Der Wirtschaftssamba in Brasilien ist aus dem Takt geraten. Nach den Boomjahren der vergangenen Dekade macht sich Ernüchterung in Brasilien breit. Jetzt rächt es sich, dass auf dem Kontinent lange Zeit zu viel konsumiert und zu wenig investiert worden ist. Die brasilianische Währung geriet in den vergangenen Monaten unter Druck, und die mit Brasilien handelnden Unternehmen mussten ihr Währungsmanagement neu justieren.

Von Markus Renkes, Head FX4Cash Germany, Deutsche Bank

Bei der Betrachtung der wirtschaftlichen Situation Lateinamerikas ergibt sich eine deutliche Zweiteilung. Auf der einen Seite betreiben die großen Volkswirtschaften Argentinien, Brasilien und Venezuela eine stark restriktive Politik und zeigen kaum Bereitschaft zu Reformen. Auf der anderen Seite haben Länder wie Mexiko, Chile, Kolumbien und Peru das vergangene Jahrzehnt genutzt, um ihre Produktivität zu steigern und Investitionen voranzubringen.

Die südamerikanischen Länder müssen ihrer Wirtschaftspolitik mehr Autonomie und Effizienz geben. Zu den wichtigen Maßnahmen zählt der Abbau von Kon­trollen über Kapitalströme, die Steuern auf Finanztransaktionen beinhalten und die Konvertierbarkeit der Währung einschränken.

Brasilien ist auf diesem Weg ein gutes Stück vorangekommen. So hat das Land seit August dieses Jahres eine Vielzahl von Kapitalkontrollen beseitigt und am Devisenmarkt interveniert. Ausschlaggebend für diese Offensive waren sicherlich zum einen die Aufwertung des Real und zum anderen die Erwartung einer Wende der expansiven US-Geldmarktpolitik.

Nun unterliegen Bewegungen am Devisenmarkt stets einer Vielzahl von Einflüssen. Dazu gehören beispielsweise spekulative Kapitalflüsse, Währungsabsicherungen sowie realwirtschaftliche und finanzielle Zahlungsströme. Die Komplexität der Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Parametern, die sich aus diesen Kapitalströmen ergeben, macht eine Bewertung sehr schwierig. Da eine Fakturierung in Euro oftmals Probleme bereitet, empfiehlt sich die Rechnungsstellung in lokaler Währung. Die Erfahrung der vergangenen Jahre hat gezeigt, dass Unternehmen im Cashmanagement immer häufiger so verfahren. Denn mit diesem Schritt lassen sich sogar zusätzliche Wettbewerbsvorteile erzielen.

Um Währungsrisiken effektiv und professionell zu managen, bieten sich verschiedene Instrumente an, die sich in der Praxis erfolgreich bewährt haben. Insbesondere bei den regulierten Währungen in Argentinien, Brasilien, Chile und Kolumbien wurden Prozesse entwickelt, um den Zahlungsverkehr schnell und bequem in automatisierten Verfahren durchzuführen.

Unter anderem wurden spezielle Multiwährungssysteme entwickelt, die hochentwickelte Zahlungsverkehrsplattformen mit zahlreichen Funktionen bieten. Sie unterstützen automatisch verschiedene Bezahlmethoden, Handelsvaluten und Kursarten in zahlreichen Währungen. Auf diese Weise bekommen Unternehmen ein aktives Währungsmanagement an die Hand gegeben, das eine einheitliche Lösung für sämtliche grenzüberschreitenden Fremdwährungszahlungen bietet.

Neben der Konvertierungsfunktion sind im Fremdwährungszahlungsverkehr auch das Clearing und das Settlement, also die Zahlungsabwicklung zwischen den beteiligten Banken, von Bedeutung. Die Durchführung erfolgt über sogenannte Nostrokonten, die eine Bank im jeweiligen Heimatland der betreffenden Währung unterhält. Unternehmen mit Geschäftsaktivitäten in Lateinamerika werden bei der Deutschen Bank seit mehr als 100 Jahren vor Ort umfassend betreut. Zurzeit sind 547 Mitarbeiter an fünf regionalen Standorten im südamerikanischen Raum im Einsatz.

Kontakt: markus.renkes[at]db.com

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