Ein klassischer Fall: Die Ware ist ausgeliefert – die Dienstleistung erbracht. Der Zahlungseingang wird erwartet. Aber der Kunde lässt sich mit der Bezahlung der Rechnung viel Zeit. Handelt es sich um einen neuen Geschäftspartner, der im Ausland sitzt, steigt der Unsicherheitsfaktor, sofern der Exporteur nicht über gesicherte Bonitätsinformationen des Neukunden verfügt. Werden Forderungen im schlimmsten Fall nicht beglichen, kann das den Lieferanten in Liquiditätsschwierigkeiten bringen.

Von Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa, Atradius Kreditversicherung

Um in Zeiten der Globalisierung im internationalen Wettbewerb mitzuhalten, kann heute kaum eine Branche darauf verzichten, Zahlungsziele mit Abnehmern zu vereinbaren und damit Lieferantenkredite anzubieten – auch im Ausland. Auf diese Weise gewähren Firmen allein ihren deutschen Kunden jährlich Kredite im Wert von rund 300 Mrd EUR. Das Risiko: 30% der Aktivseite einer Bilanz bestehen aus offenen Forderungen.

Auswahl einer geeigneten ­Absicherungsform

Die Vereinbarung einer Vorauszahlung ist das einfachste Mittel, Forderungsausfällen zu begegnen und die Bilanz zu schützen – meist jedoch nicht durchzusetzen beim Abnehmer. Ebenso ist die Absicherung eines Handelsgeschäfts durch ein Akkreditiv möglich. Die Vereinbarung von Akkreditiven ist bedingt durch verschiedene beteiligte Akteure oft langwierig.
Ein zentraler Faktor für die Wahl eines geeigneten Absicherungsinstruments durch einen externen Dienstleister sind kurze Reaktionszeiten. Das ermöglicht die Absicherung von Forderungen mit einer Kreditversicherung. Der Lieferant kann rund um die Uhr Informationen abrufen und Versicherungsschutz für seine Geschäfte online beantragen. Damit ist eine kurzfristige und effektive Absicherung möglich. Die Liquidität ist auch im Falle der Nichtzahlung gesichert. In der Regel sichert die Kreditversicherung bis zu 90% der Forderungssumme ab.

Verhandlungsvorteil ­Kreditversicherung

Da insbesondere Banken Sicherheiten benötigen, ist das Vorhandensein einer Kreditversicherung von strategischem Vorteil. Denn in vielen Kreditinstituten ist diese Information Bestandteil des individuellen Bonitätsratings des Bankkunden, das neben weiteren Kennzahlen als Bewertungsbasis für die Finanzierungsentscheidung dient. Im Sinne eines Frühwarnsystems gibt der Kreditversicherer Hinweise zur Zahlungsfähigkeit der Abnehmer des Versicherungsnehmers. Ist diese schlecht, kann der Lieferant mit seinem Abnehmer frühzeitig Alternativen vereinbaren, wie etwa eine Vorauszahlung oder Ratenzahlung. Damit kann der Exporteur am Ende einen Forderungsausfall vermeiden.

Positive Erfahrungen eines ­Mittelständlers

Diese Erfahrung hat auch Jürgen Bluhm, Leiter Finanz- und Rechnungswesen, vom Pyrotechnikspezialisten WECO Pyrotechnische Fabrik GmbH aus Eitorf gemacht. WECO wurde vor 66 Jahren gegründet und ist heute Marktführer in Europa im Bereich Feuerwerk. Gründer Hermann Weber startete 1948 mit dem Vertrieb von Wunderkerzen. Das heutige Programm umfasst mehr als 2.500 Einzelartikel aus allen Klassen der Pyrotechnik vom Tischfeuerwerk bis zum Großfeuerwerkskörper. WECO-Feuerwerk unterhält Betriebsstätten in Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Österreich und den Niederlanden.

Der Prokurist Jürgen Bluhm stellt fest: „Eine Kreditversicherung ist nicht unmittelbar der Garant für gute oder weniger vorteilhafte Konditionen. Aber ich habe bereits häufiger unser Unternehmensrating mit unseren Banken besprochen. Das Vorhandensein einer Forderungsabsicherung fließt positiv in das Kreditscoring ein ebenso wie die Wettbewerbssituation oder die Branchenentwicklung.“

Hinweis für die Bonitätsanalyse: die Aktivseite der Bilanz

Die meisten Banken begrüßen, wie von Bluhm beschrieben, die Absicherung der Forderungen über eine Warenkreditversicherung, denn der Ausfall einer Forderung kann sich je nach Ausfallsumme negativ auf die Bilanz auswirken.
Der Firmenkundenbetreuer der Bank analysiert für die Bonitätsanalyse des Firmenkunden auch die Höhe der Forderungen aus Lieferungen und Leistungen – die erwähnte Aktivseite der Bilanz. Darin werden ebenfalls die Außenstände abgebildet. Sind diese im Vergleich zu den Umsatzerlösen hoch, wirkt sich dies negativ auf das Rating bzw. den Score aus. Ein funktionierendes Forderungsmanagement, das eine regelmäßige Überwachung der Bonität beinhaltet, dient als belastbares Argument für die Verbesserung dieses Scores. In einigen Fällen wird sogar die Abtretung der Entschädigungsansprüche, die im Falle eines Forderungsausfalls entstehen, an die Hausbank vereinbart.

Kontakt: thomas.langen[at]atradius.com

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