Flexibilität, Sicherheit und Effizienz – das sind drei wichtige Schlagworte, die für innovative Lösungen in den Bereichen Export- und Handelsfinanzierung von Unternehmen mit internationalem Geschäftsmodell stehen. Auch auf Avale treffen diese Grundsätze zu, wenn die internen Prozesse und Strukturen sowie die IT-Systeme den modernen Anforderungen entsprechen und sie mit den Bankpartnern entsprechend strukturiert werden.

Von Dr. Olaf Graf, Manager Advisory, PricewaterhouseCoopers AG WPG

Oftmals entspricht der Status quo in Unternehmen einem Potpourri unterschiedlicher Excel- und Word-Dateien, Avalbedingungen und einer Vielzahl von Unternehmenseinheiten, die sich mit den entsprechenden Aufgaben befassen. Dieser Befund ist wenig überraschend, entspricht er doch den laufend steigenden Anforderungen an die mit Export- und Handelsfinanzierung betrauten Abteilungen. Diese Anforderungen gehen mit fortschreitender Internationalisierung und wachsendem Geschäftsvolumen einher. Mittlerweile ist in vielen Unternehmen eine kritische Masse erreicht, die eine Überprüfung von Prozessen, der Organisation sowie der Softwareunterstützung lohnend macht und enorme Effizienzsteigerungen verspricht. So können Kosten gesenkt und Trade-Finance-Funktionen zukunftssicher gemacht werden.

Organische Anpassungsprozesse haben auf der Unternehmensseite manche in­effiziente Struktur und Lösung hervor­gerufen. Jedem wird einleuchten, dass beispielsweise aufwendige papiergebundene Kommunikationswege den heutigen Anforderungen nicht mehr standhalten.

Mittlerweile gibt es ausgereifte Software-lösungen, die die unternehmensweit einheitliche Erfassung von Akkreditiven und Garantien, die Hinterlegung von Workflows und den abgestuften Zugriff für die verschiedenen Unternehmensteile unterstützen. Die existierenden Lösungen bilden nicht nur die unternehmensinternen Prozesse ab, sondern können über Kommunikationskanäle auch eine automatisierte elektronische Schnittstelle zu den Bankpartnern im Sinne eines Straight-through-Processings erzeugen.

Bei den oben angesprochenen Lösungen handelt es sich um sogenannte Multibankenplattformen, die nicht proprietär von einem einzelnen Bankpartner zur Verfügung gestellt werden. Über entsprechende Kommunikationskanäle kann weltweit eine Vielzahl von Banken an das System angebunden werden. Dies erlaubt ein unternehmensinternes Hosting der Plattform mit der damit verbundenen Datenhoheit sowie eine schnelle und einfache Steuerung des Akkreditiv- und Garantiegeschäfts im Unternehmen selbst. Alternativ ist das Outsourcing dieser Funktion an einen Agenten oder externen Dienstleister möglich.

Wichtig ist, Unternehmensprozesse, Freigabeerfordernisse, Zuständigkeiten etc. schon vor der Einführung einer Multibankenplattform exakt zu definieren. Dabei sind Compliance-Erfordernisse zu berücksichtigen und die an die Export- und Handelsfinanzierung angrenzenden Unternehmensfunktionen, wie Sales und Accounting, mit einzubeziehen. Kunden sehen hier oft das Erfordernis, auch Change­managementaspekte in dem Implementierungsprozess zu berücksichtigen. Eine weitere Herausforderung ist die Zusammenstellung einer konsistenten Datenbasis der Garantien und Akkreditive aus den existierenden Quellen im Unternehmen. Die Kombination aus abgestimmten Prozessen und einer Multibankenplattform eröffnet enorme Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung. Neben Garantien können auch Akkreditive administriert werden, was die Qualität der Akkreditivdaten und deren Akzeptierung bei erster Vorlage deutlich erhöht.

Schnelle Prozesse, schlanke Strukturen und zeitgemäße IT sind nur ein Teil dessen, was eine moderne Export- und Handelsfinanzierungsabteilung tun kann, um sich fit für die Zukunft zu machen. Auch die zugrundeliegenden Finanzierungen können flexibilisiert werden.

