Die anhaltende Euro-Schuldenkrise schlägt sich erstmals auch deutlich in der Zahlungsmoral nieder. Griechische Unternehmen begleichen ihre Rechnungen im Durchschnitt erst nach 92 Tagen. Damit zahlen sie 15 Tage nach dem vereinbarten Zahlungsziel von 77 Tagen. 6% der griechischen Forderungen konnten nur noch als Totalausfall verbucht werden.

Von Sylvia Röhrig, Redakteurin ExportManager, F.A.Z.-Institut

Auf Platz 2 der schwächsten Zahler landet Spanien mit einer Zahlungsdauer von 87 Tagen bei einem großzügigen Zahlungsziel von 74 Tagen. Wesentlich besser sieht es dagegen in den USA und China aus. Dort gehen die Zahlungen im Durchschnitt nach 23 bzw. 21 Tagen ein, obwohl die eingeräumten Zahlungsziele mit 28 bzw. 27 Tagen darüber liegen. Das sind einige der Ergebnisse aus dem aktuellen Atradius Zahlungsmoralbarometer, für das im Sommer 2011 branchenweit 5.400 Unternehmen aus 27 Ländern befragt wurden.

Michael Karrenberg, Leiter Risikomanagement des Kreditversicherers Atradius in Köln, prognostiziert: „Eine weitere Verschärfung der Euro-Krise würde in den von der Schuldenkrise besonders betroffenen Ländern Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien zu einer noch restriktiveren Kreditvergabe der lokalen Banken und damit zu einer weiteren Verschlechterung der Zahlungsmoral in diesen Märkten führen.“

International gesehen, sind jetzt schon über 30% der Forderungen aus dem Ausland überfällig. In Deutschland liegt die Zahl noch darüber: Mehr als ein Drittel aller Exportforderungen (37%) deutscher Unternehmen werden nicht pünktlich beglichen. „Durch die anhaltende Schuldenkrise herrscht bei den Exporteuren zunehmend Verunsicherung darüber, ob sich die finanzielle Schieflage in der EuroZone auch auf die Bonität ihrer Geschäftspartner auswirkt“, stellt Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa von Atradius, fest. „Wir beobachten, dass die Unternehmen die Kreditwürdigkeit ihrer Geschäftspartner – insbesondere aus dem Ausland – vor Geschäftsabschluss genau prüfen.“ Die Nachfrage nach Forderungsausfallschutz für italienische Abnehmer schnellte bei Atradius im zweiten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 47% in die Höhe.

Als Hauptgrund für verspätete Zahlungen geben sowohl die deutschen als auch die internationalen Studienteilnehmer mehrheitlich fehlende Liquidität an. Spitzenreiter ist Griechenland: 84% der befragten griechischen Unternehmen geben fehlende liquide Mittel als Grund für verspätete Zahlungen an. Jedes zweite deutsche Unternehmen versucht, die Zahlungsbereitschaft seiner Abnehmer mit Hilfe der Einräumung von Skonto zu beschleunigen. Die Kunden reagieren allerdings nur verhalten darauf. „Für die Unternehmen ist es oftmals günstiger, den Lieferantenkredit in Anspruch zu nehmen und später zu zahlen“, weiß Karrenberg aus Erfahrung.

Die komplette Studie steht auf der Seite www.atradius.de zum Download bereit.

Kontakt: s.roehrig[at]faz-institut.de

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