Containermangel, gesperrte Häfen und der Stau im Suezkanal zeigen nicht nur die Verletzlichkeit der Lieferketten, sondern auch den Bedarf an Außenhandel, Investitionen und globaler Unterstützung.

Die Außenwirtschaft trägt maßgeblich zur Wirtschaftsleistung Deutschlands bei. Automobil- und Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie setzen einen Großteil ihrer Produkte im Ausland ab und importieren von dort entlang ausgedehnter Lieferketten. Dabei erzielt Deutschland seit Jahren hohe Handelsüberschüsse und investiert die erzielten Erlöse als Kapitalexport wieder im Ausland.

Außenhandel nimmt wieder Fahrt auf

Der deutsche Außenhandel erholt sich im Jahr 2021 von dem starken Rückgang des vergangenen Jahres. In den ersten sieben Monaten stiegen die Warenexporte um 16,1% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum, die Warenimporte wuchsen um 15,6%. In der Handelsbilanz schlägt sich diese Entwicklung in einem Wiederanstieg des Überschusses um 18,5 Mrd EUR nieder. Der deutsche Leistungsbilanzsaldo erhöhte sich im gleichen Zeitraum um 21,3 Mrd Euro.

Branchen holen Rückgänge langsam auf

Für die wichtigsten deutschen Exportgüter zeigt sich 2021 eine teilweise mühsame Erholung. Die anhaltenden Lieferengpässe lassen trotz guter Auftragslage keine schnellen Absatzsteigerungen zu. Die Auslandsverkäufe von Kraftwagen und -teilen stiegen im Zeitraum Januar bis Juli 2021 um 27,5% gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Mit einem Exportanteil von 15,9% waren sie erneut die bedeutendsten Handelsgüter. Die Lieferungen von Maschinen lagen um 12,4% über dem Vorjahreswert, sie hatten in den ersten sieben Monaten 2021 einen Exportanteil von 14,3%. Chemische Erzeugnisse konnten um 19,9% zulegen und kamen auf einen Anteil von 9,9%.

Ein ähnliches Bild zeigte sich auch auf der Importseite. Dort machte sich allerdings der Anstieg der Ölpreise in einem deutlich höheren Import von Erdöl und Erdgas bemerkbar. Sie stiegen von Januar bis Juli 2021 um 30,2% gegenüber dem Vorjahr. Und die aktuelle Preisentwicklung legt einen noch stärkeren Zuwachs nahe. Doch auch die Metallimporte spiegelten mit einem Plus von 38,9% die höheren Preise wider.

Außenwirtschaft hofft auf Normalisierung

Unter den wichtigsten Handelspartnern waren nach den EU-Staaten erneut die USA und China führend. Während die Verbringungen innerhalb der EU in den ersten sieben Monaten 2021 um 20,2% stiegen, erhöhten sich die Bezüge im innergemeinschaftlichen Verkehr um 18,1%. Der Warenaustausch mit Großbritannien entwickelte sich etwas ungleichgewichtiger. Die deutschen Exporte dorthin erhöhten sich um 3,3%, während die Importe um 7,6% abnahmen.

Der Handel mit Drittstaaten legte von Januar bis Juli 2021 exportseitig um 11,5% zu, auf der Importseite betrug der Anstieg 12,7%. Führende deutsche Absatzmärkte waren erneut die USA und China. In Richtung USA erhöhten sich die Exporte um 19,1%, nach China wurden 15,2% höhere Warenwerte geliefert. Auf der Importseite lag China vor den USA. Die Bezüge aus China stiegen um 13,5% und die aus den USA um 6,0%.

Ausschlaggebend für die Entwicklung des Außenhandels waren neben der verringerten Vergleichsbasis im vergangenen Jahr auch die anhaltenden Maßnahmen gegen das Coronavirus Covid-19. In China wurden rigoros Fabriken, Häfen und Flughäfen geschlossen, wenn es zu erneuten Ausbrüchen kam. Dazu gab es weitere logistische Hindernisse und Versorgungsschwierigkeiten.

Politische Konflikte halten an

Doch es gibt auch Stimmen, die eine Abkehr von der Globalisierung und der intensiven weltweiten Arbeitsteilung fordern. Das exportgetriebene Wachstum Deutschlands steht schon länger in der Kritik. Vor allem in Europa und den USA drängen die Handelspartner auf eine Stärkung der deutschen Binnennachfrage, um die hohen Fehlbeträge im bilateralen Handel zu verringern. Hinzu kommen politische Vorbehalte gegen Exporte sensibler Güter in bestimmte Länder. Sanktionen und Embargos betreffen inzwischen nicht allein den Nahen Osten und Osteuropa, auch China gerät zunehmend in den Fokus der US-Behörden. Deren Sekundärsanktionen sind auch für deutsche Unternehmen relevant.

Mit der Novellierung der EU-Dual-Use-Verordnung werden auch Exporte an die Voraussetzung geknüpft, dass die exportierten Güter nicht zu einer Verletzung von Menschenrechten eingesetzt werden. Auf der Importseite werden verbindliche Sorgfaltspflichten diskutiert, die das importierende Unternehmen zur Einhaltung der Menschenrechte entlang seiner Lieferkette einhalten soll. Und es wird diskutiert, dass bestimmte Güter wieder im eigenen Land produziert werden sollen, um die Abhängigkeit von ausländischen Zulieferern zu verringern. Eine neue Qualität bekommt diese Diskussion durch die Forderungen in der EU nach einer Zerschlagung der dominierenden Internetkonzerne aus den USA und einer Abkehr von deren auf persönlichen Daten gestützten Geschäftsmodellen. Die EU würde damit einen ähnlichen Weg wie Russland und China gehen, die den Aufbau eigener Plattformen betrieben haben.

Auslandsinvestitionen kehren zurück

Erste Anzeichen für eine geringere Auslandsverflechtung deutscher Unternehmen im vergangenen Jahr haben sich nicht bestätigt. Im ersten Halbjahr 2021 legten die Nettoabflüsse deutscher Direktinvestitionen im Ausland um 68,4% gegenüber den ersten zwei Quartalen 2020 auf 62,82 Mrd EUR zu. Besonders gefragt war Großbritannien. Dort wurden 19,62 Mrd EUR investiert. Die USA kamen auf 8,23 Mrd EUR und China auf 6,36 Mrd EUR. Allerdings sind dies nur kurzfristige Ausschnitte aus dem langfristig angelegten Auslandsengagement deutscher Unternehmen. Weiterhin bleiben die USA der bedeutendste Standort deutscher Unternehmen außerhalb der EU, gefolgt von Großbritannien und China.

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