Im Bereich der industriellen Produktion sind international agierende Unternehmen zur Unterstützung ihres Geschäfts in großem Umfang auf Avallinien angewiesen. Dabei haben es Unternehmen häufig mit einem im Hinblick auf Volumen, Bedingungen und Bankpartner, sehr heterogenen Avallinienportfolio zu tun. Die Avallinien sind oft über den Globus verteilt und werden von lokalen Unternehmenseinheiten mit lokalen Bankpartnern verhandelt. Gleichzeitig ist ein bedeutender Teil des Avalportfolios durch syndizierte Linien abgedeckt. Die Kombination aus syndizierten und bilateral verhandelten Avallinien hat folgende Vor- und Nachteile: Die syndizierte Lösung ermöglicht die nachhaltige und sichere Bereitstellung großer Volumen über einen vergleichsweise langen Zeitraum zu einheitlichen Konditionen. Mit ihr sind jedoch auch einige Fallstricke verbunden. So wird es z.B. notwendig, eine Anschlussfinanzierung für eben diese großen Volumen zum Ende der Laufzeit sicherzustellen. Haben sich die äußeren Bedingungen geändert und ist eine Anschlussfinanzierung daher nicht ohne weiteres möglich, besteht das Risiko, dass ein großer Block der Avallinie wegbricht oder in gleichem Umfang nur zu verschlechterten Konditionen refinanziert werden kann.

Darüber hinaus ist ein Austausch der ­Konsortialbanken während der Laufzeit der Syndizierung nur selten möglich. ­Spätestens seit der Finanz- und Wirtschaftskrise wissen wir, dass die Bewertung einzelner Banken dies aber durchaus erforderlich machen kann. Dies gilt ins­besondere dann, wenn die Akzeptanz von garantiestellenden Banken auf der ­Kundenseite an ein Rating geknüpft ist. Eine Anpassung des Kreises der Konsortialbanken ist auch erforderlich, wenn sich das Geschäftsmodell ändert und neue Märkte und Kunden erschlossen werden sollen.

Bilaterale Avallinien hingegen eröffnen eine hohe Flexibilität und die bedarfsgerechte Auswahl der Bankpartner. So ist es möglich, die Avallinien rollierend an die Geschäftserfordernisse anzupassen und auf Änderungen in der Bankenlandschaft zu reagieren. Jedoch sind große Avalvolumen über einzelne Banken nur schwer zu realisieren, so dass es notwendig ist, das Gesamtvolumen über viele Bankpartner aufzubringen. Dies bedeutet einen hohen administrativen Aufwand und eine Zersplitterung der Avalbedingungen.

Beide Strukturen beinhalten also Vor- und Nachteile. Dies erklärt auch, warum Unternehmen oftmals eine Kombination wählen, um zum einen verlässlich den Garantiebedarf decken zu können (Syndizierung) und zum anderen situativ und flexibel auf das Geschäftsumfeld reagieren zu können (bilaterale Linien).

Anders als bei der Kombination von Syndizierung und bilateralen Fazilitäten ermöglicht eine sogenannte Umbrella- Facility, die oben beschriebenen Vorteile zu erhalten und vorhandene Nachteile zu beseitigen. Denn diese Struktur greift die Mechanismen einer Syndizierung auf, ohne die Flexibilität bei Auswahl und Wechsel von Bankpartnern aufzugeben. Der Umbrella baut dabei auf einheitliche Avalbedingungen auf, die mit allen Bankpartnern bilateral vereinbart werden. Ein Agent, der unternehmensintern oder als Dienstleister unternehmensextern angesiedelt sein kann, übernimmt dabei die Koordination der Garantiebereitstellung inklusive Abrechnung, Reporting und Support. Der hohe administrative Aufwand durch unterschiedliche Garantiebedingungen und Gebühren entfällt. Umgekehrt bleibt aufgrund der bilateralen Avalvereinbarungen ein hohes Maß an Flexibilität. Bankpartner oder Linienvolumen können ausgetauscht und angepasst werden. Über entsprechende interne Prozesse und mit spezialisierter IT-Unterstützung kann ferner der direkte Zugriff unterschiedlicher Unternehmenseinheiten auf die benötigten Garantievolumen ermöglicht und gesteuert werden.

Mit der Umbrella-Struktur werden folgende Ziele realisiert:

  • Diversifizierung der Bankpartner
  • sicherer Zugang zu Avallinien
  • Harmonisierung der Avalgebühren
  • einheitliche Kreditdokumentation mit allen Banken
  • effiziente, einfache und klare Prozesse
  • selbständiges Handeln der einzelnen Unternehmenseinheiten innerhalb eines vorgegebenen Rahmens
  • flexible Auswahl der Garantietexte und Banken
  • verlässliche Garantiedaten

Kontakt: olaf.graf[at]de.pwc.com

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