Die Farbe Grün kehrt allmählich auf die Risiko-Weltkarte zurück: Zuletzt hat Coface die Länderrisikoeinschätzung* für elf Länder verbessert, darunter rohstoffreiche Nationen wie die USA, Russland, Australien und Saudi-Arabien.

Rohstoffreiche Länder profitieren derzeit deutlich von der globalen Konjunkturbelebung und der damit verbundenen starken Nachfrage nach ihren Produkten. So sind die Preise für viele Rohstoffe auf Mehrjahreshöchststände geklettert. Insgesamt elf Länder erhalten in der Folge eine bessere Länderrisikobenotung. Hierzu zählen die USA, Kanada und Australien, die nun mit A2 bewertet sind – der besten Risikoklasse, die Coface derzeit vergibt. In Osteuropa profitieren Aserbaidschan und Russland und klettern wie Saudi-Arabien von C auf B. In Lateinamerika verbessern sich Ecuador (nun in C) und Mexiko (nun in B), auf dem afrikanischen Kontinent sind es Guinea, die Republik Kongo (beide nun in C) und Botswana, das von B zu A4 aufsteigt.

Europa und Nordamerika: neue Infrastrukturinvestitionen

Unsere Volkswirte rechnen für 2021 mit einem weltweiten Wirtschaftswachstum von 5,6%, was vor allem auf eine Konjunkturbelebung der Vereinigten Staaten zurückzuführen ist. Diese verbesserten Aussichten spiegeln sich auch im Welthandel wider: Nach einem Rückgang des Handelsvolumens um 5% im Jahr 2020 prognostiziert Coface für 2021 einen Anstieg um 11%. Zwei Risiken machen die Fortsetzung dieses positiven Trends jedoch ungewiss: Zum einen würde eine anhaltende Verlangsamung der Impfrate das Erreichen der Herdenimmunität verzögern. Zum anderen lassen neue und schneller übertragbare Virusvarianten befürchten, dass es zu neuen Ansteckungswellen kommen könnte. Im Jahr 2022 sollte die Umsetzung des von Joe Biden angekündigten Infrastrukturplans vielen Wirtschaftszweigen zugutekommen.

In Europa wird sich die Freigabe des im Juli 2020 angekündigten europäischen Wirtschaftsfonds unterschiedlich auf die Volkswirtschaften auswirken und zwei Zwecken dienen: In der kurzen Frist sollen die Nachfrage gestützt und der derzeitige Aufschwung beschleunigt werden. Langfristig geht es um den Ausbau von Wirtschaftssektoren, die das Potenzialwachstum der Volkswirtschaften erhöhen dürften, z.B. die E-Mobilität.

Schwellenländer: Nachfrage gebremst

Ein anderes Bild zeigt sich in den Schwellenländern: Der langsame Fortschritt der Impfkampagnen macht es unwahrscheinlich, dass die Herdenimmunität dort in den nächsten zwölf Monaten erreicht wird. Eine Fortführung der Stop-and-Go-Strategie wird die Binnennachfrage in den meisten Schwellenländern daher weiterhin einschränken. Die Gesundheitssituation in mehreren südostasiatischen Ländern, vor allem in Malaysia, Thailand, Südkorea und Japan, war im Sommer 2021 äußerst angespannt. In Lateinamerika hat sich die Situation zudem nur begrenzt entspannt.

Steigende Inflation begrenzt Erholung

Neben dem gesundheitlichen Kontext dürften der Anstieg der Inflation (+8,4% im Jahresvergleich in Brasilien im Juni, ein Fünfjahreshoch) und die sich daran anschließende kontraktive Geldpolitik das Ausmaß der Erholung der Binnennachfrage begrenzen. Länder, deren Wertschöpfung einen großen Importanteil hat, werden zudem durch einen deutlichen Anstieg der Importpreise bestraft. Das ist z.B. der Fall für China, wo Rohstoffimporte mehr als 30% der gesamten Einfuhren ausländischer Waren ausmachen. Während sich die Verbraucherinflation im Mai dort mit 1,3% noch in Grenzen hält, spricht der starke Anstieg der Erzeugerpreise um 9% im Vergleich zum Vorjahr für eine Beschleunigung in den kommenden Monaten.

Und Deutschland? Nachfrage steigt, Preise auch

Verbessert hat Coface in Deutschland seine Risikoeinschätzung für die Chemie- (von mittleres auf niedriges Risiko) sowie die Metall- und die Holzbranche (jeweils von hohes auf mittleres Risiko), während die Länderbewertung unverändert bei A3 bleibt. Die Vorzeichen für eine Rückkehr zu A2 in den kommenden Monaten stehen dennoch gut.

Durch die starke Belebung des Verarbeitenden Gewerbes, das vor allem chemische Inputprodukte benötigt, profitiert die Chemiebranche aktuell besonders stark von der globalen Konjunkturbelebung. Dies bestätigen nicht nur Stimmungsindikatoren wie das ifo-Geschäftsklima für die Chemiebranche, sondern auch steigende Auftragseingangs- und Produktionszahlen. Die Risikoeinschätzung für die Metallbranche wurde zum zweiten Mal in Folge verbessert. Die Nachfrage aus dem In- und Ausland ist deutlich gestiegen. Zwar kommt die Produktion noch nicht den Aufträgen hinterher, da die Rohstoffe knapp sind und es zu Lieferengpässen und deutlichen Preisanstiegen kommt. Letzteres kann allerdings an die Kunden weitergegeben werden, wodurch die Unternehmensstimmung bei den Metallern seit langer Zeit wieder auf einem Höchstwert liegt. Positiv ist auch der Ausblick für die Holzbranche. Hier besteht derzeit eine extrem hohe nationale wie internationale Nachfrage, u.a. für Bauholz.

Sollten die bisherigen Lockerungen in Deutschland fortgesetzt werden und die Aussichten positiv bleiben, steht einer A2-Länderbewertung nichts mehr im Wege. Dafür stehen jedoch noch einige Lockerungsschritte an. Denn weiterhin können das Gastgewerbe, der Tourismus und die Unterhaltungsbranche nur in einem begrenzten wirtschaftlichen Rahmen agieren.

Länderrisikokarte Coface

© Coface

* Die Länderrisikoeinschätzung spiegelt die Wahrscheinlichkeit von erhöhten Zahlungsausfällen in einem Land in den nächsten sechs Monaten wider. Dabei reicht die Bewertungsskala von A1 (sehr geringes Risiko) über A2, A3, A4 bis hin zu B, C, D und E (extrem hohe Ausfallwahrscheinlichkeit).

 


Autor

Sebastian Knierim,
Pressesprecher Deutschland,
Coface

 

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