In der jüngsten Atradius-Studie zur Zahlungsmoral in Nord- und Südamerika berichteten die 800 befragten Unternehmen der Region von einer im Vergleich zu anderen Regionen schlechten Zahlungsmoral in Südamerika. Als Gründe dafür wurden Liquiditätsschwierigkeiten bei Inlandskunden sowie ineffiziente Zahlungsabläufe bei Auslandskunden genannt. Die Totalausfälle sind deutlich höher als in Europa – insbesondere Brasilien und Mexiko haben damit zu kämpfen.

Von Dr. Thomas Langen, Senior Regional Director Deutschland, Mittel- und Osteuropa, Atradius Kreditversicherung

Die dritte Auskopplung des diesjährigen Zahlungsmoralbarometers des internationalen Kreditversicherers Atradius untersucht neben der Zahlungsmoral in den USA, Kanada und Mexiko erstmals die Zahlungserfahrungen brasilianischer Unternehmen. Ergebnis: Im Austragungsland der Fußballweltmeisterschaft 2014 können knapp 8% der inländischen Forderungen gegenüber Geschäftskunden nur noch als Totalausfall verbucht werden. Knapp dahinter liegt Mexiko mit 6,4% an abgeschrie­benen Forderungen. In den USA sanken die Zahlungsausfälle im Inland von 5,1% auf 4,5%. Auch die kanadischen Firmen blieben im Vergleich zum Vorjahr mit 4,3% auf weniger unbezahlten Rechnungen ­sitzen.

Der Einzug offener Rechnungen von ausländischen Geschäftspartnern stellt in Nord- und Südamerika eine größere Herausforderung dar als in Europa. Die brasil­ianischen Exporteure blieben auf 7,3% ihrer Forderungen gegenüber ausländischen Kunden sitzen, dicht gefolgt von den USA, wo die befragten Firmen 6,7% der offenen Rechnungen als Verlust verbuchen mussten, und Kanada mit 5,9%. In Mexiko fielen 5,5% ganz aus. Insgesamt sind die ausländischen Zahlungsausfälle in Nord- und Südamerika in der aktuellen Befragung mit 6,4% im Durchschnitt deutlich höher als die in West- und insbesondere in Osteuropa. Danach fielen in Westeuropa 4,7% der ausländischen Forderungen aus. Für Osteuropa liegen die Verluste bei Forderungen gegenüber ausländischen Kunden nur bei 2,6%.

Die möglichen Gründe für die Ausfälle sind zahlreich: wenig Erfahrung im Exportgeschäft, schlechte Zahlungsmoral, Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede oder ein unzureichendes Forderungsmanagement. Die Zahlen belegen ebenfalls, dass inländische Forderungen in Schwellenländern wie Brasilien und Mexiko eine größere Gefahr bergen als in voll entwickelten Märkten wie den USA und Kanada.

Die aktuelle Studie zeigt, dass die Generierung und Erhaltung ausreichender Liquidität trotz eines leicht verbesserten wirtschaftlichen Umfelds weiterhin die größte Herausforderung darstellt. Trotz der schwierigen Situation bei den Abnehmern zeigen die Lieferanten in Brasilien und Mexiko die größte Bereitschaft für Lieferantenkredite. 54% der lokalen Forderungen werden auf Ziel gewährt, in Mexiko sind es 52,2%. Die USA gewähren mit 46,1% die meisten Lieferantenkredite bei Auslandsgeschäften. Die mexikanischen Firmen setzen die längsten Zahlungsziele mit durchschnittlich 45,7 Tagen im Inland und 47,6 Tagen im Ausland.

Ein Wirtschaftsumfeld, in dem ein leichter Rückgang der Insolvenzen zu verzeichnen ist, hat nicht automatisch ein geringeres Risiko für Zahlungsausfälle zur Folge. So ist es im aktuellen wirtschaft­lichen Umfeld wichtig, dass die Unternehmen ihr individuelles Debitorenmanagement weiter verbessern, um ihre Liquidität und damit ihre finanzielle Stabilität zu schützen und um somit die Voraussetzungen für ein gesundes Unternehmenswachstum zu schaffen.

Der Gesamtbericht sowie die Länder­berichte zu Brasilien, Mexiko, den USA und Kanada stehen unter www.atradius.de im Bereich Publikationen kostenfrei zum Download bereit.

Kontakt: thomas.langen[at]atradius.com

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