Das Jahr 2020 war für das US-Geschäft deutscher Firmen herausfordernd: Die Pandemie hat das Wirtschaftsleben gelähmt, zu Reisebeschränkungen geführt und viele haben Investitionen aufgeschoben. Jetzt müssen sie wieder den Anschluss finden.

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Im Krisenjahr 2020 lieferten sich die USA und China ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Jahrelang flossen in kein anderes Land so viele Direktinvestitionen wie in die Vereinigten Staaten. Im vergangenen Jahr holte die Volksrepublik auf – und landete mit Zuflüssen von 149 Mrd USD knapp auf Platz 2. Von den 156 Mrd USD Direktinvestitionen in die USA stammten knapp 21 Mrd EUR von deutschen Firmen – die damit die wichtigsten Investoren im US-Markt waren. Andere Europäer wie die Schweiz, Frankreich, Großbritannien und Schweden landeten immerhin noch in den Top 7.

Die Zahlen unterstreichen eindrucksvoll die Bedeutung der transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen. Von den weltweiten grenzüberschreitenden Investitionen kamen im Jahr 2019 rund zwei Drittel aus den USA und aus Europa. Betrachtet man die Zielländer der Investitionen, sind die USA und Europa ebenfalls ganz vorne: 61% der ausländischen Direktinvestitionen flossen in die beiden Märkte.

Deutsche Unternehmen investieren in den USA vor allem in erneuerbare Energien, Technologien zum Ressourcenschutz, Energieeffizienz, neue Materialien, Leichtbau, alternative Antriebe und Komponenten für die Luft- und Raumfahrt. In elf US-Bundesstaaten kommen die meisten Auslandsinvestitionen aus Deutschland. Traditionell siedeln sich deutsche Unternehmen vor allem in vier Regionen an: Im nördlichen Staat Wisconsin sitzen vor allem Maschinenbauer, in den Südstaaten Georgia, North Carolina und Alabama die deutschen Automobilhersteller bzw. deren Zulieferer. Hier fertigen bspw. Volkswagen, Mercedes-Benz und BMW. In der Metropolregion Boston haben sich zahlreiche Medizinspezialisten niedergelassen und Texas ist zur zweiten Heimat der deutschen chemischen Industrie geworden.

Deutsche Firmen holen zurückgehaltene Investitionen nach

Jetzt kommt neuer Schwung ins transatlantische Verhältnis. Viele Exporteure, die eigentlich investieren wollten, hatten ihr Kapital in den vergangenen Monaten und Jahren nämlich zurückgehalten. Die Politik Donald Trumps hatte Unsicherheit geschürt: Er sorgte für Strafzölle und verschärfte die Einreisebedingungen für Expats. Und natürlich brachte die Corona-Krise nie dagewesene Herausforderungen. EU-Bürger durften monatelang nicht in die Vereinigten Staaten einreisen. Dazu kam der Wahlkampf – niemand konnte mit Sicherheit sagen, was nach der Wahl kommt.

Trotz der Handelsbarrieren zwischen China und den USA sowie anfälliger Lieferketten herrscht mittlerweile mehr Planbarkeit und das Investitionsklima hat sich deutlich verbessert. Die Unternehmen schauen positiv in die Zukunft und wollen das Geld endlich ausgeben, das sie in den vergangenen Monaten und Jahren zurückgehalten haben. Ein Großteil der Mittel dürfte in den Umwelt- und Klimaschutz sowie in die Infrastruktur fließen. Die Regierung von Präsident Joe Biden bringt gerade milliardenschwere Finanzierungsprojekte auf den Weg, an denen auch deutsche Exporteure teilhaben können.

Finanzpartner wie die Landesbank Baden-Württemberg ermöglichen solche Geschäfte oft überhaupt erst. Wer in den USA investieren will, benötigt mitunter einen sogenannten Standby Letter of Credit (SBLC), um das laufende Projekt abzusichern. Als Beispiel sei hier ein europäischer Energiespezialist angeführt, der in den USA Wind- und Solarparks errichtet: Die Gemeinde, in der die Parks entstehen sollen, und andere Zulieferer werden Sicherheiten verlangen, dass das Projekt auch wirklich gebaut und fertiggestellt und produzierte Ware auch bezahlt wird. Andernfalls erwarten sie eine finanzielle Entschädigung von der Bank des Kreditnehmers. Die LBBW stellt ihrem Kunden eine größere Standby-Kreditlinie zur Absicherung dieses und anderer laufender Projektrisiken zur Verfügung.

