Peru gilt unter makroökonomischen Aspekten seit Jahren als einer der Star-Performer in Lateinamerika. Hohe Wachstumsraten des Sozialprodukts bei gleichzeitig kontrollierter Inflation, gepaart mit solider Haushaltspolitik, außenwirtschaftlichem Gleichgewicht und einer Nettogläubigerposition gegenüber dem Ausland, machen das Land zu einem der besten Risiken auf dem Kontinent.

Von Ingo Gerding, Senior Regional Manager, BHF-BANK

Aus den Präsidentschaftswahlen 2011 ging der von den Märkten zunächst als linksgerichtet gefürchtete Ollanta Humala hervor, ein ehemaliger Militär mit ei-nem ähnlichen Werdegang wie Venezuelas Hugo Chávez. Der neue Präsident hat jedoch durch die Ernennung eines eher technokratischen Kabinetts, die Mandatsverlängerung für den angesehenen Gouverneur der Zentralbank und durch seine erklärte politische Orientierung am Brasilianer Lula da Silva die anfänglichen Sorgen weitgehend zerstreut. Auch seine relativ pragmatischen ersten Maßnahmen nach der Amtsübernahme haben für eine gewisse Beruhigung gesorgt.

Die Vorgängerregierung von Alán García hatte durch eine stabile und konservative Wirtschaftspolitik gute Voraussetzungen geschaffen: „asiatische“ Wachstumsraten bei „normalen“ Inflationsraten, solide Haushaltspolitik, Gleichgewichte oder Überschüsse in den Außenbeziehungen, kontrollierte Verschuldung bei soliden Devisenreserven. Als wichtiger Erfolg der Vorgängerregierung gilt auch der Abschluss von Freihandelsabkommen mit wichtigen Handelspartnern wie China, den USA, Japan, Südkorea, Kanada und zuletzt der EU. Problematisch bleibt die sozial prekäre Situation in vielen ländlichen Gebieten Perus.

Makroökonomisch ist Peru eines der Länder Lateinamerikas, das sich seit Jahren am besten entwickelt. Es hat in den letzten Jahren eine der höchsten Wachstumsraten des Sozialprodukts ausgewiesen (rd. 9% in den Jahren 2007, 2008 und 2010, damit Spitzenreiter in Lateinamerika) und hat gleichzeitig eine der geringsten Inflationsraten zu verzeichnen. 2009 ist die weltweite Wirtschaftskrise jedoch auch hier angekommen. Allerdings zählt Peru zu den wenigen Ländern, die in der Krise ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung vermeiden konnten und für 2009 ein geringes, aber positives Wachstum von 0,9% erreicht haben.

Aufgrund der soliden Haushaltsführung in den letzten Jahren konnte es sich die Regierung Perus erlauben, in der globalen Krise ein umfangreiches Konjunkturpaket auf den Weg zu bringen, ohne in größere Fiskaldefizite zu geraten. Gleichzeitig hat die sehr konservative Zentralbank das vor der Krise relativ hohe Zinsniveau deutlich reduziert, während das Bankensystem Anreize zur Kreditausweitung erhielt und diese auch deutlich umsetzte. Durch diese Maßnahmen wurden die Auswirkungen der Krise stark abgemildert.

Das Land wies in den vergangenen Jahren Zwillingsüberschüsse in Leistungsbilanz und Staatshaushalt aus, allerdings droht die Leistungsbilanz in die roten Zahlen zu rutschen, auch wenn die Handelsbilanz positiv bleibt. Die Auslandsverschuldung im Verhältnis zum BIP stagniert auf moderatem Niveau bzw. geht leicht zurück, gleichzeitig steigen die Devisenreserven, so dass Peru in den vergangenen Jahren eine Nettogläubigerposition gegenüber dem Ausland aufgebaut hat. Die Währung ist gegen den US-Dollar sehr stabil und tendiert eher zur Aufwertung. Fast alle wesentlichen makroökonomischen Eckdaten Perus sind positiv.

Bei den großen Ratingagenturen genießt Peru ein stabiles Investmentgraderating im Triple-B-Bereich, die Ausfallraten (CDS-Spreads) liegen mit 186 Basispunkten im unteren Bereich der lateinamerikanischen Länder und signalisieren eine moderate und im Regionalvergleich günstige Risikoeinschätzung.

Trotz dieses rundum erfreulichen wirtschaftlichen Panoramas hat Peru eine der ungleichsten Einkommens- und Vermögensverteilungen des Kontinents. Ein nach wie vor hoher Anteil der Bevölkerung gilt als arm, außerdem konzentriert sich die Wirtschaftsaktivität sehr stark auf die größeren Städte, hauptsächlich auf die Hauptstadt Lima, sowie in zweiter Linie auf die Küstenregion und den Norden, während viele ländliche Gebiete vor allem im Süden stark zurückgeblieben sind und unter weitverbreiteter Armut ­leiden.

Die regierenden Politiker haben diese Probleme erkannt und in den letzten Jahren eine deutliche Erhöhung der Staatsausgaben mit Fokus auf Infrastruktur, Bildung auf dem Lande, Kinderernährung und Armutsbekämpfung umgesetzt. Die neue Regierung von Ollanta Humala hat eine Weiterführung und Erweiterung dieser Programme beschlossen und außerdem bereits umfangreiche Sozialprogramme angekündigt, die hauptsächlich finanziert werden sollen durch eine Erhöhung der Abgaben der im Lande tätigen Bergbauunternehmen (Erlös ca. 1,1 Mrd US$ pro Jahr).

Für die deutsche Exportwirtschaft sehen wir Chancen im Bereich Bergbau (60% der peruanischen Exporte sind Bergbauprodukte!), Infrastruktur generell und Straßenbau speziell sowie zudem Gesundheit und Landwirtschaft. Wie fast überall in Lateinamerika genießen deutsche Produkte, insbesondere Kapitalgüter wie Maschinen aller Art, elektrotechnische Erzeugnisse und Fahrzeuge, in Peru hohes Ansehen und werden allgemein als qualitativ hochwertig geschätzt. Insgesamt wurden 2010 Waren im Wert von 1.514 Mio US$ nach Deutschland exportiert, während Peru Waren im Wert von 888 Mio US$ aus Deutschland importierte.

Kontakt: ingo.gerding@bhf-bank.com

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