBRD) bietet eine gute Alternative zur Absicherung von Auslandsgeschäften in Osteuropa. Sind die Grundanforderungen der EBRD erfüllt, verlaufen die Abwicklung und die Heraus­gabe der Garantie schnell und effizient, weiß die BHF-BANK aus eigener Erfahrung zu berichten.

Von Zuzana Franz, Abteilungsdirektorin Financial Institutions – Emerging Markets, BHF-BANK AG

Die wirtschaftliche Lage in Osteuropa ist derzeit sehr unterschiedlich von Land zu Land. So profitiert das rohstoffreiche Russland von hohen Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor. Dank zahlreicher Fiskalmaßnahmen ist die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs. Die Staatskasse ist prall gefüllt, dementsprechend wird auch der Banken- und Finanzsektor vom Staat kräftig gestützt.

Anders ist die Situation in manchen kleineren osteuropäischen Ländern, die nicht über solche Naturressourcen verfügen und mit großen strukturellen Problemen zu kämpfen haben. Kleine Banken aus CEE-Staaten (Central Eastern Europe) und CIS-Ländern (Commonwealth Independent States) haben kaum Zugang zum internationalen Kapitalmarkt und refinanzieren sich fast ausschließlich über private Kundeneinlagen. Hinzu kommt, dass viele osteuropäische Banken mittlerweile zu den großen europäischen Bankengruppen gehören und dadurch auch mit der aktuellen Euro-Krise konfrontiert werden. Nicht zu vergessen sind obendrein die neuen Kapitalanforderungen, die mit der Einführung von Basel III immer näherrücken. Allgemein stehen die europäischen Banken im Osten wie im Westen unter Druck, ihre Aktiva zu reduzieren, die Kreditpolitik zu straffen, Kosten zu senken und die Preise anzuheben.

Diese und ähnliche Aussagen hörte man auch während der letzten Osteuropa-Konferenz in Wien, die jedes Jahr Ende Januar von Euromoney organisiert wird. Sie ist ein traditioneller Treffpunkt der Banken, die in dieser Region tätig sind. Allerdings waren dort viele Teilnehmer der Meinung, dass für die krisenerprobten osteuropäischen Banken das Schlimmste überstanden sei und der internationale Handel nicht dauerhaft leide. Die letzten statistischen Erhebungen der Internationalen Handelskammer (ICC) in Paris zeigen, dass die Handelsfinanzierungen während der verschiedenen Krisen (weltweit) immer als Erstes bedient wurden und dass in diesem Bereich die Ausfälle sehr gering sind. Trotzdem sinkt in Krisenzeiten die Bereitschaft der Banken, die Risiken im Außenhandel zu übernehmen. Exporteure suchen deshalb manchmal vergeblich nach Möglichkeiten, ihre Geschäfte abzusichern. In diesem Fall kann neben den bekannten Instrumenten wie einer staatlichen oder privaten Exportkreditversicherung eine weitere Möglichkeit mit Hilfe der EBRD zum Einsatz kommen.

Als Antwort auf die Russland-Krise im Jahr 1998, die die ganze Region in die Rezession gezogen hatte, wurde von der EBRD 1999 ein neues Projekt ins Leben gerufen: das Trade Facilitation Programme. Das Programm dient zur Unterstützung der Handelsfinanzierungen in den osteuropäischen Ländern, in denen die EBRD ihre Aktivitäten ausübt (Countries of Operations). Mittlerweile wurde das Programm neben den CEE- und CIS-Regionen auf die Länder der Southern-and-Eastern-Mediterranean-Region (SEMED) ausgeweitet. Die EBRD übernimmt für ausgewählte und von ihr akzeptierte Banken (Issuing Banks) aus der Region bis zu 100% des politischen sowie des wirtschaftlichen Risikos, indem das Risiko der eröffnenden Bank zugunsten der bestätigenden Bank (Confirming Bank) über eine EBRD-Garantie abgedeckt wird.

In diesem Programm können beliebige handelsbezogene Geschäfte für Lieferungen und Dienstleistungen aus, nach oder zwischen den EBRD-Ländern abgesichert werden. Der Handelsbezug der jeweiligen Transaktion muss immer nachgewiesen werden und wird von der EBRD anhand der existierenden Dokumentation (Lieferverträge etc.) geprüft. Als deckungsfähig gelten folgende dokumentäre Instrumente (Eligible Instruments): Akkreditive jeder Art, SBLC (Stand-by-Akkreditiv), Anzahlungs- und Zahlungsgarantien, Erfüllungsgarantien, Wechsel und andere Vertragsgarantien. Jede Transaktion wird einzeln geprüft, und die EBRD zeigte sich gerade in den letzten Jahren sehr kooperationsbereit und innovativ bei der Auswahl der verwendeten Instrumente.

