Sambia zählt zu den stabileren Demokratien Afrikas. Auch wirtschaftlich präsentiert sich das Land im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern in einer guten Verfassung. Die nationale Wertschöpfung legt seit einigen Jahren um über 5% bis 6% jährlich zu. Als bedeutendes Kupferexportland verfügt Sambia über ausreichend Devisen. Das Geschäftsrisiko für ausländische Unternehmen, die in Sambia tätig sind, ist entsprechend gering.

Von Christoph Witte, Direktor Deutschland, Delcredere N.V.

Im September 2011 hielt das kupferreiche Sambia gleichzeitig Parlaments- und Präsidentschaftswahlen ab. Oppositionsführer Michael Sata, der in der durch den Tod von Präsident Mwanawasa notwendig gewordenen Präsidentschaftswahl 2008 noch unterlegen war, ging aus der aktuellen Präsidentschaftswahl als Sieger hervor.

Der zwischenzeitliche Präsident Rupiah Banda, ein Mitglied des seit dem Ende der Einparteienherrschaft 1991 regierenden Movement for Multiparty Democracy (MMD), konnte seine Präsidentschaft nicht erfolgreich verteidigen. Auf dem Höhepunkt der Wahlen, für die ein knappes Ergebnis erwartet wurde, wurde die Polizei wachsam, als Unruhen bei den auf das Ergebnis wartenden Wählern entstanden. Aber die schnelle Annerkennung des Wahlausgangs durch Rupiah Banda dürfte Sambias Ruf als eine der stabileren Demokratien in Afrika südlich der Sahara bestätigen. Daher sind in der Phase der Regierungsbildung keine größeren Zwischenfälle zu erwarten.

Der 74-jährige neugewählte Präsident Sata gründete im Jahr 2011 die Patriotic Front (PF). Zuvor war er Mitglied der MMD und Minister der Regierung. Sata ist ein erfahrener Politiker, der harsche Kritik an den Arbeitsbedingungen im Bergbau übte. Besonders chinesische Minenbetreiber sind für ihre schlechten Arbeitsbedingungen bekannt. Die PF deutete an, dass sie sich nicht gezielt gegen chinesische und andere ausländische Investoren wende. Aber die Haltung der Regierung gegenüber dem Bergbausektor dürfte sich ändern, da die PF die Erwartungen der Wähler wird erfüllen wollen. Die Wiedereinführung der Gewinnabschöpfungssteuer für die Bergbauindustrie wurde im Oktober 2010 zwar abgelehnt, aber die Bevölkerung ist weiterhin enttäuscht von den niedrigen Einnahmen des Staates aus dem Bergbau. Die Diskussionen über eine Steuer oder die Anhebung der Konzessionszahlungen könnte daher wieder aufleben, und Reformen der Arbeitssicherheitsgesetze werden wahrscheinlich auf die politische Agenda gesetzt.

Die Geschäftsbedingungen für Investoren werden sich jedoch nicht spürbar verschlechtern. Schließlich zeigt der Indikator der Weltbank zur Geschäftstätigkeit, dass das Geschäftsumfeld insgesamt besser ist als in den meisten anderen afrikanischen Staaten südlich der Sahara. Sambia wird auf Rang 76 unter 183 Volkswirtschaften weltweit eingestuft, und die Einschätzung hinsichtlich des Investorenschutzes, einer von neun Indikatoren, ist mit Rang 74 noch etwas besser. Auch wenn die Import- und Exportkosten höher sind als im regionalen Durchschnitt, sind die Geschäftsrisiken keine bedeutende Belastung für die Wirtschaft.

Während der Weltwirtschaftskrise konnte Sambia ein positives Wirtschaftswachstum beibehalten. 2008 sank die reale Zunahme des BIPs leicht auf 5,7% auf Jahresbasis und bewegt sich derzeit wieder im Bereich von 6,5%. Auch die Inflation entwickelt sich in die richtige Richtung, und der IWF prognostiziert für die kommenden Jahre einstellige Preissteigerungsraten.

Sambia war nichtsdestotrotz von der globalen Rezession betroffen, was nicht verwunderlich ist, da Kupfer ein bedeutendes Exportprodukt des Landes ist und 70% zu den Einnahmen der Leistungsbilanz beiträgt. Daher verschlechterte sich die Leistungsbilanz, und die Landeswährung Kwacha wertete 2008 deutlich ab.

Seitdem hat sich die Leistungsbilanz jedoch verbessert und verzeichnet seit 2009 wieder einen positiven Saldo. Der Überschuss dürfte sich kurzfristig jedoch verringern und der Saldo im kommenden Jahr nahezu ausgeglichen sein. Natürlich sind die Aussichten von der Entwicklung des Kupferpreises abhängig, der jüngst deutlich gesunken ist und sich wegen der wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten in der EU und den USA weiter verringern könnte. Trotzdem liegen die Kupferpreise immer noch über dem Niveau der Krisenjahre 2008 und 2009.

Die komfortable Leistungsbilanz unterstützt die finanzielle Position gegenüber dem Ausland. Im Juni 2011 deckten die Währungsreserven nahezu drei Monatsimporte, was als Mindestniveau für die Durchführung internationaler Überweisungen gilt. Sambia hat die Vereinbarungen über einen Schuldenerlass im Rahmen der HIPC-Initiative im April 2005 abgeschlossen und profitierte von einer unwiderruflichen Schuldenentlastung. In der Folge sanken die Schuldenkennziffern auf ein beherrschbares Maß, und die Schuldendienstquoten erreichten sehr niedrige Werte.

Zusammengefasst, verschlechtern sich die Aussichten für Sambia und seine Leistungsbilanz vor dem Hintergrund eines eingetrübten globalen Wirtschaftsausblicks, aber das Länderrisiko sollte beherrschbar bleiben. Auch während der globalen Rezession 2008 und 2009 sowie nach dem Tod von Präsident Mwanawasa erreichte das politische Risiko nie ein bedrohliches Niveau.

Kontakt: c.witte[at]delcredere.eu

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