Weitere Möglichkeiten der Expansion oder des Markteintritts

Ein weiteres Mittel zur Expansion wählte ein anderes Unternehmen: Nach erfolgreichem Markteintritt in den USA nutzte der Inhaber eines in Deutschland und den USA aktiven Zweiradspezialisten den Teilverkauf seiner Unternehmensanteile und konnte so das notwendige Kapital zur strategischen Expansion der Firma mobilisieren. Er fand einen globalen Investor – und die Landesbank Baden-Württemberg kofinanzierte die Transaktion im mittleren dreistelligen Millionenbereich.

Oft folgen deutsche Mittelständler auch ihren bereits aus Europa bekannten Kunden in den Absatzmarkt USA. Abnehmer dort verlangen oft ausdrücklich, dass der deutsche Zulieferer auch vor Ort präsent ist. Nicht nur diese Nähe zum Kunden ist für deutsche Firmen ein Erfolgsfaktor. Vielmehr entstehen aus der engen Zusammenarbeit auch Wettbewerbsvorteile: Wenn US-Spezialisten mit deutschen Produktentwicklern zusammenarbeiten, kommen weltweit gefragte innovative Produkte heraus.

Wer hier investieren will, benötigt dafür natürlich eine passende Finanzierung. Doch aufgrund ausländischer Eigentümerstrukturen und fehlender Kredithistorie können lokale Banken meist keine attraktive Lösung für landesfremde Firmen anbieten. Als Ausweg erscheint häufig nur eine sogenannte Intercompany-Finanzierung, bei der das Kapital durch eine gruppeninterne Struktur bereitgestellt wird. In den meisten Fällen ist das allerdings nicht die beste Alternative: Für die kreditgebende Muttergesellschaft kann es dabei nämlich zu bilanziellen Nachteilen kommen. Intercompany-Finanzierungen sind Forderungen gegen verbundene Unternehmen; sie senken die Eigenkapitalquote, sie können Währungsrisiken mit sich bringen und das Unternehmer muss Verrechnungspreise finden, die auch für die Steuerbehörden passen.

Lokale Finanzierungslösungen sind deswegen häufig die bessere Option. Diese bilateralen Verträge haben zahlreiche Vorteile: Sie schonen die Eigenkapitalquote der Muttergesellschaft, vermeiden Währungsrisiken, lösen die Verrechnungspreisproblematik und es gibt keine Diskussion über die Bewertung der Intercompany-Forderung. Dazu kommen insolvenzrechtliche Vorteile, denn Gesellschafterdarlehen können in den USA u.U. als Eigenkapital klassifiziert werden. Gerade hat die LBBW-Niederlassung in New York einen bilateralen Kredit mit einem deutschen Werkzeugmaschinenbauer abgeschlossen. Das Unternehmen will in den USA ein Grundstück kaufen und darauf sein US-Headquarter sowie ein Technologiezentrum errichten.

Doch es gibt noch eine dritte Finanzierungsart, die viele außer Acht lassen: den sogenannten Ancillary-Kredit, also einen Untervertrag eines in Deutschland bestehenden Konsortialkredits. Unternehmen, die einen Konsortialkreditvertrag in Deutschland abschließen, können dabei ihre weltweiten Tochterunternehmen als weitere mögliche Kreditnehmer mit in den Vertrag aufnehmen.

Finanz-Drehscheibe New York

Wer hier die richtige Entscheidung treffen will, braucht also einen kompetenten Finanzpartner, der das Wachstum nicht nur begleitet, sondern der sowohl in Deutschland als auch in den USA präsent ist. Um Kunden in Nordamerika bestmöglich zu bedienen, hat die LBBW den „Hub Americas“ gegründet, zu dem neben der Niederlassung New York auch Repräsentanzen in Toronto und São Paulo sowie eine Finanzierungsgesellschaft in Mexiko-Stadt gehören. Drehschreibe für den nordamerikanischen Markt ist New York: Die Koordinationsstelle für die Region reicht auch Kredite an kanadische Kreditnehmer aus und arbeitet eng mit der mexikanischen Finanzierungsgesellschaft zusammen. Das schafft Vorteile für Firmen, die in mehreren Ländern des amerikanischen Kontinents aktiv sind.  Beim LBBW German Desk in New York steht ein Team zweisprachiger Mitarbeiter bereit, das die Unternehmenskunden der LBBW, der BW-Bank sowie der Sparkassen vor Ort begleitet. Die Experten beraten u.a. in Sachen Markteintritt, informieren über die aktuelle Wirtschaftslage und das regulatorische Umfeld. Und: Sie vermitteln Kontakte zu lokalen Netzwerken, Behörden und Dienstleistern. Eine Partnerschaft vor Ort braucht nämlich nicht nur einen zuverlässigen Bankpartner – auch wenn das den Grundstein legt für einen gut geplanten Markteintritt, eine Investition oder Expansion jenseits des Atlantiks.

martin.breckheimer@lbbwus.com

markus.schmauder@lbbw.de

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