Um an dem Programm teilzunehmen, müssen die „Issuing Banks“ sowie die „Confirming Banks“ die von der EBRD gestellten Anforderungen erfüllen, einen Vertrag unterzeichnen und die standardisierte Dokumentation akzeptieren. Das hat den großen Vorteil, dass bei einem konkreten Geschäft die Rahmenbedingungen allen beteiligten Parteien bekannt sind und die Abwicklung schnell und professionell abläuft. Aus Erfahrung können wir bestätigen, dass die EBRD nach der Einreichung des Deckungsantrages bei einem positiven Prüfungsergebnis innerhalb von maximal 24 Stunden die entsprechende Garantie zugunsten der Issuing Bank herauslegt. Die Garantie wird in der Form eines SBLC eröffnet und hat eine 15 Tage längere Gültigkeit als die Laufzeit der zugrundeliegenden Transaktion. Für die Herauslegung der Garantie berechnet die EBRD eine Risikoprämie, die sich an den marktüblichen Margen für die Banken- und Länderrisiken orientiert. Neben der Risikoabsicherung der dokumentären Transaktionen bietet die EBRD im Rahmen des TFP für ausgewählte osteuropäische Banken und Factoringgesellschaften auch kurzfristige Finanzierungen für die Weitervergabe an lokale Exporteure oder Importeure.

Die EBRD-Garantien werden vor allem bei Geschäften aus Ländern in einer wirtschaftlich schwierigen Situation in Anspruch genommen, insbesondere wenn kleine regionale Banken involviert sind, deren Risiko man nicht frei akzeptieren kann, oder bei Transaktionen mit längeren Laufzeiten (drei bis fünf Jahre). So kamen 2010/2011 die meisten abgesicherten Geschäfte aus Russland, Kasachstan, Georgien und Weißrussland. Das TFP unterstützt auch die Handelsgeschäfte der Klein- und Mittelbetriebe; mehr als 80% aller 2011 abgeschlossenen Transaktionen lagen unter 1 Mio EUR pro Geschäft.

Der Erfolg des Projektes zeigt sich an folgenden Zahlen: Momentan partizipieren an dem Programm 102 Issuing Banks aus 20 EBRD-Ländern und über 800 Confirming Banks aus 77 Ländern. Die verfügbaren EBRD-Linien für Issuing Banks liegen über 1 Mrd EUR. Seit dem Bestehen des TFP bis zum März 2012 wurden über 11.700 Transaktionen im Volumen von mehr als 7,2 Mrd EUR abgeschlossen. Allein im Jahr 2011 wurden 24 Verträge mit neuen teilnehmenden Banken aus den CEE- bzw. CIS-Ländern unterschrieben. Deutschland als führende Exportnation spielt bei dem TFP eine wichtige Rolle. Etwa 34% aller TFP-Garantien in den Jahren 1999 bis 2011 wurden zugunsten von 49 deutschen Korrespondenzbanken herausgelegt. Auch die BHF-BANK ist seit 1999 dabei und gehörte in den letzten drei Jahren nach Anzahl der abgewickelten Transaktionen zu den 20 aktivsten Confirming Banks weltweit.

Nach dem EBRD-Vorbild haben in den Jahren 2004 und 2005 auch andere internationale Finanzinstitute wie IFC (International Finance Corporation), ADB (Asian Development Bank) und IDB (Interamerican Development Bank) ähnliche Programme zur Unterstützung des internationalen Handels aufgelegt. Sie orientieren sich an dem TFP, verwenden eine ähnliche Dokumentation und arbeiten entweder weltweit (IFC) oder unter regionalem Fokus (ADB und IDB).

Aus Sicht einer Confirming Bank, die seit Beginn an dem TFP teilnimmt, kann man die Vorteile abschließend kurz wie folgt zusammenfassen:

  • Die EBRD unterstützt Banken und Exporteure bei der Übernahme der Risiken im Osteuropa-Geschäft (bis zu 100% Deckung des politischen und wirtschaftlichen Zahlungsrisikos).
  • Schnelle und professionelle Abwicklung unter der bereits vereinbarten Dokumentation.
  • Attraktive (marktübliche) Risikoprämien.
  • Keine Konkurrenz für die kommerziellen Banken im Auslandsgeschäft: Die EBRD übernimmt die Risiken, wenn Geschäftsbanken an ihre Grenzen stoßen (Risikobereitschaft, Laufzeiten etc.).

Weitere Informationen unter:
www.ebrd.com/pages/workingwithus/trade.shtml

Kontakt: zuzana.franz[at]bhf-bank.com

19 replies on “Osteuropageschäfte absichern mit der EBRD”

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